in FinanzboulevardLesedauer: 7 Minuten

Servicegebühren Der Charme neuer Geldquellen für 34f-Vermittler

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Weit verbreitet: gemischte Vergütung

Statt mit der klassischen Provisionsvergütung ganz zu brechen und nach Paragraf 34h tätig zu werden, führen viele 34f-Vermittler lieber eine Doppelexistenz. Wie Antonio Sommese führen sie Mischmodelle ein: Servicegebühren mit umfangreicher Beratung für vermögende Kunden, Provisionsmodell mit wenig Drumherum für den kleinen Sparplan. Bei Sommese hatte das den Effekt, dass in der Firma heute mehrere Vergütungsformen nebeneinander existieren.

Die Standardpreise sind auf der Internet-Seite nachzulesen: Es gibt Kunden, die ein Prozent ihres verwalteten Geldes als jährliche Gebühr zahlen und dafür digitalen Einblick und automatisierte Auswertungen ihrer Portfolios erhalten – plus Beratung nach Bedarf. Sogenannten Premiumkunden berechnet Sommese 1,5 Prozent Servicegebühr, dafür verspricht die Firma hier intensivere Beratung. Ratsuchende Nichtkunden zahlten üblicherweise einen Stundensatz, verrät Sommese. Und dann gebe es noch eine Reihe langjähriger Kunden, die kein Interesse am neuen Gebührenmodell gezeigt hätten. Hier sei alles beim Alten belassen worden – aus alten Verträgen flössen nach wie vor einige Bestandsprovisionen.

Provisionsaverse Vermittler haben übrigens zwei Möglichkeiten, mit der Bestandsvergütung umzugehen, die ihnen aus Fondsklassen für Privatanleger regelmäßig noch zufließt. Einerseits können sie sie an ihre Kunden weiterreichen. Andererseits können sie sie einbehalten. Gespräche mit Marktteilnehmern legen nahe, dass viele Makler mit Servicegebühr-Geschäftsmodell das so handhaben. Sebastian Grabmaier, Chef der JDC-Gruppe, die auch den Maklerpool Jung, DMS & Cie. beherbergt, hat dafür Verständnis: Finanzämter würden durchgeleitete Bestandsprovisionen möglicherweise nicht als Betriebskosten anerkennen, Vermittler müssten sie versteuern. Bei viel Verwaltungsaufwand komme dann wenig beim Kunden an. Ohnehin sieht der JDC-Chef ein generelles Provisionsverbot kritisch. „Ein kleiner Investmentvermittler ist unter Umständen froh, wenn er am Monatsende 3.000 Euro nach Hause trägt. In unserem Beruf ist fast niemand richtig reich.“ Die seiner Meinung nach sehr hart geführte Diskussion um Provisionsverbote findet Grabmaier unverständlich.

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Allerdings haben sich auch einige Fondsgesellschaften mittlerweile der Strömungsrichtung weg von der Provisionsvergütung angepasst. Sie bieten provisionsfreie Anteilsklassen an, sogenannte Clean Share Classes, die ähnlich günstig sind wie institutionelle Fondstranchen. Weil die eingebetteten Vertriebsgebühren fehlen, ist hier auch der Verwaltungsaufwand für Vermittler geringer.

Es gibt einen Wermutstropfen, den Vermittler in Kauf nehmen müssen, wenn sie mit Servicegebühren arbeiten wollen: Im Gegensatz zur Bestandsprovision wird hier die Mehrwertsteuer fällig. Immerhin 19 Prozent gehen an den Fiskus. Vermittler Sommese hat seine Entscheidung bis heute trotzdem nicht bereut. „Vermittler, die Servicegebühren einführen, werden mit dieser Taktik größer“, glaubt er. Bei Sommese selbst hat das geklappt. Gestartet 2003 mit knapp 9 Millionen Euro, verwaltet das Unternehmen heute mehr als 50 Millionen Euro. Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass sich in diesem Zeitraum auch die Märkte recht erfreulich entwickelt haben und für einigen Zuwachs gesorgt haben dürften.

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