Einzelner Euroschein: Die meisten Kapitallebensversicherungen lohnen sich für Verbraucher nicht, sagt Vermögensverwalter Uwe Eilers. Foto: imago images / Dean Pictures

Vermögensverwalter Uwe Eilers

„Diese Lebensversicherungen sind klinisch tot“

Uwe Eilers
Foto: FV Frankfurter Vermögen

Besitzer von Kapitallebensversicherungen leiden schon eine ganze Weile, wenn sie denn sich die wirklichen Zahlen aus der Vergangenheit genau angeschaut haben. Die Renditen sind in fast allen Fällen weit entfernt von dem, was einmal versprochen wurde. Dabei ist aufgrund der Intransparenz die Berechnung der Erträge fast unmöglich, da allein die reinen Versicherungskosten für die Absicherung der biometrischen Risiken selten separat transparent dargestellt werden. Auch die Kosten für Vertrieb und Verwaltung der Verträge sind schwer nachvollziehbar. Nicht selten werden am Ende der Laufzeit nur etwas mehr als die Hälfte der ursprünglich versprochenen Gelder ausgezahlt.

Fast jeder, der mit der Police ein Immobiliendarlehen zum Ende der Laufzeit tilgen möchte, erlebt mit Schrecken, dass nach Auszahlung der Police ein großer Teil des Immobiliendarlehens nicht getilgt werden kann und die Schulden über weitere viele Jahre getilgt werden müssen. Gründe dafür sind die stark gesunkenen Zinsen über die Jahre. Nicht zu vernachlässigen ist allerdings die in den meisten Fällen sehr hohe Kostenquote der Versicherungsverträge.

Eine Senkung des Garantiezinses auf ein halbes Prozent ab 2021 bedeutet aber bei weitem nicht, dass dies die künftige Mindestrendite ist! Das ist die Mindestrendite auf die Sparquote. Das bedeutet, dass die Abschluss- und Verwaltungskosten sowie die Kosten für die Absicherung der biometrischen Risiken zunächst herausgerechnet werden. Erst das, was übrigbleibt, also nicht selten maximal 90 Prozent der Anlagesumme soll mit mindestens 0,5 Prozent verzinst werden! Wer nun jedes Jahr die 0,5 Prozent darauf rechnet, wird die Police rund 40 Jahre lang ansparen müssen, damit das Geld durchschnittlich 20 Jahre angelegt ist. Erst dann kommt man wieder auf seinen eingezahlten Beitrag. Null Rendite über 40 Jahre bei einer jährlichen Inflation von durchschnittlich 1,5 Prozent bedeuten einen realen Geldverlust von rund 50 Prozent.

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