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Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner.  | © Assenagon

Assenagon-Chefökonom Martin Hüfner

Steigt der Ölpreis auf 100 US-Dollar je Barrel?

Zu all den Risiken, die die Märkte derzeit belasten, ist ein neues dazugekommen: Der Ölpreis. Er ist - von den meisten unbemerkt - seit Ende letzten Jahres um fast 40 Prozent gestiegen. Die Verschärfung der Spannungen um Iran sowie die Verschmutzung russischen Öls haben Ängste aufkommen lassen, der Preis könnte noch weiter deutlich steigen. Die Rede ist zum Teil von Notierungen um 100 US-Dollar je Bar­rel. Derzeit sind wir bei gut 70. Halten Weltwirtschaft und Weltfinanzmärkte so etwas aus? Oder würde es einen neu­en Crash auslösen?

Zunächst: Ein Anstieg des Ölpreises auf 100 US-Dollar je Barrel ist möglich. Das Angebot auf den Märkten geht zurück. Der Iran gehört traditionell zu den größten Förderländern, auch wenn es seine Kapazitäten derzeit nicht voll ausgeschöpft hat. Neben Iran sind aber auch die Lieferungen zum Beispiel von Lybien oder Venezuela geschrumpft.

Große Förderländer zögern

Entscheidend ist allerdings, inwieweit die anderen Produzenten das fehlende Angebot ersetzen. Können tun sie es. Dann gäbe es keinen Preisanstieg. Aber große Förderländer wie Saudi Arabien oder Russland zögern. Sie sind an höheren Preisen interessiert. Der öffentliche Haushalt Saudi Arabiens ist erst bei einem Preis von 80 US-Dollar je Barrel ausgeglichen. Umgekehrt treten die USA klar für niedrigere Ölpreise ein. Das hilft Präsident Trump bei seinen Wählern. Die amerikanischen Ölproduzenten sehen das freilich nicht so gern.

Insgesamt ist die Interessenlage komplex. Ich halte unter diesen Umständen ein Extremszenario mit einem Preis von 100 US-Dollar je Barrel für unwahrscheinlich. Dazu würde es meines Erachtens nur bei einer drastischen Verschärfung der Spannungen kommen, etwa der Schließung der Straße von Hormus oder militärische Interventionen der Amerikaner.

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