CNN-Effekt: Unicredit-Chefvolkswirt über die Folgen der Japan-Katastrophe

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Unseren Berechnungen zufolge ist insbesondere der asiatisch-pazifische Raum betroffen. Der Anteil der Exporte und Importe Südkoreas nach und aus Japan beträgt mehr als 8 Prozent der südkoreanischen Wirtschaftsleistung. China und Australien sind mit mehr als 4 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich stark "anfällig". Für Deutschland und die USA beträgt die Relation hingegen nur rund 1 Prozent. Allerdings könnten die negativen Impulse für die deutschen Unternehmen über Drittmarkteffekte entstehen. Schwächt sich etwa die chinesische Konjunktur spürbar ab, hat dies wiederum deutliche Auswirkungen auf Deutschland. Seit dem Kollaps von Lehman Brothers im Herbst 2008 sind die Ausfuhren deutscher Unternehmen nach China außergewöhnlich kräftig angestiegen.

Neben sehr starken negativen Effekten für die Weltwirtschaft existieren aber auch tendenziell unterstützende Impulse. Sie können zwar das generelle Bild bei Weitem nicht drehen. Eine moderate Dämpfung der negativen Auswirkungen ist aber wahrscheinlich:

Vorübergehend sehr starker Rückgang des Ölpreises

Im Zuge einer tiefen Rezession und der Zerstörung von Raffineriekapazitäten fragt Japan als drittgrößter Ölimporteur der Welt deutlich weniger Öl nach. Dies würde den Ölpreis noch wesentlich stärker fallen lassen als aktuell (zuletzt unter 110 US-Dollar pro Fass). Auch die Nachfrage nach anderen Rohstoffen wie etwa Industriemetallen dürfte deutlich nachlassen. Das sorgt dann für eine Entlastung der Kaufkraft von Unternehmen und Privathaushalten weltweit.

Zunächst keine Zinserhöhungen von Zentralbanken

Die chinesische Notenbank wird ihren monetären Straffungszyklus auf jeden Fall zumindest unterbrechen, wahrscheinlich sogar vollständig aussetzen. Auch eine Normalisierung der Geldpolitik in der Eurozone dürfte in weite Ferne rücken. Um Investoren zu beruhigen, könnten die Notenbanken in den USA, Europa und Japan auch anhaltend Liquidität in die Geldmärkte schießen (mit den entsprechenden Risiken wie etwa der Entstehung von Blasen an den Finanzmärkten nach der Krise).

Die Weltwirtschaft ist angeschlagen

Es ist zu früh, unser Basisszenario eines deutlichen aber lediglich vorübergehenden Einbruchs der Wirtschaftsaktivität in Japan zu ändern. Eine solche Revision würde einen Informationsstand implizieren, den wir im Augenblick aufgrund der Situation nicht haben können. Faktisch ist die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in Japan und der Weltwirtschaft höher denn je.

Klar ist: Die Weltwirtschaft muss jetzt den dritten Schock innerhalb kurzer Zeit verdauen und ist deshalb angeschlagen. Im vergangenen Frühjahr kam zunächst die Schuldenkrise in der EWU. Im Herbst 2010 fingen dann die Energie- und Nahrungsmittelpreise an zuzulegen. Durch die Ereignisse in Nordafrika seit Jahresanfang 2011 beschleunigte sich der Anstieg des Ölpreises zunächst weiter. Und jetzt die tragischen Ereignisse in Japan. Die Abwärtsrisiken für Finanzmärkte und Konjunktur haben damit enorm stark zugenommen.

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