Corona-Pandemie Die Phase des „Tanzes“ hat begonnen

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Weil die Erfolgsaussichten für die Erfindung eines Impfstoffs noch unklar sind, wurden parallel alternative Entwicklungen angestoßen, um die Zeit bis dahin zu überbrücken.   

Ein Ansatz ist beispielsweise die Entwicklung von Antikörpern: Bei denen wird nicht auf das körpereigene Immunabwehrsystem gesetzt, sondern auf vor der Virusinfektion schützende Antikörper, die gespritzt werden können. Da die Forschung hier auf etablierte Bausteine zurückgreifen kann, dürften die Erfolgsaussichten höher sein. Nachteil ist, dass diese Art Impfung – genauer: diese passive Immunisierung – alle paar Wochen erneuert werden muss. Der Vorteil: Krankenhauspersonal, Pflegekräfte sowie Risikogruppen können damit geschützt und Infizierte eventuell behandelt werden, bis ein dauerhafter Schutz gefunden ist. Auch dadurch würden die Kapazitäten des Gesundheitssystems erhöht, es könnte zu weiteren Lockerungen kommen.

Mit ersten Antikörper-Kandidaten, die zum Schutz und zur Behandlung von Patienten getestet werden, ist im Sommer 2020 zu rechnen. Bereits Anfang Mai vermeldeten Forscher in den USA, in Deutschland und Israel einen Durchbruch bei ihrer Forschung. Beteiligte Pharma-Unternehmen gehen von einer Kapazität in Höhe von mehreren hunderttausend Dosen Mitte des Jahres aus.

Ein wichtiger Erfolg wäre auch das Finden von antiviralen Medikamenten, welche die Krankheit heilen oder zumindest den Krankheitsverlauf abmildern können. Für ein erstes Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde, konnte gezeigt werden, dass es die Zeit verkürzte, in der ein Covid-19-Patient im Krankenhaus war oder beatmet werden musste – damit könnte die Kapazität der Gesundheitssysteme gesteigert werden. Auch konnte ein Trend hin zu einer etwas geringeren Sterblichkeit unter diesem Medikament gezeigt werden.  Angesichts der Notsituation hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA dieses Medikament im Eilverfahren zugelassen. Bis zum Jahresende 2020 sollen Dosen für rund eine Million Patienten zur Verfügung stehen.

Die Entwicklung eines komplett neuen antiviralen Medikaments, das spezifisch gegen das Virus SARS-CoV-2 wirkt, welches die Erkrankung Covid-19 hervorrufen kann, dürfte jedoch mindestens fünf bis zehn Jahre dauern.

Der „Tanz“ ist noch nicht zu Ende. Aber es lohnt sich, auf die Taktwechsel zu achten und den Rhythmus von pharmazeutischer Forschung und ökonomischer Entwicklung zu verfolgen. Eine Entwicklung zeichnet sich dabei in Anbetracht der massiven Interventionen der Zentralbanken rund um den Globus bereits jetzt ab: Die Anleiherenditen sollten noch länger und in noch mehr Segmenten niedrig beziehungsweise negativ bleiben.


Über die Autoren:
Hans-Jörg Naumer leitet die Kapitalmarktanalyse und das thematische Research bei Allianz Global Investors (AGI).

Patrick Fuchs ist Direktor und Senior-Analyst für den Bereich Healthcare bei AGI.

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