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Straßenszene in Thailand: Die asiatischen Volkswirtschaften befinden sich auf solidem Wachstumskurs. | © Getty Images

Asiatische Schwellenländer erstarken Lokalwährungen bieten dem US-Dollar die Stirn

Chetan Sehgal, Strategiechef bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity

In Phasen mit starkem US-Dollar und sinkenden Rohstoffpreisen hat sich die Anlegerstimmung gegenüber den Schwellenländern stets verschlechtert, eine Folge der Asien-Krise der Jahre 1997 und 1998.

Im Vorfeld der Krise hatten sich damals massive ausländische Investitionen und eine Reihe von Finanzblasen gezeigt. Gleichzeitig hatte die US-Notenbank mit der Anhebung der Zinssätze begonnen, was eine Aufwertung des US-Dollar zur Folge hatte. Für die Schwellenländer wurde dadurch die Bedienung von auf Dollar lautenden Schuldtiteln zunehmend erschwert. Die Entscheidung Thailands, die Bindung seiner Währung an den US-Dollar aufzuheben, offenbarte die Verwundbarkeit der asiatischen Volkswirtschaften und machte sie zum Ziel spekulativer Währungsattacken.

20 Jahre nach der Asien-Krise halten wir das wirtschaftliche Umfeld in vielen Schwellenländern für fundamental deutlich stärker und robuster als damals. Nach unserer Erfahrung sollten sich die Anleger daher weniger auf das Geschehen in den USA konzentrieren und mehr auf die Entwicklungen in den einzelnen Ländern selbst achten.

In vielen Fällen haben die Schwellenländer aus vorherigen Krisen gelernt und sowohl ihre politischen als auch die Governance-Strukturen gestärkt. Zudem sind viele Schwellenländer heute weniger rohstoffabhängig als noch vor zwei Jahrzehnten. Daher sind die launischen Rohstoffpreise inzwischen von deutlich geringerer Bedeutung. Und interessanterweise sind zwei der wichtigsten Schwellenländer, Indien und China, beide Importeure von Öl und Rohstoffen. Beide Volkswirtschaften können vor diesem Hintergrund von günstigeren Rohstoffpreisen infolge eines stärkeren US-Dollar profitieren. Die aktuelle Stärke des US-Dollars spielt ihnen also in die Karten.

Thailand und viele andere Länder haben seit vielen Jahren ihre Währungen freigegeben und steuern ihre Devisenreserven und Leistungsbilanzen routiniert und diszipliniert. Es gibt viele Beispiele dafür, inwieweit in den einzelnen Schwellenländern die verbesserte Regulierung des Bankwesens die Erschließung inländischer Finanzierungsquellen fördert. Daher sind die Länder in geringerem Maße als zuvor von auf US-Dollar lautenden Schuldtiteln abhängig, deren Bedienung im Zuge steigender US-Zinssätze kostspielig sein kann.

Mehr oder weniger überraschende Änderungen der US-Politik können in Schwellenländern mit hohen Auslandsschulden natürlich nach wie vor schmerzhafte Folgen auslösen. Wir stellen jedoch einen generellen Wandel fest: Die Geldpolitik in Asien ist nicht mehr so eng wie früher an die US-Zinssätze gekoppelt und hängt stärker vom lokalen Wachstum und den Inflationsbedingungen ab.

Gleiche Region, andere Ausgangslage

Durch den Impuls der Asien-Krise rangen sich im Nachgang der Jahre 1997/98 viele Schwellenländer Asiens zu drastischen Reformen durch. Seither sind deren Fundamentaldaten deutlich robuster – was eine Wiederholung der Krise von 1997 verhindern dürfte.

Aus unserer Sicht gibt es ganz entscheidende positive Veränderungen, etwa bei Wirtschaftswachstum, Finanzreformen und der Entwicklung der lokalen Kapitalmärkte. Der Dreh an diesen Stellschrauben hat den Wandel in den von der Asien-Krise am härtesten getroffenen Ländern befeuert. Thailand, Malaysia und China, um einige Beispiele zu nennen, haben inzwischen Leistungsbilanzüberschüsse.

1997 war das noch ganz anders. Der Absturz des thailändischen Baht erwies sich als Brandbeschleuniger der damaligen Krise. Heute steht die fundamentale Lage in Thailand auf einer breit abgestützten Grundlage. Das Land erzielt einen hohen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 40 Milliarden US-Dollar, den die Branchen Tourismus, Autoindustrie und die wachsende Textilindustrie erwirtschaften.

Auch in Indonesien geriet die Währung während der asiatischen Finanzkrise durch den Anstieg des US-Dollars unter Druck. Die Zentralbank des Landes unternimmt seither erfolgreich beträchtliche Anstrengungen zur Umsetzung neuer Regulierungsvorschriften. Hierzu gehören beispielsweise höhere Importzölle auf Konsumgüter, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. Mit diesem Schritt wird das Leistungsbilanzdefizit verringert, das derzeit bei 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt. Die indonesische Zentralbank hat überdies die Befugnisse und den Willen, die indonesische Rupie nötigenfalls durch Zinsanhebungen und mittels Milliarden von US-Dollar an Devisenreserven zu verteidigen.

Geringe Verschuldung eröffnet Spielräume

Im Allgemeinen sind die Schwellenländer nicht zuletzt geringer verschuldet als die Industrieländer. Aus unserer Sicht könnte dieser nicht unwesentliche Unterschied ihnen etwas Spielraum beim weiteren Ausbau ihrer Volkswirtschaften verschaffen. Das könnte schneller gehen als erwartet: Nach den jüngsten zurückhaltenden Äußerungen der US-Notenbank (Fed) hat sich die Markterwartung gegenüber der künftigen US-Geldpolitik verändert. Sollte die Fed ihre Zinsanhebungen im Verlauf des Jahres 2019 nicht fortsetzen, ergibt sich eine Verlangsamung des Zinsanhebungszyklus. In diesem Zusammenhang könnte es außerdem in Anbetracht der erwarteten Verlangsamung des US-Wachstums zu einer Stabilisierung oder sogar Abschwächung des US-Dollar kommen.

Finanzmärkte und Fundamentaldaten der wichtigsten asiatischen Volkswirtschaften haben sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewandelt. Anders als damals stehen die asiatischen Schwellenländer heute auf einer breiten Basis, die nicht zuletzt vom Binnenmarktwachstum der im Vergleich zu den Developed Markets demografisch deutlich günstiger aufgestellten Bevölkerung getragen wird. Diese mit Umsicht und Ausdauer erarbeitete Widerstandsfähigkeit macht die Schwellenländer unserer Einschätzung nach gegenüber einem starken US-Dollar weniger anfällig.

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