Strategische und taktische Vermögensallokation Market-Timing und seine Tücken

Market-Timing ist wie Black Jack spielen, man muss genau wissen, wann man All-In geht. | © Getty Images

Market-Timing ist wie Black Jack spielen, man muss genau wissen, wann man All-In geht. Foto: Getty Images

In der Theorie scheint die Strategie reizvoll. Investoren haben die Chance auf erhebliche Gewinne, wenn sie bevorstehende Bewegungen an den Finanzmärkten frühzeitig erkennen und zum Beispiel vor einem heftigen Einbruch Investitionen abstoßen oder zu Beginn einer starken Rally kaufen.

Doch leider funktionieren solche als Market-Timing bezeichneten taktischen Vorgehensweisen bei den meisten Investoren in der Praxis nicht sonderlich gut. Das eigene Portfolio selbst aktiv zu managen, ist schwierig. Noch schwieriger ist es, das Risiko der eigenen intuitiv getroffenen Entscheidungen über die bevorstehenden Markttendenzen zu tragen.

Im Extremfall hat Market-Timing etwas von Black Jack: Um das Haus zu schlagen, gilt es genau zu wissen, wann man noch weiter zieht oder wann man bedient ist. Und wer nicht zu den Ausnahmespielern zählt, der hat, gelinde gesagt, spärliche Chancen, den Dealer mit fortschreitendem Spielverlauf zu schlagen.

Studien zufolge kann die eigene finanzielle Verfassung tatsächlich langfristig darunter leiden, wenn man sich am Market-Timing versucht.

Heftige Einbrüche des Marktes sind selten

Häufigkeit eines bestimmten monatlichen Verlustwertes der weltweiten Aktien in den letzten 15 Jahren:

Quelle: Pictet Asset Management. Die Daten stammen aus den Erträgen des MSCI World Index im Zeitraum 31.12.2002-31.12.2017. Angaben in USD

Untersuchungen zufolge besteht eines der größten Risiken des Market-Timings tatsächlich darin, Investitionen selbst kurzfristig auszulassen.

So hat eine Studie aus den USA gezeigt*, dass eine Investition von 100.000 US-Dollar in einen Fonds aus US-Aktien zwischen 1996 bis 2016 am Ende 440.000 US-Dollar Ertrag gebracht hätte, wenn man das Portfolio unverändert gelassen hätte. Hätte man sich stattdessen am Market-Timing versucht und beispielsweise allein zehn der besten Handelstage des US-Aktienmarkts in diesem Zeitraum verpasst, wäre das Portfolio nur auf 219.000 US-Dollar gewachsen. Das ist eine erhebliche Diskrepanz. Aber Market-Timing hat auch Vorteile. Es ist durchaus geeignet für geübte und erfahrene Investoren, die mehrere Marktzyklen überstanden haben und in der Lage sind, große Datenvolumen zu sammeln und zu analysieren und Marktbewegungen vor einem dynamischen Ausbruch zu erkennen.

Insgesamt sollten wir uns an unser Erfahrung orientieren: Wer ein Portfolio breit gestreut anlegt und pflegt, hat bessere Chancen auf eine erfolgreiche Anlage.

Oder wie es der legendäre Investor Peter Lynch einmal ausdrückte: "Die Investoren haben weit mehr verloren, wenn sie sich auf Korrekturen einstellen oder diese frühzeitig erkennen wollten, als letztlich durch die eigentlichen Korrekturen verloren ging."

* Die Daten stellen die Preisrendite des S&P 500 Index in lokalen Währungen dar.