Sylvia Eichelberg Foto: Gothaer Krankenversicherung AG

Gothaer-Vorständin Sylvia Eichelberg „Trotz Unsicherheit verstärkte bKV-Nachfrage“

Das Investment: Eine betriebliche Krankenversicherung, kurz bKV,  bieten bisher erst wenige der knapp 450.000 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten hierzulande. Sollte man diese Produktgattung nicht besser abschreiben?

Sylvia Eichelberg: Nein. Ich schätze das Potenzial in diesem Segment als sehr hoch ein. Bis Ende 2020 haben zwar erst 13.500 Unternehmen eine arbeitgeberfinanzierte bKV eingeführt. Das sind ungefähr 3 Prozent der Unternehmen, die mindestens zehn Mitarbeiter beschäftigen. Die Nachfrage nach der betrieblichen Krankenversicherung steigt allerdings bereits seit Jahren stetig. Denn immer mehr Unternehmen scheinen zu erkennen, dass sie so mit einem relativ geringen Investment ein deutlich beliebterer Arbeitgeber werden können.

Konzerne achten sicherlich auf ihr Image als Arbeitgeber. Aber weshalb sollte sich ein Mittelständler darum scheren? 

Gerade den kleinen und mittleren Unternehmen bereitet der Mangel an Fachkräften große Sorge. Unsere aktuelle Studie zu diesen Firmenkunden hat ergeben, dass 44 Prozent der Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern Schwierigkeiten haben, geeignete Fachkräfte zu finden und zu binden.
Eine betriebliche Krankenversicherung ist in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht ein sehr geeignetes Mittel, um sich von Wettbewerbern abzuheben. Denn über die betriebliche Krankenversicherung erleben die Mitarbeiter die Fürsorge ihres Chefs – zum Beispiel beim Zahnarzt oder Heilpraktiker, bei ambulanten oder stationären Behandlungen im Krankenhaus.

Aktuell beherrscht aber die Covid-19-Pandemie unser aller Denken über das Thema Gesundheit. Was bedeutet das für Zusatz-Policen wie die bKV? 

Corona hat die Bedeutung der Gesundheit in der öffentlichen Wahrnehmung insgesamt weiter in den Fokus gerückt. Unternehmen haben einen klaren Wettbewerbsvorteil, wenn sie sich aktiv darum kümmern, dass ihre Mitarbeitenden gesund werden beziehungsweise bleiben.
Das haben viele Arbeitgeber erkannt: Wir verzeichnen trotz der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Unsicherheiten eine verstärkte Nachfrage. Unsere gebuchten Bruttobeiträge in der Zusatzversicherung lagen 2020 um 2,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Das Neugeschäft stieg um 14,7 Prozent und die Zahl der versicherten Personen um 8,9 Prozent.

Bei welchen medizinischen Tarifbausteinen verzeichnen Sie besonders hohes Interesse der Arbeitgeber in Deutschland? 

Unternehmen wählen in der Regel entweder den Schutz vor hohen Kosten, also sehr kostenintensiven Ereignissen wie einem Krankenhausaufenthalt. Oder sie wollen, dass der Mitarbeiter die Vorteile seiner betrieblichen Krankenversicherung immer wieder erlebt. Dementsprechend verzeichnen wir einerseits eine große Nachfrage nach unserem Stationär-Tarif und unserem Zahnersatztarif.

Firmenkunden, die andererseits möchten, dass ihre Mitarbeitenden regelmäßig erleben, dass sich ihr Arbeitgeber um ihre Gesundheit kümmert, setzen auf unseren Budget-Tarif. Bei diesem Tarif können die Mitarbeiter im Rahmen eines Jahresbudgets über das ganze Jahr verteilt Rechnungen einreichen.
Das gilt zum Beispiel für eine professionelle Zahnreinigung oder für Zuzahlungen bei Arzneimitteln. Mit dem Budget-Tarif lassen sich allerdings auch individuelle Kombipakete erstellen – zum Beispiel mit den genannten Tarifen zum Absichern besonders hoher Rechnungen für privatärztliche Leistungen.

Viele Krankenversicherer wollen heute aber weg von der Rolle des reinen Bezahlers eingereichter Arztrechnungen und hin zum Status als Service-Partner zum Thema Gesundheit. Was bieten die bKV-Policen Ihres Unternehmens neben Budgets für übernommene Kosten?

Auch wir wollen gerade für den Mittelstand ein starker Dienstleister in Gesundheitsfragen sein. Wir haben unseren Budget-Tarif deshalb mit einer ganzen Reihe von Assistance-Dienstleistungen kombiniert. So bieten wir Mitarbeitenden, die im Budget-Tarif versichert sind, auch telemedizinische Behandlungen über das Internet an oder einen Service zur leichteren Terminvergabe beim Facharzt. Hinzu kommt die wichtige Unterstützung für den Fall, dass Angehörige zum Pflegefall werden.

Im Rahmen der Angehörigenpflege reicht dieser Service sogar so weit, dass wir einen Platz im Pflegeheim vermitteln. Diese Assistance-Dienstleistungen sind für die Firmen und den Mitarbeiter kostenfrei und belasten auch nicht das Jahresbudget des Kunden.
Darüber hinaus können alle Kunden der betrieblichen Krankenversicherung auch unsere Gesundheits-App nutzen. Sie bietet neben der Möglichkeit, Rechnungen digital einzureichen, weitere Service-Leistungen wie beispielsweise Ernährungs- oder Bewegungstipps. 

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