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DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms findet die Schwarze Null gar nicht so schlecht, weil sie der Regierung Spielraum verschafft hat. | © Nadine Rehmann Foto: Nadine Rehmann

Krisenpolitik der EZB

Hat da gerade jemand gegähnt?

In dem Lucky-Luke-Comic „Am Mississippi” gibt es eine bemerkenswerte Szene. Der Revolverheld Pistolen-Pete will sich mit Luke anlegen. Der provoziert ihn solange, bis Pete hemmungslos mit seinen Schießkünsten angibt und selbstgefällig fragt: „Na, ist das nichts?“ Der Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, antwortet nur: „Nein. Aber das war deine letzte Kugel.“

Pistolen-Pete erinnert mich an den ehemaligen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Der war besessen davon, die Inflation auf das angepeilte Ziel von knapp unter 2 Prozent zu heben. Weil seine Vorgänger das mal so festgelegt hatten. Und dafür tat er alles: Er kaufte Anleihen für Billionen, er stampfte die Guthabenzinsen unter (!) null, er prahlte damit, den Euro zu retten („Whatever it takes“). Obwohl letzteres eher die Aufgabe der Regierungen war, finde ich noch immer (Schmähbriefe und Belehrungen bitte einfach an meine Email-Adresse).

Und jetzt? Jetzt sieht sich die EZB einer echten Krise gegenüber, gepaart mit einer wahrscheinlich heftigen Rezession. Und hat keine Kugel mehr in der Trommel. Ja, sicher will sie den Guthabenzins nochmal senken, noch mehr Anleihen kaufen, Kredite bereitstellen. Hat da gerade jemand gegähnt? Kann schon sein, denn die noch einmal stärker aufgedrehte Geldschwemme stimuliert offenbar niemanden mehr so richtig, um mal im etablierten Finanzsprech zu bleiben.

Im Gegenteil. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass es keine gute Idee war, den europäischen Banken per Minuszins das Zinsgeschäft zu versauen. Auch eine dauerhaft flache Zinskurve (die EZB hat ja bewusst mit ihren Käufen die Renditen am langen Ende gedrückt) ist fürs Kreditgeschäft nicht sonderlich zuträglich. Zumindest wenn ich meinem Bankwissen über Fristentransformation und die goldene Bankregel noch vertrauen darf. Das hat dem Bankwesen eine Vorkrankheit beschert, die sich nun in der Corona-Krise rächen kann.

Überhaupt ist es ja im Grunde gar keine Corona-Krise, sondern eine Maßnahmen-gegen-Corona-Krise. Indem das öffentliche Leben heruntergefahren wird, bricht ganzen Wirtschaftszweigen die Nachfrage weg: Gastronomie, Kultur, Reisen. Mein Nachbar führt ein Unternehmen für Kühltechnik. Indem die betroffenen Gastronomen sparen, bekommt er wahrscheinlich einen Zweitrundeneffekt zu spüren. Ebenso wie seine Angestellten. Um es klarzustellen: Ich halte die Maßnahmen für absolut sinnvoll und solidarisch den Älteren und Schwächeren gegenüber. Aber sie sind eben auch nicht ohne Nebenwirkungen.

Und genau hier wird es gefährlich: Sobald durch die (angeordnete) einbrechende Nachfrage Menschen ihre Arbeit verlieren, werden die wiederum sparen und zwangsläufig weniger Geld ausgeben. Das könnte für die berüchtigte Abwärtsspirale sorgen. Und die könnte eine Deflation auslösen. Und zwar zur Abwechslung mal eine richtige.

Kann die EZB dagegen was tun? Nein. Nicht mehr. Die Trommel ist leergeschossen. Sie kann mit Geld nicht alles kaufen. Und sie kann mit Geld nicht einfach Kursverluste ersäufen. Egal, mit wie viel Geld.

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