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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Kreuzung im südkoreanischen Seoul: Die Schwellenländer in Asien haben kontinuierliche Fortschritte beim Ausbau ihrer Volkswirtschaften erzielt. | © imago images / Mint Images Foto: imago images / Mint Images

Schwellenländer

Asien ist für die Zukunft gut aufgestellt

Unser Schwellenländer-Team hat festgestellt, dass einige Anleger immer noch überholte Meinungen zur Anlageklasse Emerging Markets pflegen. Die neuen Realitäten sehen hingegen ganz anders aus. So erhöhen unter anderem weitreichende politische Verbesserungen in Schwellenländern deren Widerstandsfähigkeit in turbulenten Zeiten.

Deutlich geringere Verschuldung als in den entwickelten Ländern

Wiesen in den vergangenen Jahrzehnten viele Schwellenländer große außenwirtschaftliche Ungleichgewichte, Leistungsbilanzdefizite und Haushaltsdefizite aus, haben viele der Länder über die Zeit Lehren aus früheren Krisen gezogen, um ihre Volkswirtschaften zu stärken und neu aufzustellen. So haben viele Schwellenländer im Vergleich zu den Industrieländern heute mit Blick auf Staat, Unternehmen und Privathaushalte eine geringere Verschuldung. Das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt (Staatsverschuldung) liegt in den Schwellenländern nach Angaben des Internationalen Währungsfonds bei rund 50 Prozent und beträgt somit nur gut halb so viel wie in den Industrieländern insgesamt. Die folgende Grafik zeigt, dass in den Schwellenländern nicht nur die Verschuldung der Staaten generell niedriger ist, sondern auch die der Privathaushalte und, sofern man China ausklammert, auch die Verschuldung der Unternehmen.

Wenn es in turbulenten Marktphasen erforderlich ist, drehen die Regierungen bei einer niedrigeren Verschuldung der Wirtschaft erfahrungsgemäß den Geldhahn auf, ohne gleich eine Haushaltskrise zu verursachen. Unternehmen und Privathaushalte können somit Konjunkturabschwünge besser verkraften.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten war zu beobachten, dass die Schwellenländer imstande waren, ihre Devisenreserven aufzustocken und außerdem von der Finanzierung durch auf US-Dollar lautende Schuldtitel wegzukommen. Dies signalisiert uns, dass die Schwellenländer in Phasen, in denen der US-Dollar gegenüber der lokalen Währung aufwertet, weniger anfällig sein dürften.

Die Schwellenländer haben kontinuierliche Fortschritte erzielt, und die Beaufsichtigung und Überwachung des Bankensektors ist mittlerweile effizienter. In der Covid-19-Krise bedeutet das hohe Niveau an Beaufsichtigung, Regulierung und Kapitalausstattung, dass die Banken in den meisten Schwellenländern diese Krise bewältigen dürften. Aus unserer Sicht müssten erhebliche wirtschaftliche Probleme eintreten, bevor die Bankbilanzen belastet werden.

Aktives Management findet die widerstandsfähigsten Unternehmen

Ein Blick in die Bilanzen der Unternehmen kann helfen, die widerstandsfähigsten Unternehmen in dieser Krise zu identifizieren – und die möglichen Gewinner aus Anlegersicht. So dürften sich die massiven Liquiditätsreserven, über die einige Unternehmen heute verfügen, als lebensrettende Puffer erweisen. Unternehmen ohne solche Reserven – ganz gleich, ob sie sich in Asien, in den USA oder in Europa befinden – könnten vergleichsweise stärker in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die folgende Grafik zeigt, dass Schwellenländer-Unternehmen in einigen Bereichen über mehr Liquidität verfügen und niedriger verschuldet sind als Unternehmen beispielsweise in Deutschland und den USA.

Das Corona-Virus stellt die Widerstandsfähigkeit der Schwellenländer auf die Probe. Nach unserer Auffassung dürften die Veränderungen, die sich in diesen Volkswirtschaften in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen haben, ihnen bei der Bewältigung der Covid-19-Pandemie helfen. Die niedrigere Verschuldung, gestiegene Devisenreserven sowie verbesserte Bankensysteme und robustere Bilanzen signalisieren, dass die Schwellenländer die Vergangenheit längst hinter sich gelassen haben.

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