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Ariel Bezalel ist Chefstratege und Fondsmanager beim britischen Fondshaus Jupiter. | © Jupiter AM

Jupiter-Fondsmanager Ariel Bezalel „Die Fed wird die Zinsen noch deutlich senken“

Während im vergangenen Jahr noch Zinserhöhungen und Bilanzsenkungen auf der Tagesordnung standen, verfolgen die Zentralbanken inzwischen einen ganz anderen Kurs. Aufgrund unsicherer Konjunkturaussichten und einer weiterhin gedämpften Inflation, zieht die US-Notenbank Fed Zinssenkungen in Betracht. Angesichts negativer Zinssätze ist die Europäische Zentralbank sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Mario Draghi fordert zusätzliche Impulse, sollten sich die schwachen Wirtschaftsdaten nicht verbessern und die niedrige Inflation ansteigen.

Die Märkte haben schnell reagiert. Die Terminmärkte preisen eine Zinssenkung der Fed im Juli mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit ein und erwarten eine Reihe weiterer Zinssenkungen bis Ende 2020. Angesichts der Handelsspannungen, die die Besorgnis über die niedrige Inflation und die sich verschlechternden Wirtschaftsindikatoren weiter verschärfen, suchen Investoren zunehmend sichere Häfen wie Gold und Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel im Juni zum ersten Mal seit November 2016 unter zwei Prozent, und sagenhafte 70 Basispunkte allein im Laufe dieses Jahres. Die niedrigsten Renditen bietet jedoch Europa: 10-jährige deutsche Bundesanleihen erzielen minus 30 Basispunkte, während 30-jährige Schweizer Anleihen zuletzt sogar negative Renditen lieferten.

Tatsächlich ist der Anteil der weltweit mit negativen Renditen verzinsten Schuldtitel auf einen Höchststand von 13 Billionen US-Dollar gestiegen, angeführt von Europa, wo Unternehmensanleihen im Wert von 500 Milliarden Euro mit negativen Renditen verzinst werden. Die neue Welle der geldpolitischen Lockerung könnte eine längere Phase von Schuldtitel mit negativer Rendite einläuten.

Rezessions-Wolken zu erkennen

Meiner Meinung nach herrscht große Selbstgefälligkeit bei Risikoanlagen, da Investoren in ein immenses Anlagespektrum hineingezogen werden, ohne sich der tatsächlichen Risiken bewusst zu sein. Ich bin seit einiger Zeit der Überzeugung, dass die US-Wirtschaft sich dem Ende ihres Konjunkturzyklus nähert und auf die nächste Rezession zusteuert. Diese Überzeugung basiert auf einer Vielzahl von makroökonomischen und marktbezogenen Warnsignalen. Dazu gehören unter anderem der Anstieg der durch niedrige Zinsen am Leben gehaltenen Covenant-Lite-Kreditverträge und Zombiefirmen sowie die anhaltende Verschlechterung der Handelsdaten in wichtigen Finanzplätzen Asiens und Europas. Hinzu kommen die Verschuldung privater Haushalte und Unternehmen auf Rekordniveau und flache beziehungsweise inverse Renditestrukturkurven. Der globale Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe verzeichnete inzwischen 13 Downticks in Folge und rutschte im Mai in den rückläufigen Bereich ab.

Besonders hervorzuheben ist, dass der derzeitige wirtschaftliche Aufschwung in den USA der längste Aufschwung in der Geschichte des Landes seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1854 ist. Das allein sollte ein Warnsignal sein. Die Fed ist kaum noch in der Lage die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Mit einer billionenschweren Bilanz und Zinsen, die mit 2,25 bis 2,5 Prozent immer noch nahe den historischen Tiefstständen liegen, steht die Fed weiterhin unter Druck. Nicht zu vergessen, die Fed hat die Zinsen in der Nachkriegszeit angesichts eines Abschwungs im Durchschnitt um etwa 4,5 Prozent gesenkt.

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