Verkehrspolizisten in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi schenken Wasser aus: Das südostasiatische Land ist eine interessante Anlageregion, findet Vontobel-AM-Profi Sven Schubert. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

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Vietnam bietet mehr als nur ein Wirtschaftswunder

Die Voraussetzungen für Vietnam in den 1980er-Jahren hätten kaum schwieriger sein können. Nach einem zermürbenden 20-jährigen Krieg war das Land wirtschaftlich am Boden. Es folgte eine Phase des ökonomischen Zusammenbruchs mit Inflationsraten von über 300 Prozent. Zudem zwang eine schwere Hungersnot Vietnam dazu, große Mengen an Reis für die Versorgung der Bevölkerung zu importieren. Lediglich die finanzielle Unterstützung des Kriegsbruders Nordvietnams und der Sowjetunion hielt die Wirtschaft am Leben.

Das Jahr 1986 brachte für Vietnam jedoch die Wende, denn die Wirtschaftsreform „Doi Moi“ leitete den Übergang von einer zentralistischen Planwirtschaft zu einer sozialistischen Marktwirtschaft ein. Die Kernelemente der Landwirtschaftsreform, Kapitalmarkt- und Gütermarktliberalisierung sowie eine Bildungsreform sorgten innerhalb von lediglich 20 Jahren für den beeindruckenden Aufstieg Vietnams.

Vietnam profitiert vom Handelsstreit

Während die Landwirtschafts- und Bildungsreform den Grundstein für die Wende im Inland legten, sorgte die rasche Integration Vietnams in die Weltwirtschaft, welche im Jahr 2007 mit der Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) gipfelte, für das notwendige Kapital und Know-how zur Umgestaltung der vietnamesischen Volkswirtschaft. Die Industrie sowie der Dienstleistungssektor begannen schon in den frühen 1990er-Jahren die Wirtschaft zu dominieren. Dabei ist der Anteil der Exporte von Gütern und Dienstleistungen zwischen 1986 und heute von 7 Prozent auf 110 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestiegen.

Lediglich die Handelsdrehkreuze Hong Kong und Singapur weisen einen höheren Exportanteil auf. Der steigende Wohlstand Chinas und anderer asiatischer Länder sorgte zudem für eine Auslagerung von Produktionskapazitäten nach Vietnam. So produziert Samsung heute beispielsweise den größten Teil seiner Mobilfunktelefonteile in Vietnam. Doch auch die Entwicklung des realen Wirtschaftswachstums ist bemerkenswert. Verzeichnete das Land zwischen 1970 und 1986 noch ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 5 Prozent, ist dieses zwischen 1986 und heute auf 6,7 Prozent gestiegen.

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