Michael Reuss (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Vermögensverwalter erläutert Ist Ether die bessere Kryptowährung?

Symbolischer Ether-Coin und und elektronische Grafikkarten (Symbolbild)
Symbolischer Ether-Coin und und elektronische Grafikkarten (Symbolbild): Die Ethereum-Blockchain wird gern für sogenannte Smart Contracts genutzt. | Foto: imago images / CTK Photo
Michael Reuss, Foto: Huber, Reuss & Kollegen

Der Energieverbrauch der digitalen Währungen ist ein großes Problem. Seit Anfang August stellt Ethereum auf einen neuen Algorithmus um. Dies soll den Energieverbrauch erheblich senken und könnte die Attraktivität weiter steigern.

Ethereum ist nicht ganz so populär wie der Bitcoin. Dabei ist sie die zweitgrößte Kryptowährung. Wobei hier ein Missverständnis vorliegt. Ethereum ist keine digitale Devise. Vielmehr handelt es sich um eine Stiftung mit Sitz im schweizerischen Zug. Zweck der Ethereum Foundation (EM) ist die Bereitstellung einer offenen, für alle zugänglichen Technologie („Open Source"), welche die Entwicklung und den Betrieb von dezentralen Anwendungen zum Ziel hat. Als Grundlage dafür dient eine eigene Blockchain. Ethereum dient als Plattform für dezentrale Blockchain-Projekte aller Art und geht damit deutlich über den eines reinen Zahlungssystems (wie beim Bitcoin) hinaus.

Die Kryptowährung des Ethereum-Netzwerks heißt Ether (ETH). Sie dient als internes Zahlungsmittel, wird also als Gebühr für die Nutzung von Ethereum-Anwendungen oder den Transfer von ETH berechnet. Nach dem Bitcoin mit rund 850 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung weist Ether mit knapp 360 Milliarden US-Dollar den zweitgrößten Wert aller Kryptowährungen auf. Wie andere Digitaldevisen kann ETH über Kryptobörsen gekauft und in einer elektronischen Geldbörse (Wallet) auf dem Smartphone oder PC sicher und ohne Kontrolle durch Dritte aufbewahrt werden.

Das Erfolgsgeheimnis von Ethereum sind die sogenannten Smart Contracts. Diese „cleveren Verträge" sind auf einer Blockchain gespeicherte Wenn-dann-Regeln, welche Transaktionen automatisch ausführen, sobald vorab festgelegte Bedingungen erfüllt werden. Damit lassen sich Zeit und Kosten sparen, beispielsweise bei Zinsausschüttungen oder Dividendenzahlungen. Ist ein bestimmter Stichtag erreicht, kommt es automatisch zu den entsprechenden Zahlungsströmen.

Werden mehrere dieser Smart Contracts logisch miteinander verknüpft, spricht man von einer Dapp (Distributed App). Das Besondere an diesen Anwendungen ist, dass sie dezentral vom gesamten Ethereumnetzwerk betrieben werden und nicht – wie es üblicherweise der Fall ist – von einem einzelnen Unternehmen. Nach der Installation auf der Blockchain können Dapps nicht mehr verändert oder entfernt werden, alles geschieht voll automatisiert. Wäre Twitter beispielsweise eine Dapp, wäre es praktisch unmöglich, Tweets zu löschen oder Konten zu sperren.

Dapps finden heute vor allem im Bereich der digitalen Finanzdienstleistungen praktische und sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten. Die Dapp Agave zum Beispiel ermöglicht die Kreditvergabe oder -aufnahme von Kryptowährungen ohne die Angabe persönlicher Daten. Ebenso wenig wird die Arbeit von Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern benötigt.

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