Wachtendorf-Kolumne Fondssparen: Schweinehunde und andere Sündenböcke

Sinniert über die Selbstzerstörung des Fondsgedankens: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | © Johannes Arlt

Sinniert über die Selbstzerstörung des Fondsgedankens: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. Foto: Johannes Arlt

Nein, an dieser Kampagne gibt es auch bei noch so kritischem Hinsehen nichts zu mäkeln. Handwerklich wie inhaltlich. „Überwinden Sie Ihren Sparschweinehund“, wirbt die DWS seit kurzem auf allen relevanten Kanälen: YouTube, Facebook, Twitter, Instagram – und natürlich auch ganz konventionell in der Bild-Zeitung. Unterschreiben kann man dabei so ziemlich jedes einzelne Argument, mit dem Börsen-Korrespondent Markus Koch und andere DWS-Werbeträger Anleger zum Fondssparen animieren sollen: Wenn Geld herumliegt, nimmt es ab. Für den Erfolg an der Börse braucht man kein Glück, sondern Zeit. Wer täglich mehr als sechs Stunden lang im Internet herumsurft, könnte wenigstens einmal eine halbe Stunde über Fondssparen nachdenken. Und einiges mehr.

Auch das begleitende Lockangebot ist fair: Die DWS verzichtet bei Depots, die zwischen dem 1. Juni und dem 1. Oktober eröffnet werden, fünf Jahre lang auf die üblichen Gebühren. Vorausgesetzt, der Neukunde schaltet einen Berater ein, spart mindestens 25 Euro pro Monat und erklärt sich zudem damit einverstanden, das Depot online zu führen. Auf die Möglichkeit, dass Ausgabeaufschläge rabattierbar sind, wird ausdrücklich hingewiesen, und für Sparfüchse sind auch ETFs der hauseigenen Marke X-Trackers verfügbar.

Trotz alledem: Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass diese Kampagne dem Fondssparen in Deutschland zum großen Durchbruch verhilft. Zum einen natürlich, weil der innere Schweinehund bei vielen Adressaten eben doch am längeren Hebel sitzt. Wie heißt es so schön im YouTube-Video? „Er“ ist der Grund, warum Millionen Deutsche 2018 wieder nicht abgenommen haben und trotz Anmeldung nicht ins Fitnessstudio gehen. Da wird dieser ungeliebte Geselle es auch zu verhindern wissen, den Glauben ans schon aus Kindertagen vertraute Sparbuch und das ach so bequeme Festgeld zu verlieren.

Doch es gibt noch einen zweiten Grund. Einen, der sich prinzipiell leichter überwinden ließe, momentan aber vielleicht sogar noch etwas schwerer wiegt. Die DWS ist – trotz Börsennotiz – ein Unternehmen der Deutschen Bank. Jener Deutschen Bank, die nicht aus den Negativ-Schlagzeilen kommt und hierzulande spätestens seit den Zeiten der Finanzkrise als eines von vielen Synonymen für Raffgier und dubiose Machenschaften gilt. Angesichts der Milliardenbeträge, die das Institut seit 2008 an Strafen und Schadenersatz leisten musste, nicht weiter verwunderlich. Die Hemmschwelle, in diesen Wochen und Monaten in einer Filiale der Deutschen Bank einen Fondssparplan zu eröffnen, ist groß – gerade bei den über die sozialen Medien umworbenen Zielgruppen. Wer’s nicht glaubt, muss im Internet nur die zu Artikeln über die Deutsche Bank geposteten Kommentare lesen.

Kaum anders sieht es beim zweiten Haupt-Vertriebspartner Deutsche Vermögensberatung (DVAG) aus. Es hat sich herumgesprochen, dass deren Berater nicht unbedingt nur das Wohl ihrer Kunden im Blick haben. Fünf Jahre gebührenfreie Depotführung für einen Fondssparplan schön und gut, aber irgendwie muss der hinter der DVAG stehende Apparat aus Provisionen, Mitarbeiter-Incentives und teuren Marken-Botschaftern wie Jürgen Klopp, Joey Kelly oder Horst Lichter bezahlt werden. Niemand sollte einen 18- oder 20-Jährigen, der sich 55 Minuten lang inhaltlich mit der Video-Botschaft „Die Zerstörung der CDU“ des YouTubers Rezo auseinandersetzt, für so naiv halten, diese Zusammenhänge nicht zu durchblicken. Denn auch da bietet das Internet reichlich Anschauungsmaterial.

Bleibt nur zu hoffen, dass die DWS nicht ähnlich konfus reagiert wie die CDU, sollte zur Abwechslung einmal sie im Zentrum eines „Zerstörungs“-Videos stehen. Sondern aktiv daran mitarbeitet, verlorengegangenes Vertrauen nachhaltig zurückzugewinnen.