DER-FONDS-Chefredakteur Egon Wachtendorf

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Wachtendorf-Kolumne

Fondsauflösung: Donald ... verzweifelt gesucht

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Die im Folgenden beschriebene Situation als Alptraum eines jeden Fondsanlegers darzustellen, trifft sicher nicht den Kern: Auf die Idee, sich über so eine Konstellation Sorgen zu machen, kommt nämlich kein normaler Mensch. Trotzdem, theoretisch kann es passieren, was unserem Pechvogel – nennen wir ihn Donald – nächste Woche blüht, wenn er von seinem zweimonatigen Urlaubstrip rund um die Welt nach Hause zurückkehrt.

Donald wird irgendwann den Computer starten und im Netz die Direktbank seines Vertrauens ansteuern. Dort checkt er sein Depot – und wundert sich. Obwohl die Börsen in seiner Abwesenheit glänzend performt haben, ist ausgerechnet der Fonds, in den er vor seinem Urlaub mit großen Erwartungen investiert hat, abgestürzt. Nach aufgeregten Telefonaten mit der Bank wird er schließlich den Grund erfahren: Beim Quant. Möbius Golden Cross Diversified war er neben einer großen Versicherung und einigen Familienmitgliedern des Fondsberaters der einzige Anteilseigner. Die Versicherung hat ihr Geld abgezogen, die Familienmitglieder folgten – nur Donald war nicht auffindbar und musste mit seinem Kapital plötzlich sämtliche laufenden Kosten des Fonds alleine tragen. Die Folge: Innerhalb von nur zwei Monaten ist sein Kapital um fast die Hälfte geschrumpft.

Ein Extremfall, gewiss. Und da Donald nie aufgibt, wird er ganz sicher zusammen mit der Kapitalanlagegesellschaft einen Weg finden, sein Geld zurückzubekommen. Trotzdem bleiben Fragen. Etwa die, ob Fonds, die zu 99,5 Prozent von einem einzelnen Investor dominiert werden, ohne jede Kennzeichnung im freien Vertrieb erhältlich sein sollten. Denn wenn sie dort wie im Fall des Quant. Möbius Golden Cross Diversified sogar ganz offiziell mit einem großzügigen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag angeboten werden, besteht immer die Möglichkeit, dass sich ein einzelner Investor wie Donald hineinverirrt – obwohl ihn dort im Grunde genommen niemand haben will. Und den Stress, der dadurch bei allen Beteiligten entstehen kann, braucht nun wirklich keiner.

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