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Büro von Wework in New York: Der Börsengang des Unternehmens ging trotz vieler Vorschusslorbeeren schief. | © Getty Images

Aktienkenner Mark Hawtin

Warum der Börsengang von Hype-Firmen wie Wework scheitert

Werden Unternehmen aus dem Technologiesektor aktuell zu stark gehypt? Nach Weworks geplatztem Börsengang (IPO) ist die Bewertung binnen weniger Wochen deutlich eingebrochen. In jüngster Vergangenheit fanden im Technologiesektor bereits einige enttäuschende Börsengänge statt, wie zum Beispiel bei Uber und Lyft. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich die Phase der irrational leichten Kapitalverfügbarkeit für sogenannte Unicorns möglicherweise ihrem Ende zuneigt.

Den gescheiterten Versuch von Wework, eigene Aktien an die Börse zu bringen, werten wir als Sieg für den gesunden Menschenverstand über den aktuellen Hype. Das Geschäftsmodell von Wework ist die gemeinsame Nutzung von Büros und bietet nur einen geringen, klar definierbaren technologischen Nutzen. Daher haben wir bereits seit einiger Zeit gemahnt, dass der Versuch, ein solches Unternehmen mit einem Preisschild von über 50 Milliarden US-Dollar zu versehen, praktisch nicht zu rechtfertigen ist.

Düstere Aussichten für Wework

Wie bei vielen Hype-Zyklen sorgte die Unterstützung durch sehr glaubwürdige Investoren – Softbank, Jamie Dimon von JP Morgan sowie einige hochkarätige Investmentbanken – für eine Faszination, die den Versuch eines Börsengangs erst ermöglichte. Die gescheiterte Aktienplatzierung an der Börse kam für die Investmentbranche etwas unerwartet, sodass die Bewertung des Unternehmens binnen weniger Wochen von beachtlichen 60 bis 90 Milliarden US-Dollar auf unter 15 Milliarden US-Dollar gesunken ist.

Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen insolvent geht, sehr viel höher ein, als dass es je wieder einen signifikanten Wert für Anleger erlangt. Wework weist in seiner Bilanz Verbindlichkeiten in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar für sehr langfristige, nicht übertragbare Pachtverträge aus, denen auf der Aktivseite kurzfristige Mietverträge gegenüberstehen, die nur geringe garantierte, langfristige Umsatzströme bieten.

Tatsächlich könnten leichte Anzeichen einer konjunkturellen Verlangsamung oder einer Rezession auf viele Start-ups in der Mieterschaft katastrophale Auswirkungen haben – vergleichbar mit dem Selektionseffekt strenger Winter auf die Fauna. Unseres Erachtens sind die Aussichten in der Tat düster. Dies würde nicht nur die Investoren treffen, die in früheren Finanzierungsrunden überhöhte Preise bezahlt haben, sondern auch viele der 15.000 Beschäftigten, die sich Hoffnungen gemacht hatten, durch dieses „Unicorn“ ein Stück des neuen Reichtums zu ergattern.

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