Dax: Der Rekord, der keiner war

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Der Dax hingegen erreichte als Kursindex sein Allzeithoch am 7. März 2000 mit 6.266,15. Der derzeitige Stand ist 4.419,52. Um den bisherigen Rekordstand als Kursindex zu knacken, müsste der Dax noch um circa 42 Prozent steigen. Aus dieser Perspektive erscheint der vorgebliche Dax-Rekord als sehr fragwürdig. Gerade im Bezug mit anderen internationalen Aktienindizes erscheint der Dax in vergleichbarer Berechnungsweise als klarer Nachzügler, nicht als Rekordhalter.

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3) Der Dax und die Inflation

Der Dax wird als nominale Größe berechnet, also ohne Berücksichtigung der Wertminderung durch Inflation. Insbesondere bei langfristigen Performancevergleichen spielt die Geldentwertung eine wichtige Rolle. Für diesen Vergleich kann 1960 als Ausgangsdatum genommen werden, da ab hier brauchbare Daten sowohl für einen zurückgerechneten Dax wie auch für die Inflationsentwicklung vorliegen.

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Bereinigt man den Dax um die Entwicklung des Verbraucherpreisindizes, zeigen sich folgende interessante Ergebnisse:

• Nominal haben sich Dax-Aktien seit 1960 fast verzwanzigfacht. Inflationsbereinigt haben sich die Dax-Aktien allerdings nur auf das circa 4,7-fache des Ausgangswertes erhöht.

• Aktien haben als Schutz vor Geldentwertung während der Hochinflationszeiten der 60er und 70er Jahre nicht funktioniert.

• Die Werteinbußen im Dax waren real nach dem Platzen der Internetblase 2001 ungefähr genauso groß wie während der Ölkrisen der 70er Jahre.

• Der nominale Rekordwert von 2007 lag real eindeutig unter dem nominalen Rekordwert von 2000.

• Der nominale Rekordwert von 2013 lag real eindeutig unter dem nominalen Rekordwert von 2007.

Unter Berücksichtigung der Inflation hat der Dax also seine bisherigen Rekorde noch nicht einstellen können. Von aktueller Basis wäre ein weiterer Anstieg um circa 19,5 Prozent auf 9.974 nötig, um gegenüber 2000 einen realen Rekord aufzustellen und nicht nur einen nominalen.

Noch größer fällt die Differenz zwischen gegenwärtigem Wert und dem Höchststand aus, wenn man den Dax-Kursindex inflationsbereinigt. Dann hätte der Dax erst 2.710 erreicht, nur den 2,7-fachen Wert des Startdatums von Ende 1987. Von heutiger Basis aus wäre dann ein Anstieg um circa 74,7 Prozent nötig, um den bisherigen Höchststand vom März 2000 wieder zu erreichen.

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4) Der Dax nach Steuern

Der Einfluss der Kapitalertragsteuern auf Dividenden ist relativ schwierig nachzurechnen, da diese Steuern für alle Anleger nicht immer einheitlich sind und waren. Bei der Berechnung des Dax wird angenommen, dass am Tage des Dividendenabschlags die Bruttodividende wieder voll in den gleichen Wert investiert wird.

In der Realität kann aber nur die Nettodividende nach Abzug der Kapitalertragssteuer und mit Transaktionskosten reinvestiert werden. Insofern kann ein Investor tatsächlich nur einen Teil reinvestieren. Hierdurch fallen auch Zinseszinseffekte an, die bei einer Nachberechnung nur sehr schwer berücksichtigt werden können. Die Abschätzung des Einflusses von Dividendensteuern auf den Dax ist daher nur ungefähr möglich.

Von Stoxx gibt es Indizes für den Gesamtmarkt Deutschland, die ab Ende 2001 zur Verfügung stehen und sowohl als Bruttoreturnindex (also vor Abzug der Steuern) wie auch als Nettoreturnindex (nur Dividenden nach Steuerabzug werden eingerechnet) berechnet werden. Ihr Vergleich zeigt, dass die fehlende Steuerbereinigung einen Performancevorteil von circa 0,95 Prozent pro Jahr ergibt.

Da die Dividendenrenditen bei Blue Chips speziell Anfang des Jahrzehnts eine geringere Rolle spielten, kann für den Dax angenommen werden, dass dieser Vorteil relativ hoch angesetzt ist und ein niedrigerer Wert von circa 0,8 Prozent pro Jahr realistischer erscheint. Ungefähr die Hälfte dieses Effekts basiert auf dem direkten Steuerabzug, die andere Hälfte auf dem Zinseszinseffekt.

Seit Auflage des Dax vor über 25 Jahren hätte dieser geringfügig erscheinende Effekt nach unseren Annahmen allerdings circa 1.620 Indexpunkte an Performance gekostet. Dies entspricht 22 Prozent des ausgewiesenen Wertgewinns. Ein Netto-Return-Dax würde also erst bei circa 6.730 stehen.

Verglichen mit dem bisherigen Indexrekord von 8.151 (2007) hat der Dax aufgrund des Kapitalertragssteuereffekts ungefähr 4,7 Prozent verloren. Das heißt also, erst mit einem Indexstand, der den Wert von 8.554 übersteigt, wäre der um Dividendensteuern bereinigte Rekord von 2007 gebrochen.

Verglichen mit dem Indexhöchststand von 2000 (8.061) wären nach unseren Annahmen circa 10 Prozent an Performance durch Dividendensteuern verloren gegangen. Um dies auszugleichen, wäre ein Anstieg auf über 8.952 im Dax erforderlich.

Zieht man Dividendensteuern und Inflation gemeinsam in Betracht, sind durch sie seit dem Höchststand von Mai 2007 circa 13 Prozent beziehungsweise seit März 2000 circa 28 Prozent an realen Werten verloren gegangen. Um alle Einbußen seit 2000 komplett wieder zu auszugleichen, wäre auf Grundlage des Dax-Schlussstandes vom 31. Mai 2013 (8.348,84) noch ein weiterer Anstieg um circa 32,6 Prozent auf 11.071 nötig.

Insofern könnte nur oberhalb dieser Marke von einem echten Rekord gesprochen werden. Der Dax hat also bei Weitem noch nicht die realen Wertverluste ausgeglichen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Im Gegenteil besteht noch starker Nachholbedarf.

Mögliche Steuerbelastungen aus Kursgewinnen bei Anpassungen oder Umstellungen im Index wurden bei dieser Berechnung noch gar nicht berücksichtigt, obwohl diese im Einzelfall – wie zum Beispiel als die VW-Stammaktie in der Gewichtung begrenzt oder aus dem Dax entfernt wurde – für den Anleger sehr relevant sein können.


5) Aktie oder Rente

Aktie und Rente sind die klassischen Formen der langfristigen Kapitalanlage. Nach allgemeiner Meinung sollen Renten niedrige, aber stabile Zinsen bringen, während Aktien höhere Erträge abwerfen, die allerdings stärker schwanken.
Als allgemeine Messgröße für den Rentenmarkt hat sich der Deutsche Rentenindex Rex etabliert.

Von ihm gibt es wie beim Dax eine Ausgabe als Performance- und eine als Kursindex. Allgemein gebräuchlich ist aber nur der Performanceindex. Bei ihm gibt es ähnliche Probleme wie beim Dax aus der Nichtberücksichtigung von Steuern bei der Berechnungsmethode für die Reinvestierung von Zinsen. Da diese die vorwiegende Einnahmequelle sind, ist dieser Effekt etwas stärker ausgeprägt als beim Dax.

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