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Volkswagen belegt Platz 1 der größten deutschen Familienunternehmen Foto: imago images / Sylvio Dittrich

Globale Familienunternehmen als Anlagestrategie

Werterhalt über den Tag hinaus

Familienunternehmen sind bekanntlich das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie sind einer der Erfolgsgaranten für unsere Prosperität und stellen den Löwenanteil der Arbeitsplätze bereit. Sie stehen gleichermaßen für Innovation und Stabilität. Weltweit tragen Familienunternehmen zwischen 50 und 70 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Stabile Eigentümerstruktur erlaubt langfristige Entscheidungshorizonte

Unternehmen im Familienbesitz zeichnen sich durch eine hohe Stabilität in der Aktionärsstruktur aus, häufig über mehrere Generationen hinweg. Diese Dominanz erlaubt es, wichtige strategische Weichenstellungen mit langfristigem Blick vorzunehmen, ohne sich von kurzfristigen Nachteilen hiervon abschrecken zu lassen. Das finanzielle Engagement der Eigentümerfamilien sorgt gleichzeitig für eine eher konservative Bilanzpolitik, denn es ist das Vermögen der Familie, das im Feuer steht. Die tendenziell niedrigere Verschuldung von Familienunternehmen bedeutet dabei nicht, dass Investitionen unterbleiben. Im Gegenteil ist die Quote von Kapitalinvestitionen bei Familienunternehmen tendenziell höher. Gleichzeitig ist die Eigenkapitalrendite höher. Dadurch sichern diese Firmen die langfristige Stabilität ihres Geschäftsmodells – eine Tatsache, die sich in jeder Rezession auszahlt.

Familienunternehmen an der Börse unterrepräsentiert

Für Anleger ist dieses Anlagesegment – insbesondere in Deutschland – begrenzt zugänglich. Ein guter Teil des deutschen Mittelstands ist nicht börsengelistet. Global sehen die Verhältnisse etwas anders aus, denn etwa 20 Prozent des Börsenwerts des globalen Index MSCI AC World wird von Familienunternehmen eingenommen (unter der Annahme, dass 30 Prozent der Stimmrechte bei einem oder mehreren Familienmitgliedern liegen). Wenn man gewisse Qualitätskriterien wie Corporate Governance und langfristige Nachfolgeplanung anwendet, findet man global knapp 500 Unternehmen von ausreichender Größe, die für eine Investition in Frage kommen. Sie finden sich in allen Sektoren und sowohl bei Wachstums- als auch bei Value-Unternehmen.

Relative Schwäche an den Börsen im Vergleich zu Megacap-Techaktien

An den Aktienmärkten haben Anlagestrategien für Familienunternehmen in den vergangenen Jahren keine besondere Stärke gezeigt im Vergleich zum Gesamtmarkt, erst recht nicht in Relation zu den Technologiebörsen. Das lässt sich im Wesentlichen auf zwei Eigenschaften dieses Anlagesegments zurückführen. Zum einen sind viele Familienunternehmen klein- bis mittelkapitalisiert, da viele dieser Unternehmen in einer hoch spezialisierten Nische operieren und niemals den Schritt zu einem diversifizierten globalen Konglomerat vollzogen haben, nicht selten aus gutem Grund. In den vergangenen drei Jahren war die Entwicklung der Börsenbarometer maßgeblich von der atemberaubenden Wertentwicklung der Megacaps geprägt. Diese haben nicht nur besser performt als der Rest des Marktes, sie haben auch ein ungleich höheres Gewicht in den Aktienindizes, was diese Wirkung noch verstärkt. Zum anderen sind viele Filialunternehmen in „traditionellen“ Sektoren tätig, also in der Industrie. Diese Sektoren sind tendenziell zyklischer und standen zuletzt weniger im Fokus der Investoren als Technologieunternehmen.

Diese relative Schwäche von Nebenwerten und Value-Aktien konnte man bis in die Marktkorrektur des Frühjahrs 2020 hinein beobachten, damals sogar noch beschleunigt. Seither beobachten wir eine Trendumkehr. Obgleich Technologiewerte sich vom Kursabsturz der ersten Corona-Welle rasch erholten und schon im Sommer zu alten Höchstständen zurückkehrten, haben die Anlagestile für Familienunternehmen beinahe unbemerkt noch besser abgeschnitten. Value-Titel und Nebenwerte konnten einen kleinen Teil des über die Jahre aufgebauten Rückstands aufholen. Doch es verbleibt – bei aller Unsicherheit über die Schätzung künftiger Unternehmensgewinne – ein deutlicher Bewertungsabschlag gegenüber vielen Wachstumsunternehmen. Häufig nähern sich die Bewertungsrelationen im Laufe der Zeit wieder an, sofern die Profitabilität des Anlagesegments Familienunternehmen sich nicht verschlechtert. Dies lässt die Erwartung einer relativen Stärke für die kommenden Jahre realistisch erscheinen. Wenn man zu diesem Bewertungsargument noch die Möglichkeit, in familiengeführte Tech-Wachstumsunternehmen zu investieren, hinzurechnet, ergibt sich eine vielversprechende Anlagechance.

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