Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

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Wachtendorf-Kolumne

Weltschuldenkrise: Bitte anschnallen!

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Robert Shiller denkt das Undenkbare. „Die Situation erinnert mich an 1937“, sagt der Wirtschafts-Nobelpreisträger und Professor der amerikanischen Elite-Universität Yale in einem aktuellen Interview mit dem „Handelsblatt“. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe sich die Welt wirtschaftlich in einer ähnlich verfahrenen Situation befunden wie heute. Damals sei es ein Krieg gewesen, der die auf anderen Wegen nicht erreichte Inflation gebracht habe.

„Was in aller Welt geht hier vor?“ kommentiert Shiller das sich selbst verstärkende Wechselspiel aus Drohungen, Sanktionen und neuen Drohungen, das den russischen Präsidenten Wladimir Putin jüngst tönen ließ, im Falle einer weiteren Verschärfung der Ukraine-Krise problemlos bis nach Warschau marschieren zu können.

Niemand – auch Shiller nicht – wird ernstlich behaupten wollen, der Westen sehe eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Russland als Ultima Ratio, bislang verfehlte Inflationsziele zu erreichen. Doch der weitere Verlauf des Interviews macht deutlich: Auch ein kluger Kopf wie er scheint, wenn es um Auswege aus der weltweiten Schuldenkrise und einer drohenden Deflationsspirale geht, mit seiner Weisheit am Ende zu sein. Viel mehr als den Einfall, Deutschland solle seinen Universitäten einen neuen Campus spendieren und dafür die Steuern erhöhen, gibt er jedenfalls nicht zu Protokoll. Was wiederum zeigt, wie ernst die Lage wirklich ist.

Wenn vor diesem Hintergrund das Bundeskabinett in seinen mittwöchlichen Sitzungen im Berliner Kanzleramt über Themen wie PKW-Maut, eine Anschnallpflicht für Taxifahrer und demnächst vielleicht auch um Maßnahmen gegen den bereits im September startenden Verkauf von Schokoladen-Weihnachtsmännern debattiert, zeigt das nicht unbedingt, dass es Deutschland zu gut geht. Sondern einmal mehr, dass dort die falschen Leute am Tisch sitzen.

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