Andreas Hackethal Foto: Anna Mutter

Altersvorsorge in Deutschland

„Von dieser Riester-Reform profitieren alle“

Die vor 18 Jahren eingeführte Riester-Rente ist in der andauernden Niedrigzinsphase für die meisten Sparer nur noch aufgrund ihrer Zulagen interessant. Doch es geht auch anders, meinen zwei Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt und des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ (SAFE). Sie fordern in einem aktuell veröffentlichten Positionspapier eine Reform der staatlich geförderten Privatvorsorge für den Ruhestand.

Konkret solle die Mindestauszahlung am Ende der Vertragslaufzeit nur noch für die Eigenbeiträge gelten, nicht aber für die staatlichen Zulagen. Ohne die sogenannte Bruttobeitragsgarantie seien deutlich höhere Renditen in der Kapitalanlage möglich. Unter dem Strich hätten dann nicht nur Sparer mehr Geld aus ihrer Altersvorsorge. Auch der Staat werde mehr Steuern einnehmen. Und „Anbieter haben mehr Spielraum für bedarfsgerechte Produktgestaltung und bessere Beratung“.

„Mit diesem Reformvorschlag soll den Menschen die Angst vor Verlusten bei der Altersvorsorge genommen werden“, sagt Andreas Hackethal, Leiter der Forschungsabteilung Household Finance bei SAFE. „Gleichzeitig erhalten Anbieter den dringend benötigten Spielraum, um Mittel rentabel anzulegen, was durch die nachgelagerte Besteuerung auch der öffentlichen Hand zugutekommt.“ Von der Riester-Reform könnten demnach alle Beteiligten profitieren – trotz Niedrigzinsen.

Höhere Rendite

Für ihre Rechenbeispiele verglichen die Forscher zunächst zwei Typen von Anlegern mit dem gegenwärtigen Status quo der Riester-Rente. Dann verglichen sie die historischen Kursentwicklung des deutschen Aktienindex Dax in den Jahren 1948 bis 2020 mit der sogenannten Europarente (Pan-European Personal Pension Product, kurz PEPP), die das Europäische Parlament kürzlich beschlossen hat. Die Beispiele gehen von einer 30-jährigen Sparphase mit gleichbleibenden Beiträgen aus.

Für diese Zeit liegt die angenommene Rendite auf Zinsanlagen bei 1 Prozent und für ein breit angelegtes Aktienportfolio bei 6 Prozent pro Jahr. Das angesammelte Kapital wird am Ende der Laufzeit einmalig besteuert. Demnach bekommt ein Anleger mit einem Bruttojahreseinkommen von 20.000 Euro und zwei Kindern bei derzeitigem Riester-Stand 21.292 Euro nach Steuern heraus, wenn die gesamten Beiträge in Zinsanlagen investiert werden.

Zum Vergleich der Reformvorschlag: Investieren die Produktanbieter nur die gezahlten Eigenbeiträge in sichere Anleihen und die staatlichen Zulagen in Aktien, kann derselbe Anleger nach Steuern im Mittel mit einer Altersvorsorge von 46.584 Euro rechnen. Für einen Anleger mit einem Bruttojahreseinkommen von 35.000 Euro und einem Kind zeigen sich die gleichen Effekte, nur etwas schwächer ausgeprägt aufgrund der geringeren staatlichen Zulagen.

Risikoszenarien

Die Resultate der Beispielrechnungen hielten auch dem Abgleich mit der historisch betrachteten Dax-Entwicklung stand, heißt es von den Studienautoren. „Für beide Anlegertypen und unter allen beobachteten Marktbedingungen stellt der Reformvorschlag höhere Renditen und Kapitalerträge zum Ende der Laufzeit in Aussicht als das aktuelle Riester-Modell“, erklärt Raimond Maurer, Professor an der Goethe-Universität und Forscher bei SAFE.

Zudem erweise sich der vorgelegte Reformentwurf als kompatibel mit dem privaten Altersvorsorgeprodukt PEPP, das als Schutzinstrument für die Verbraucher neben einer Beitragsgarantie auch eine standardisierte risikobasierte Anlagestrategie zulässt. „Unser Vorschlag für eine reformierte Beitragsgarantie zusammen mit standardisierten risikobasierten Anlagestrategien würde die Riesterrente attraktiver und europatauglich machen“, so Maurer.

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