Fondsmanager-Team des Carmignac Patrimoine: Rose Ouahba und David Older | © Carmignac, Studio Cui Cui Foto: Carmignac, Studio Cui Cui

Carmignac-Flaggschiff-Manager im Gespräch

„Die Zuflüsse kommen bald zurück“

DAS INVESTMENT: Der Carmignac Patrimoine hat die Corona-Krise bislang gut gemeistert. Die Performance steigt auch verglichen mit den Vorjahren. Was waren Ihre entscheidenden Maßnahmen?

Rose Ouahba: Die Erfahrung mit der Bewältigung früherer Marktkrisen war hilfreich. Auch diesmal, wie schon in den Jahren 2000, 2008 und 2011 war oberstes Gebot, das Risiko rasch vollständig zu erfassen und entsprechend zu handeln. Wir waren uns der Tatsache bewusst, dass die Situation in 2020 nicht mit dem Jahr 2003 vergleichbar ist, als eine Epidemie in China erfolgreich auf eine zumeist regionale Bedrohung eingedämmt werden konnte.

Die Globalisierung der Epidemie erschien uns realistisch zu sein. Und Krisen in einer vernetzten Welt haben die Tendenz, sich exponentiell auszubreiten, so dass die Märkte während der ersten Wochen häufig der Kurve hinterher laufen. Als wir dieses Risiko erkannten, beschlossen wir, unser Engagement in Anleihen der Peripherieländer und Schwellenländenr rasch abzubauen, wir reduzierten unser Netto-Aktienengagement drastisch und erhöhten schließlich unsere Barbestände.

Dabei blieb es jedoch nicht?

Ouahba: Wir kamen zu dem Schluss, dass die Gesundheitssysteme in Europa und den USA sicherlich nicht für die Pandemie gerüstet waren. Die politischen Entscheidungsträger waren jedoch auf eine Marktkrise vorbereitet. Sie wussten, dass sie dieses Mal überzeugend eingreifen und das gesamte Spektrum der politischem Maßnahmen nutzen mussten. Sie hatten aus ihren Erfahrungen von 2008 gelernt. Als wir den ersten Hinweis bekamen, dass der bisher größte wirtschaftliche Schock durch den umfassendsten fiskal- und geldpolitischen Impuls, den es je gegeben hat, bewältigt werden sollte, waren wir von einer Rückkehr zu einem Exposure der Portfolios überzeugt.

Warum konzentrierten Sie sich wieder auf Wachstumstitel?

David Older: Während dieser großen Marktverschiebungen blieb unsere Überzeugung, dass nach wie vor tiefgreifende deflationäre Kräfte in der Wirtschaft wirken, die teilweise durch den Technologie-Sektor bedingt sind. Wenn überhaupt, dann haben sich diese Trends durch die Krise verstärkt.

Daher bestand unsere Marktstrategie auf der Aktienseite darin, uns weiterhin auf qualitativ hochwertige, langfristige Wachstumsunternehmen zu konzentrieren, die in einem Umfeld knappen Wachstums in der Lage sind, eine Performance zu erzielen: Diese werden durch Goldminenunternehmen, einige inflationsgebundene Anleihen und Kredite ausgeglichen, um die Auswirkungen der reflationären Bemühungen der politischen Entscheidungsträger zu erfassen. In einem solchen Umfeld ist unserer Meinung nach der Portfolioaufbau mindestens ebenso wichtig wie die taktische Risikoverwaltung.

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