Sarah Steiner (Redakteurin)Lesedauer: 8 Minuten

Investment-Strategie So kommen Dividendenfonds durch die Corona-Krise

Büro von Microsoft in New York
Büro von Microsoft in New York: Der amerikanische Software-Hersteller zahlt seit 2003 Dividenden und steigerte sie seitdem jedes Jahr. | Foto: Imago Images / Levine-Roberts:

Das Jahr 2020 verlangte Investoren einiges ab. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie verloren Aktien zunächst deutlich an Boden. Zwischen 19. Februar und 18. März stürzte das deutsche Börsenbarometer Dax um ganze 39 Prozent ab. Der MSCI All Country World verlor im gleichen Zeitraum 30 Prozent.

In den Folgemonaten ging es trotz Shutdown und steigender Arbeitslosenzahlen an den Börsen zwar wieder aufwärts, ein unangenehmer Nachgeschmack blieb jedoch erhalten. Kein Wunder, schließlich hatten Investoren wegen verschärfter Liquiditäts- und Anleihekaufprogramme der Notenbanken noch mehr Probleme als in den Vorjahren, überhaupt stabile und angemessene Erträge zu erzielen.

Bei Anleihen zeigt sich der Anlagenotstand besonders deutlich. Einer Studie der Investmentgesellschaft Allianz Global Investors zufolge rentierten im Dezember 2020 gemessen am globalen Index ICE BofAML Global Fixed Income Markets nahezu 80 Prozent der Rentenpapiere unter einem Prozent. Bei knapp 30 Prozent lag die Rendite sogar unter null. Für Investoren ein Verlustgeschäft – es sei denn, die Zinsen sinken noch viel weiter in den Minusbereich.

Wer Kapitaleinkünfte erzielen will, kommt in diesem Marktumfeld an Aktien nicht vorbei. Besonders der Kauf von Dividendentiteln liegt nahe, versprechen diese doch ähnlich wie Anleihen regelmäßige und planbare Einkünfte.

So auch im vergangenen Jahr. Insgesamt zahlten Aktiengesellschaften 2020 weltweit mehr als 1,2 Billionen US-Dollar an Investoren aus, teilt die britische Fondsgesellschaft Janus Henderson Investors mit. Doch auch bei Dividendenaktien hat die Corona-Krise Spuren hinterlassen. Wegen wirtschaftlicher Probleme oder aufsichtsrechtlicher Vorgaben mussten Unternehmen auf der ganzen Welt vorgesehene Ausschüttungen beschneiden oder sogar ganz aussetzen. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Dividendenzahlungen deshalb um 12,2 Prozent. Das bereinigte Minus, in dem Wechselkurse und Sonderdividenden keine Rolle spielen, betrug auf Jahressicht 10,5 Prozent.

Am stärksten von den Kürzungen betroffen waren Banken, die Öl- und Bergbaubranche und zyklische Konsumgüter. Eher defensive Branchen wie die Lebensmittel- und Pharma-Industrie blieben hingegen weitgehend von der Krise verschont. Janus Henderson Investors zufolge setzte weltweit jedes achte Unternehmen seine Ausschüttung komplett aus. Jedes fünfte beschnitt sie. Zwei Drittel der Unternehmen erhöhten ihre Dividende oder hielten sie zumindest auf gleichem Niveau.

Regional zeigten sich große Unterschiede. Am deutlichsten senkten Firmen in Großbritannien (minus 40,9 Prozent) und dem übrigen Europa (minus 31,7 Prozent) ihre Zahlungen. Diese Regionen verursachten zusammen mehr als die Hälfte des globalen Rückgangs. Grund waren unter anderem die von der Finanzaufsicht vorgegebenen Regeln für Bankdividenden.

In Deutschland schütteten Unternehmen im vergangenen Jahr ungefähr 37,3 Milliarden Dollar an ihre Anteilseigner aus. Die Zahlungen sanken damit im Vorjahresvergleich brutto um 14,8 Prozent. Bereinigt betrug das Minus 12,9 Prozent. Janus Henderson Investors zufolge beschnitt jedes dritte Unternehmen in der Bundesrepublik seine Zahlungen, wobei die Autobranche am stärksten betroffen war. Grund für den im Ländervergleich geringen Rückgang bei Dividenden ist unter anderem die geringe Zahl starker Banken, die von Regulierungen betroffen waren.

Auch dass sich Versicherer weigerten, Dividenden auf Geheiß der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen (engl.: European Insurance and Occupational Pensions Authority, kurz: Eiopa) zu streichen, bewahrte den deutschen Dividendenmarkt vor einem höheren Rückgang, wie ihn etwa die Region Asien-Pazifik erlebte. Dort fielen Dividenden im vergangenen Jahr um 18,3 Prozent. Schwellenländer verzeichneten ein Minus von 9,5 Prozent. In Japan betrug es 5,6 Prozent.

Einzig in Nordamerika kletterten die Dividenden 2020 auf ein neues Allzeithoch. Insgesamt zahlten Unternehmen dort 549 Milliarden Dollar aus. Um Kapital dafür freizumachen, verzichteten sie teilweise auf Aktienrückkäufe. Zudem zeigten sich Regulierungsbehörden in Übersee nachsichtig gegenüber der Bankenbranche, was Dividendenaktien ebenfalls zugutekam.

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