Koch Jürgen Dreer demonstriert den Combi-Dämpfer SelfCookingCenter des Herstellers Rational Foto: imago images / argum

Gute Abwehrkräfte

Warum der Mittelstand in Deutschland und Japan stabil bleibt

Unverändert richtet die Pandemie um Covid-19 verheerenden Schaden in den Volkswirtschaften rund um den Globus an, während Regierungen und Zentralbanken bemüht sind, mit beispiellosen fiskal- und geldpolitischen Zusagen die Wirtschaft zu stützen. Dort standen durch die wochenlangen Lockdown-Maßnahmen nicht nur ganze Betriebe still. Auch die Geschäftsschließungen haben bereits vielerorts ihre Spuren in den Stadtbildern hinterlassen. Zudem haben große Unternehmen wie der Reiseveranstalter TUI oder die Fluggesellschaft Lufthansa Staatshilfen beantragt, um ihre Liquidität zu sichern.

Obwohl viele kleinere Unternehmen in Deutschland infolge der Pandemie ums Überleben kämpfen, wird die anfangs befürchtete große Pleitewelle im Mittelstand wohl vorerst ausbleiben. Das zeigen zumindest aktuelle Branchenauswertungen des Handelsblattes für die börsennotierten Unternehmen sowie die Berechnungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) auf Basis von Bilanzen, die rund 50 Prozent der deutschen Unternehmensumsätze abbilden. Demnach zehren die meisten Unternehmen, deren Jahresumsatz zwischen 20 und 250 Millionen Euro liegt, von einer guten Ausgangslage. Beleg dafür ist vor allem die seit dem Krisenjahr 2008 branchenübergreifend von 33 auf 38,7 Prozent gestiegene Eigenkapitalquote.

Die hohen Eigenkapitalreserven von mittelständischen und oft gründergeführten Unternehmen sind eines der Qualitätsmerkmale, die wir bei Comgest sehr schätzen. Sie deuten zusammen mit der geringen Verschuldung auf eine hohe Innenfinanzierungskraft und hohe Profitabilität hin. Zudem spricht eine solide Eigenkapitalbasis für eine hohe Widerstandskraft gegen externe Schocks. Als im Jahr 2008 die Immobilienblase in den USA platzte und die globale Finanzmarktkrise auslöste, gerieten vor allem die Unternehmen mit hoher, kurzlaufender Fremdfinanzierung in Bedrängnis. Qualitätsunternehmen aus dem Mittelstand hatten die damalige Krise besser als andere gemeistert und wir sind überzeugt, dass auch in der gegenwärtigen globalen Wirtschaftskrise ihr Fortbestehen sowie ihr zukünftiges Wachstum gesichert sind.

Ein gutes Beispiel für ein gründergeführtes, mittelständisches Qualitätswachstumsunternehmen ist die deutsche Rational AG. Das im Jahr 1973 von Siegfried Meister gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Landsberg am Lech bei München. Auch heute ist die Mehrheit des Unternehmens im Besitz der Familie. Als Weltmarktführer für Kombi-Dampf-Öfen kümmert sich Rational um die Ausstattung von professionellen Küchen. Jeder Mitarbeiter soll sich bei Rational als Unternehmer im Unternehmen fühlen. In der Produktion ist jeder Mitarbeiter von A bis Z für die Herstellung von einem Ofen zuständig, dem Manufakturprinzip folgend. Im Verkauf sowie in der Forschung und Entwicklung unterstützen ausgebildete Köche die Arbeiten, denn diese wissen am besten um die Bedürfnisse ihrer Berufsgenossen. Mit 600 Patenten sowie kontinuierlicher Entwicklung seiner Produkte hat es Rational geschafft, seine Marktführerschaft auf 50 Prozent Weltmarktanteil auszubauen. Mit einer Eigenkapitalquote von 73 Prozent sowie einer Nettoliquidität von mehr als 200 Millionen Euro sehen wir das Unternehmen für die aktuelle Krise gut gewappnet.

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