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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Ein Dankeschön für verletzte Feuerwehrleute in Kalifornien: Neben der Corona-Krise und Black-Lives-Matter-Konflikten erschwert im Westen der USA nun noch die besonders schwere jährliche Brandsaison das Leben der Menschen. Foto: imago images / ZUMA Wire

US-Verbraucherumfrage

Nur einer von zehn US-Amerikanern plant einen Urlaub

Sonal Desai, Franklin Templeton

Eine neue Befragung im Rahmen der Franklin Templeton-Gallup Economics of Recovery-Studie, die sich mit der wirtschaftlichen Erholung in den USA nach dem Corona-Schock befasst, hat ergeben: Die US-Haushalte scheinen ein gewisses Vertrauen zurückgewonnen zu haben.

Auf diese erfreuliche Entwicklung weisen mehrere Aspekte hin, die im Rahmen des zweiten Teils der Umfrage untersucht wurden: Erstens ist die Bereitschaft der Amerikaner, eine Reihe ihrer Alltagsaktivitäten wieder aufzunehmen, zwischen Juli und August stabil geblieben – trotz der neuen Infektionsfälle im Juli. Das werten wir nicht zuletzt auch angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Neuinfektionen inzwischen leicht zurückgegangen ist, als ein gutes Zeichen. Zweitens nimmt die Akzeptanz für das Tragen von Masken im ganzen Land immer mehr zu. Sie liegt mittlerweile bei mehr als 90 Prozent und zwar über Anhänger aller Parteien hinweg.

Verbraucher sparen für bessere Zeiten

Gleichwohl üben sich die meisten US-Verbraucher bei ihren Ausgaben weiterhin eher in Zurückhaltung. Unter denjenigen, die derzeit in der Lage sind, Geld zu sparen, planen drei Viertel, in den nächsten sechs Monaten weiter zu sparen. Und  weniger als ein Drittel beabsichtigt, mehr für Grundbedarfsgüter und -dienstleistungen auszugeben. Nicht zwingend erforderliche Ausgaben, wie zum Beispiel Urlaubsreisen, plant lediglich etwas mehr als einer von zehn Befragten. Nahezu ebenso hoch ist der Anteil derer, die ihre Schulden tilgen wollen.

Zudem werden Einnahmen zumeist als Polster beiseitegelegt – für den Zeitpunkt, an dem die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehende wirtschaftliche Unsicherheit abgeklungen sein werden. Diese zur Seite gelegten Mittel könnten sich als wertvolle Reserve erweisen und zu einem schnellen Wiederanstieg der Ausgaben beitragen. Kurzum: Die US-Amerikaner scheinen für bessere Zeiten zu sparen.

Impfstoff oder wirksame Therapien würden Kaufbereitschaft stark steigern

Die nochmalige Verbraucherbefragung im Rahmen der Studie belegt außerdem, dass 71 Prozent der US-Verbraucher nach der Bereitstellung eines wirksamen Impfstoffs zu ihrem bisherigen Kaufverhalten zurückkehren würden. Ein deutlicher Rückgang lokaler Neuinfektionen und Todesfälle würde hingegen lediglich jeden vierten Befragten zu einer höheren Kaufbereitschaft animieren.

Die Tatsache, dass der Großteil der US-Bevölkerung selbst einer sehr wirksamen lokalen Eindämmung der Ansteckung wenig Bedeutung beimisst, zeigt: Die lokalen Bedingungen haben nur einen sehr begrenzten Einfluss auf die Risikowahrnehmung. Die Unterstützung für die Wiedereröffnung von Schulen, Restaurants, Geschäften und Gebetsstätten scheint in allen Regionen deshalb einheitlich schwach zu sein, wobei sie im Westen des Landes besonders gering ist.

US-Verbraucher nehmen Covid-19-Risiken verzerrt wahr

Die US-Amerikaner neigen weiterhin dazu, das Covid-19-Sterberisiko für jüngere Menschen stark zu überschätzen, während sie das Risiko für Ältere deutlich unterschätzen. Diese Diskrepanz hat erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen, denn wer sich Sorgen über eine Ansteckung macht, tritt bei den Konsumausgaben eher auf die Bremse und dürfte weniger geneigt sein, beispielsweise die Wiedereröffnung von Schulen und das Hochfahren der Produktion in Unternehmen zu befürworten.

Insgesamt bestätigt unsere zweite Umfrage den Eindruck, dass eine bessere Aufklärung über die Risiken von Covid-19 den US-Amerikanern eine fundiertere Entscheidungsgrundlage bieten und die Rückkehr des Verbrauchervertrauens erleichtern könnte. Eine rasche Erholung der Wirtschaft würde dadurch merklich beschleunigt.

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