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Neuer Google-CEO Sundar Pichai: Die Google-Mutter Alphabet weist mit freiem Cashflow und dominierender Marktpositionierung defensive Merkmale auf

Aktien-Investments

2020 gehören defensive Qualitätstitel ins Depot

Defensive Aktien fielen in den vergangenen Jahren geradezu in die Kategorie der zuverlässigen, konservativen und fast langweiligen Investments – oft in den Bereichen Konsumgüter, Versorger und Gesundheit. Unternehmen dieser Segmente erzielten stabile Cashflows, zahlten solide Dividenden und hatten kein „Dot-Com“ im Namen.

Inzwischen haben viele Anleger ihre Haltung verändert, was eine defensive Aktie tatsächlich ausmacht: Zahlreiche Unternehmen, die zuvor als defensiv galten – darunter Lebensmittel-, Tabak- und Telekommunikations-Unternehmen – litten unter technologischen Neuerungen, verändertem Verbraucherverhalten und hartem, globalen Wettbewerb.

Nach aktuellem Verständnis zeichnen sich defensive Titel durch stabile Unternehmensgewinne und -umsätze aus – auch während einer Rezession. Firmen, die in der Vergangenheit defensive Merkmale für sich reklamieren konnten, haben heute keine Garantie, dass dies auch so bleiben wird. Der nächste Abschwung könnte deren Entwicklung maßgeblich beeinflussen.

Sektorrenditen während der letzten acht schweren Markteinbrüche

Quelle: Capital Group, FactSet. Stand: 31.10.2019.

Bislang standen beispielsweise Lebensmittelunternehmen für klassische defensive Anlagen – bis sich der Lebensmittelmarkt mit neuen Anbietern und weiteren Veränderungen konfrontiert sah: etwa mit Amazon Go (einem Stationär-Handelskonzept mit automatischem Zahlsystem ohne Registrierkassen), neuen Verbraucherpräferenzen, massiver Marktkonsolidierung und Konkurrenz durch E-Commerce-Anbieter.

Kraft Heinz durchlebt Störungsphase

Weniger defensiv als gedacht, stolperte auch der US-Lebensmittelkonzern Kraft Heinz. Da Verbraucher immer häufiger frischen Lebensmitteln und Bio-Produkten den Vorzug geben, musste Kraft Heinz im Februar 2019 für einige seiner US-Marken eine Wertberichtigung von 15,4 Milliarden US-Dollar vornehmen, darunter die Brands Velveeta (Schmelzkäse), Maxwell House (Instantkaffee) und Miracle Whip (Mayonnaise). Zudem senkte der Konzern seine Dividende um 36 Prozent.

Wie auch viele andere Branchen durchlebt das Lebensmittelgeschäft eine Störungsphase. Sie verändert die Investitionslandschaft und die Sicht darauf, was defensive Titel heute ausmacht. Unterdessen sind andere etablierte Unternehmen in der Lage, ihren Status durch innovative Produkte zu verbessern. Der Mühe Lohn: ein starkes Gewinnwachstum trotz volatiler Marktphasen.

Selbst ein Unternehmen wie Facebook oder die Google-Muttergesellschaft Alphabet weisen defensive Merkmale auf: freien Cashflow und dominierende Position am Markt für soziale Netzwerke beziehungsweise Suchmaschinenmarketing. In solchen defensiven Segmenten arbeiten meist wachstumsorientierte Unternehmen mit robustem Ertragspotenzial, Innovationsfähigkeit und guten Bewertungen. Diese Firmen dürften sich auch während eines anhaltenden Abschwungs an den Kapitalmärkten behaupten.

Wachstumsunternehmen schaffen es besser durch Konjunkturtäler

Im Hinblick auf die bisherigen Markteinbrüche der letzten Jahre haben sich zahlreiche, qualitativ hochwertige Wachstumsunternehmen besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Meist handelt es sich um Firmen mit starkem Management und soliden Bilanzen.

Einige wachstumsorientierte Titel können auch antizyklische Merkmale aufweisen, etwa die CME Group: Das in Chicago ansässige Börsenunternehmen ermöglicht den Handel mit Derivaten, Optionen und Futures. Der Umsatz von CME ist in Zeiten extremer Marktvolatilität tendenziell gestiegen. Mit zunehmender Handelsaktivität hat sich der Aktienkurs von CME ebenfalls nach oben entwickelt, etwa im vierten Quartal 2018. Während der Index S&P 500, der Aktien der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst, fast 14 Prozentpunkte einbüßte, stieg der Aktienkurs von CME in diesem Zeitraum um 12 Prozent.

Ähnlich verhält es sich mit Versorgeraktien. Sie könnten ihre defensiven Eigenschaften auch während eines Abschwungs bewahren, sofern sie von kompetenten, erfahrenen Management-Teams geführt werden. Und sofern sie in einem Markt mit stabiler oder wachsender Bevölkerung operieren.

Anleger sollten Qualitätsdividenden vorziehen

War es noch vor wenigen Jahren für Anleger überaus einfach, defensive Aktien oder wertorientierte Indizes für das Portfolio auszuwählen, ist das heute schwieriger. Am US-Markt werfen beispielsweise viele Aktien, die in populären Wertindizes enthalten sind, weder Dividenden ab noch verfügen die dazugehörigen Firmen über hohe Kredit-Ratings.

Rund 22 Prozent der Aktien im Russell 1000 Value Index, der die Aktienseite der 1.000 größten US-Firmen abbildet, zahlten im Jahr 2018 Dividenden von weniger als 0,1 Prozent. 40 Prozent der bewerteten Unternehmen in diesem Index erhielten BBB-Ratings oder schlechter. Aber auch Firmen mit einer fragwürdig hohen Verschuldung sind hier keine Seltenheit.

Eine verpasste Schuldentilgung oder eine Rating-Herabstufung könnte den Aktienkurs von Firmen ins Wanken bringen. Die bessere Anlagestrategie: sich mit Hilfe von Grundlagenforschung auf Qualitätstitel zu konzentrieren – und damit auf Firmen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichbleibende Dividendenzahlungen ausschütten.

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