Thorsten Polleit Warum 'Goldgeld' wieder eine gute Versicherung ist

Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt beim Edelmetallspezialisten Degussa Goldhandel. | © Degussa Goldhandel

Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt beim Edelmetallspezialisten Degussa Goldhandel. Foto: Degussa Goldhandel

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank hat den Leitzins erneut angehoben, die Federal Funds Rate liegt jetzt in einer Bandbreite von 2,00 bis 2,25 Prozent. Die Fed-Räte haben in ihrer Pressemitteilung zudem gezeigt, dass sie den Leitzins ein weiteres Mal im kommenden Dezember, dreimal in 2019 und einmal in 2020 anheben wollen – das würde dann den Leitzins auf 3,4 Prozent bringt.

Es ist die starke US-Wirtschaft, die die Fed veranlasst hat, mit ihren Zinssteigerungen fortzufahren und sich damit von der „akkommodieren“ Geldpolitik zu verabschieden. Nach der Fed-Entscheidung stiegen die Aktienmärkte. Das Verhältnis zwischen Euro und US-Dollar wie auch die 10-jährige Rendite der US-Staatsanleihen (bei 3,08 Prozent) blieben nahezu unverändert, der Goldpreis gab etwas nach (0,5 Prozent und fiel auf 1,195 US-Dollar je Feinunze).

Künstlich niedrige Zinsen treiben die Aktienkurse an
S&P 500 und ausgewälte US-Zinsen in Prozent

                                           Quelle: Thomson Financial

Der Fed-Zinsentscheid war für die Finanzmärkte zwar keine Überraschung, jedoch sollte das nicht dazu verleiten, die weitreichenden Folgen der US-Geldpolitik zu unterschätzen. Denn so sehnlich auch die Anleger sich höhere Zinsen wünschen – steigende Zinsen bergen auch „Störpotential“. Der Grund: Sie entziehen dem aktuellen Aufschwung – in den USA, aber auch in anderen Teilen der Welt – einen wichtigsten Treiber: billige Kredite.

In der Vergangenheit hat die Fed schon einige Male den Boom, den sie zuvor mit ihrer expansiven Geldpolitik in Gang gesetzt hat, in einen Bust verwandelt. Man denke an das Platzen des New-Economy-Booms 2000/2001 oder die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. In beiden Fälle war die verschärfte Fed-Zinspolitik maßgeblich für das Ende des Booms verantwortlich. Die Auswirkungen waren in beiden Fällen für die Weltwirtschaft extrem problematisch.