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Plus bei der Inflation So reagieren Notenbanker

US-Zentralbankchef Jerome Powell
US-Zentralbankchef Jerome Powell: Notenbanker haben sich jahrelang für mehr Inflation eingesetzt. | Foto: Imago Images / Mediapunch

Die US-amerikanische Volkswirtschaft hat im ersten Quartal mit einem Wachstum von 6,4 Prozent einen Traumstart hingelegt. In der Eurozone gleicht es eher einem Fehlstart. Dank der dritten Corona-Welle ging die Wirtschaftsleistung hier um annualisiert 1,8 Prozent zurück. In Deutschland belief sich das Minus sogar auf 3,1 Prozent. Dennoch machen auch hier die schnell steigenden Impfquoten Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Der gerade veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex legt weiter deutlich zu und liegt über dem Vor-Pandemie-Niveau. Der Geschäftserwartungsindex bewegt sich sogar auf einem Mehrjahreshoch.

Mit dem Aufschwung kehrt allerdings auch die Inflation zurück. Zum einen sind das lediglich temporäre Basiseffekte aufgrund corona-bedingt rückläufiger Energiepreise im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres und zum Beispiel der zeitlich begrenzten Mehrwertsteuersenkung in Deutschland. Zum anderen trifft die hohe Nachfrage der Industrie auf vergleichsweise leere Lager. Überdurchschnittlich stark steigende Produzentenpreise sind die Folge.

Hier spielen zwar eine Reihe von Sonderfaktoren eine Rolle: das Horten von Rohstoffen in China im Umfeld von Handelsstreitigkeiten mit Australien, teilweise noch eingeschränkte Produktionskapazitäten bei Zulieferern, die Normalisierung der Lagerbestände oder Anfälligkeiten in der globalen Lieferkette etc. Doch insgesamt handelt es sich um eine nicht zu unterschätzende Dynamik.

Verbraucherpreise steigen wieder

Die Inflation hat im April in den USA überraschend stark auf 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. In Deutschland sind es „nur“ 2 Prozent, was im Vergleich der vergangenen Jahre dennoch hoch ist. Außerdem liegt der Wert bereits einen Tick über dem Ziel der EZB.  Und für die zweite Jahreshälfte steht ein größerer Schub bevor. Die Bundesbank spricht im aktuellen Monatsbericht nun sogar von bis zu 4 Prozent zum Jahresende. Ob sich daraus langfristige inflationäre Tendenzen ergeben, hängt davon ab, ob sich eine Lohn/Preis-Spirale entwickelt, wie wir sie in den 70 und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebt haben.

In Deutschland ist von dieser Gefahr noch recht wenig zu spüren. Die tariflichen Lohnabschlüsse der zurückliegenden Monate waren der gesamtwirtschaftlichen Lage entsprechend moderat. Die USA erleben derzeit allerdings etwas anderes. Während der neu gewählte Präsident Joe Biden noch im Kongress nach Stimmen für eine mehrstufige Anhebung des Mindestlohnes kämpft, schaffen die Unternehmen Fakten und erhöhen die Löhne für die unteren Lohngruppen spürbar. 

Der amerikanische Einzelhandelsriese Target zahlt ab Juli seinen Mitarbeitern nun mindestens einen Stundenlohn von 15 statt der bisherigen 13 US-Dollar. Auch Amazon geht auf 15 US-Dollar hoch. Zum Vergleich: Der nationale Mindestlohn liegt bei 7,25 US-Dollar, wobei einzelne Staaten höhere Löhne festgelegt haben. Außerdem gibt es sogar Firmen, die mit Antrittsprämien von bis zu 1.000 Dollar um neue Beschäftigte buhlen. Andere Unternehmen werden nachziehen müssen, um qualifizierte Mitarbeiter finden zu können. Denn die Bereitschaft zu arbeiten ist durch die Aufstockung des Arbeitslosengeldes durch die Biden-Administration auf das nahezu Doppelte des Mindestlohns deutlich gesunken. Hinzu kommen Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen, weil Kita und Co. immer noch eingeschränkt sind. Zumindest dieses Problem sollte jedoch bald der Vergangenheit angehören.

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