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Verantwortung für die Zukunft

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Studierende der Automatisierungstechnik und Robotik: Die entsprechende Fondsstrategie von Candriam hat innerhalb von drei Jahren ein verwaltetes Vermögen von fast 1 Milliarde Euro angezogen.  | © imago images / Westend61 Foto: imago images / Westend61

Robotik und Automatisierung

„Wir sind Zeuge atemberaubender Entwicklungsschritte“

Johan Van Der Biest, Candriam

Herr van der Biest, wie beurteilen Sie die langfristigen Aussichten für das Thema Robotik und innovative Technologien?

Johan van der Biest: Diese Megatrends werden langfristig ein erheblich stärkeres strukturelles Wachstum aufweisen als die Weltwirtschaft als Ganzes. Service- und Gesundheitsroboter können uns im Wortsinn „schwere Arbeiten“ abnehmen, wenn die Bevölkerung in den hoch entwickelten Ländern, aber auch in den Schwellenländern altert. In der Zeit nach Covid-19 werden Technologie, Gesundheit und nachhaltige Energien die wachstumsstärksten Bereiche sein. Unser Team für thematische Aktien investiert seit zwei Jahrzehnten in solche Paradigmenwechsel, etwa in den Bereichen Biotechnologie, demografische Entwicklung, Onkologie, Gesundheitswesen und Klimawandel. Das Spannende daran: Disruptive Innovationen sind ein immer wiederkehrendes Thema an den Märkten – jeweils in anderer Form.

Was hat sich in den vergangenen drei Jahren getan, seit der Candriam Equities L Robotics & Innovative Technology aufgelegt wurde?

van der Biest: Wir sind Zeuge atemberaubender Entwicklungsschritte. Das Tempo der technologischen Innovation hat sich stärker beschleunigt als je zuvor. Ob Robotik, maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz, Big Data, virtuelle Realität, Cloud Computing, das Internet der Dinge, automatisierte Fahrzeuge – die Liste ist umfänglich. Keine Frage: Wir haben unsere thematische Anlagestrategie aufgrund unserer Überzeugung von ihrem langfristigen Wachstumspotenzial entwickelt. Doch seit Auflage des Fonds haben die Technologien unsere Erwartungen übertroffen.

Können die Anleger Ihren Erwartungen folgen?

van der Biest: Die Anleger erkennen das und möchten daran teilhaben. So hat unsere Strategie innerhalb von drei Jahren ein verwaltetes Vermögen von fast 1 Milliarde Euro angezogen. Obwohl die globalen Aktienmärkte im März/April 2020 einbrachen, vertrauen die Anleger disruptiven Technologien, sodass wir bei unseren Portfolios keine signifikanten Rücksetzer verzeichneten.

Was müssen Anleger über die Performance der Branche wissen? Was sind die Treiber für Candriam?

van der Biest: Es ist wichtig, zwischen dem breiten Robotikuniversum und Industrieroboter-Unternehmen zu unterscheiden. Industrieroboter-Unternehmen zählten in den vergangenen Jahren zu den am wenigsten interessanten Anlagen im Bereich Robotik. Sie litten unter einem langsameren Umsatzwachstum, mäßigen Margen und dem Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Die bessere Entwicklung von Unternehmen in Nischenbereichen der Robotertechnik hingegen, wie Chirurgieroboter, bestätigt unsere Entscheidung, ein breiteres Robotikuniversum ins Auge zu fassen. Autonome Fahrzeuge, spezialisierte High-end-Roboter, computergestütztes Sehen, das Internet der Dinge und maschinelles Lernen – all diese disruptiven Anwendungen stützen sich auf Halbleiter und Sensoren. Daher hat dieses Segment bereits in der Vergangenheit am meisten zu unserer Strategie beigetragen.

Aktien aus dem Bereich Robotik und Automatisierung sind jedoch nicht mehr billig…

van der Biest: Die überdurchschnittlichen Bewertungen werden durch höhere und nachhaltigere Umsatzzuwächse und Margen sowie sehr solide Bilanzen mit ausgeprägter Liquidität kompensiert. Die Qualität der Gewinne und das Gewinnwachstum sind ebenfalls hoch. Die hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im Vergleich zum Umsatz belegen, dass diese Unternehmen intensiv in ihre Zukunft investieren, und nicht durch Kostensenkungen wachsen.

Inwiefern haben ESG-Aspekte zu Ihren Analysen und zur Fondsperformance beigetragen?

van der Biest: Bei Candriam ist unser gesamtes Investmentmanagement, nicht nur die SRI-Prozesse, auf ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG) ausgerichtet. Sei es Klimawandel, Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Naturressourcen oder Abfallentsorgungssysteme – leistungsfähige Umweltsensoren, Halbleiter mit niedrigem Energieverbrauch, energieeffiziente Rechenzentren, Simulationssoftware und fortschrittliche Recyclingtechnologien treiben die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit an.

Wie verändert die neue Welt nach Covid-19 die Robotik und andere disruptive Technologien?

van der Biest: Die Entwicklung von Robotik und Automatisierung wird durch Covid-19 sowohl kurz- als auch langfristig beschleunigt. Ungeachtet der zaghaften Wiedereröffnung der Volkwirtschaften arbeitet derzeit ungefähr ein Drittel der Arbeitnehmer in den hoch entwickelten Ländern im Homeoffice und lässt sich Lebensmittel und andere Bedarfs- und Gebrauchsgüter nach Hause liefern. Logistik-, Fulfillment-, Transport- und auf längere Sicht auch Lieferroboter dürften davon profitieren. Kurzfristig werden außerdem Desinfektionsroboter benötigt.

Die Kosten in den Gesundheitssystemen steigen, daher liegt hier noch reichlich Potenzial für Digitalisierung und Automatisierung brach, oder?

van der Biest: In der Tat! Vor allem das Gesundheitswesen dürfte mittel- bis langfristig profitieren. Aufgrund der Gefahren, die mit dem Besuch einer medizinischen Einrichtung verbunden sind, hat die Akzeptanz virtueller Gesundheitsdienstleistungen dramatisch zugenommen. Selbst zögerliche Aufsichtsbehörden dürften die Nachfrage und die Vorteile erkennen.

Mittel- bis langfristig ist auch mit einer breiteren Akzeptanz der Möglichkeit von Fern-OPs zu rechnen. Zudem müssen bestimmte Routinearbeiten tausendfach wiederholt werden, etwa die Messung der Körpertemperatur, zum Beispiel an Flughäfen. Um gefahrlos Bluttests durchführen zu können, ist ein Blutabnahmeroboter bereits in der Entwicklung. Wir erinnern uns: In den ersten Jahren von AIDS/HIV hatten Pflegekräfte große Angst, wenn sie Blutabnahmen durchführen mussten. Bei Covid und anderen Tests ist das Risiko pro Test für das medizinische Personal vielleicht geringer. Doch allein die schier ungeheure Zahl der Menschen, die getestet werden müssen, macht es fast unvorstellbar, dass medizinisches Personal allein diese Aufgabe stemmen kann.

Zum ungekürzten englischsprachigen Originalbeitrag gelangen Sie hier.

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