Esma-Chef Steven Maijoor Foto: imago images / IP3press

Armutszeugnis für die Bafin

Die nächste Wirecard-Welle rollt an

Eine Behörde aus Paris bringt Bewegung in den Skandal um das ehemalige Vorzeige-Hightech-Unternehmen Wirecard. So veröffentlichte die europäische Finanzaufsicht Esma einen Bericht, der die deutschen Kollegen von der Bafin nicht gerade gut aussehen lässt.

Zur Erinnerung: Im Juni meldete sich das Unternehmen Wirecard aus Aschheim zahlungsunfähig, nachdem 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz fehlten. Es stellte sich heraus, dass Geschäftsberichte gefälscht und Umsätze künstlich aufgepumpt waren. Noch im September 2018 war Wirecard als strahlender Vertreter von Zukunftstechnologien in den Dax aufgestiegen.

Nun bemängelt die Esma, dass die Bafin nicht gut genug wisse, welche Aktiengeschäfte ihre Mitarbeiter abschließen. Das wecke Zweifel daran, wie robust die internen Kontrollsysteme seien, was mögliche Interessenkonflikte angeht. In dieselbe Kerbe haut ein Bericht der Capital. Demnach wickelten Bafin-Mitarbeiter mehr Geschäfte mit Wirecard-Aktien ab, als zunächst bekannt war. Allein im ersten Halbjahr waren es 265 Geschäfte, darunter auch Wetten auf sinkende Kurse, in diesem Fall über Put-Optionen oder Differenzgeschäfte (Contracts for Difference, kurz CFDs).

Außerdem erkennt die Esma laut ihrem Bericht erhöhte Risiken, dass das Bundesfinanzministerium die Bafin beeinflusst. Indikatoren seien Frequenz und Details der Bafin-Berichte ans Ministerium, manchmal sogar vor bestimmten Aktionen. Zudem habe man „Mängel in der Koordination und Ineffizienzen in Zusammenhang mit dem Wirecard-Fall erkannt“. Deshalb habe man wichtige Zeitungsartikel nicht wahrgenommen, selbst wenn der Wirecard-Aktienkurs kurz danach einbrach, und sei nicht ausreichend schnell über Beschwerden informiert gewesen, die die Alarmglocken hätten läuten lassen müssen.

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sollte die Wirecard-Berichte untersuchen. Laut Esma-Bericht lagen Bafin und DPR aber nicht auf derselben Wellenlänge darüber, welche Aufgaben der jeweils andere zu erfüllen hatte und welche Rolle er spielen sollte. Zudem habe es wegen diverser Vertraulichkeitsregeln dabei gehakt, wichtige Informationen auszutauschen.

An der personellen und finanziellen Ausstattung von Bafin und DPR habe es jedenfalls nicht gelegen, so der Esma-Bericht weiter. Die hätten ausgereicht, um Wirecard ordentlich zu überwachen. Den kompletten Bericht in englischer Sprache finden Sie hier.

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