Research-Spezialist von Vanguard „Darum lösen Indexstrategien und ETFs keinen Crash aus“

Jim Rowley leitet das Portfolio-Research Aktiv- und Passivanlagen bei Vanguard. | © Vanguard

Jim Rowley leitet das Portfolio-Research Aktiv- und Passivanlagen bei Vanguard. Foto: Vanguard

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Zehn Jahre sind die Kurse an den Aktienmärkten gestiegen, inzwischen machen Kursschwankungen die Anleger nervös. Die weitere Entwicklung der Zinsen ist ungewiss, die Lage in der Handelspolitik angespannt, der Brexit sorgt für Ratlosigkeit. Beobachter erkennen zahlreiche Gründe für einen baldigen Einbruch der Märkte – und verweisen dabei in einigen Fällen auf die wachsende Bedeutung von Indexstrategien als möglichen Auslöser für den nächsten Bärenmarkt.

Wir sehen in der steigenden Popularität von Indexfonds und ETFs dagegen eine der positivsten und wichtigsten Entwicklungen für Anleger der letzten vierzig Jahre. Mit ihrem Wachstum bieten sie sich als Sündenbock an, den man für Kurskorrekturen verantwortlich machen kann – zu Unrecht. Tatsächlich verdeutlicht der Vorwurf lediglich, dass viele Beobachter Märkte und Indexstrategien nicht richtig verstehen.

Wann und warum der nächste Abschwung kommt, wissen wir nicht. Aus drei Gründen kommen Indexfonds als Täter jedoch kaum in Frage.

1. Zwischen Indexfonds und Bärenmärkten besteht kein Zusammenhang

Kurseinbrüche, Volatilität und Bärenmärkte sind sehr viel älter als Indexfonds. Der erste Indexfonds wurde erst Mitte der Siebzigerjahre aufgelegt. Der bekannteste Börsencrash der Geschichte vom Oktober 1929 lag da schon mehr als 40 Jahre zurück. Genau wie bei jedem späteren Crash spielten damals mehrere Faktoren eine Rolle. Dies können wirtschaftliche Einbrüche sein, größere Katastrophen oder Spekulationsblasen, die Panik unter Investoren auslösen und die Kurse zum Einsturz bringen.

Quelle: Vanguard

Auch jüngere Krisen wie die Dotcom-Blase (2000-2002) oder die Finanzkrise (2008-2009) lassen keinerlei Zusammenhang zwischen Indexfonds und Bärenmärkten erkennen. Der Anteil von Indexfonds und ETFs an der Kapitalisierung des Aktienmarktes ist seitdem gestiegen, das Auf und Ab der Märkte blieb davon jedoch allem Anschein nach unberührt.

Diese Erkenntnis sollte niemanden überraschen. Indexfonds kommen nur auf einen geringen Anteil des gesamten Anlagevermögens, ihr Anteil am Handelsvolumen ist jedoch noch kleiner.  Ein Beispiel: US-Aktien sind die mit Abstand wichtigste Assetklasse für Indexfonds, dennoch tragen sie weniger als fünf Prozent zu gesamten US-Aktienhandel bei.