Syz Asset Management zur aktuellen Marktlage „Die US-Wirtschaft wächst auf fremde Kosten“

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Goldlöckchen „reloaded“

Für die Märkte war die Unsicherheit über die Handelskriege und die Politik in Europa in den letzten Wochen eindeutig eine Nervenprobe. Dies führte zu einer leichten Marktkorrektur bei US-Aktien und einem deutlicheren Abverkauf in anderen Regionen, insbesondere in den Schwellenländern. Das Gesamtbild hat sich jedoch nicht verändert: Die Weltwirtschaft befindet sich nach wie vor in der späten Phase eines „Goldlöckchen“-Szenarios, in dem die Risiken für das Wirtschaftswachstum und die Inflation immer noch verhalten sind.

Darüber hinaus haben die Zentralbanken ihre geldpolitische Haltung erneut bestätigt: Die US-Notenbank setzt ihren eher restriktiven Kurs fort, was in den Markterwartungen bereits größtenteils berücksichtigt ist, während die EZB an ihrer äußerst expansiven Geldpolitik festhält. Hält man sich dies vor Augen, ist die jüngste Schwäche eher eine Kaufgelegenheit als ein Grund zur Sorge. Deshalb haben wir unsere Risikobereitschaft von einer leichten Präferenz auf eine Präferenz angehoben. Die Portfolioduration blieb jedoch unverändert.

US-Aktien günstiger als gedacht

Wir haben unsere Risikobereitschaft zwar angehoben, um von der Risikoprämie für Aktien zu profitieren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nun große direktionale Wetten eingehen. Unser Fokus richtet sich eher auf die Schaffung einer ausgewogeneren, „langweiligeren“ Asset-Allokation. Dies wurde in den letzten Monaten bereits deutlich, zum Beispiel mit Engagements im Pharmasektor, einer defensiven, qualitativ hochwertigen Branche im zyklischeren Sektorenmix.

Die Hochstufung von US-Aktien im letzten Monat war ebenfalls ein Zeichen für diese Strategie. Die Hochstufung beruhte auf der vergleichsweisen Robustheit der US-Wirtschaft gegenüber anderen Teilen der Welt, potenziellen Rückenwinden aus einem schwächeren US-Dollar und gewissen Verbesserungen bei den Bewertungen. In diesem Monat haben wir US-Aktien noch einmal hochgestuft, abermals wegen der oben erwähnten Faktoren. Dass wir die USA zum bevorzugtesten Aktienmarkt gemacht haben, erfordert jedoch eine ausführlichere Erklärung. Immerhin ist der US-Markt teurer als der Rest der Welt.

Den Factset-Daten zufolge notieren die USA gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate mit einem Aufschlag von über drei Punkten gegenüber dem Rest der Welt. Betrachtet man jedoch das Kurs-Wachstums-Verhältnis, hat sich die Bewertungsdifferenz zwischen den USA und dem Rest der Welt in den letzten Monaten deutlich verringert, und mittlerweile bewegen sich die Bewertungen nahezu auf dem gleichen Niveau.

Der springende Punkt sind die Unterschiede der relativen Erwartungen an das Gewinnwachstum. Und wenn man die Entwicklung der Gewinnkorrekturen der Analysten betrachtet, sind in der Tat deutliche Unterschiede zu erkennen. Während die weltweiten Gewinnkorrekturen außerhalb der USA weitgehend auf der Stelle traten, wurden die Gewinnprognosen der US-Unternehmen so deutlich nach oben korrigiert, wie zuletzt in den Jahren 2009–2010 nach der globalen Finanzkrise. Zum großen Teil war dies auf die Unternehmenssteuerreform in den USA zurückzuführen, aber auch auf die fortgesetzte Deregulierung, die unserer Meinung nach auch künftig einen vorteilhaften Hintergrund für die Unternehmensgewinne schaffen wird. Aus diesem Grund sind die USA im Portfoliokontext wieder zu einem defensiveren Markt geworden. Neben Australien, Kanada und Japan leistet der US-Markt den geringsten Risikobeitrag unter den globalen Aktienmärkten.

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