Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

ANZEIGE

Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

ANZEIGE
Lesedauer: 5 Minuten
ANZEIGE

Die neue Zinswelt Blackrock sieht höheren Preisauftrieb als allgemein erwartet

Kupferkabel eines Elektromotors
Kupferkabel eines Elektromotors: Die Zinsen dürften in den kommenden Quartalen niedrig bleiben; Aktien und andere Risikoanlagen, darunter Rohstoffe, bleiben nach Meinung der Blackrock-Analysten gut unterstützt. | Foto: Imago Images / Joerg Boethling

Angesichts hoher Impfquoten in der Eurozone hat die Konjunkturentwicklung in den vergangenen Quartalen kräftig an Tempo gewonnen. Infolgedessen haben viele Unternehmen ihre Gewinnerwartungen nach oben revidiert. In den USA scheinen die Gewinnrevisionen dagegen zu stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau. Derweil hat die US-Notenbank ihr Inflationsziel weitgehend erreicht, wohingegen die Europäische Zentralbank (EZB) noch ein gutes Stück von ihren anvisierten 2 Prozent entfernt ist. Um dem Ziel näherzukommen, hat die EZB bisherige Hürden für eine expansivere Geldpolitik weiter abgesenkt.

Blackrock erwartet daher, dass die Zentralbank ihre Wertpapierkäufe ausweitet, sobald das Pandemie-Notfallankaufprogramm im März 2022 ausläuft. Anders als bei früheren ähnlichen Wachstums- und Inflationsniveaus sei von langsameren Zinserhöhungen auszugehen.

Aktien werden daher gegenüber Unternehmensanleihen bevorzugt und inflationsgeschützte Staatsanleihen aus Industrieländern ihren nominalen Pendants vorgezogen. Aus taktischer Sicht bleibt Blackrock bei europäischen Aktien übergewichtet.

Grafik: In der Eurozone nehmen die Gewinne an Fahrt auf

Europäische Aktien erhalten Auftrieb

Der an Breite gewinnende Wirtschaftsaufschwung und die Unterstützung seitens der Geld- und Fiskalpolitik untermauern laut Blackrock die taktische Übergewichtung europäischer Aktien. Sie dürften vom reibungsloseren Wiederhochfahren in Europa, niedrigeren Infektionszahlen und höheren Impfquoten im Vergleich zu den USA profitieren. Auch bei den Gewinnrevisionen lasse Europa die USA hinter sich – bei unverändert chancenreichen Bewertungen.

Europäischen Aktien-ETPs sind seit Jahresbeginn 2021 26,0 Milliarden US-Dollar zugeflossen, so viel wie seit 2017 (39,9 Milliarden US-Dollar) nicht mehr. Dennoch scheinen Anleger hier nicht überpositioniert. Wenig verwunderlich, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema für die Anleger war: Rund 70 Prozent der Kapitalzuflüsse in EMEA-gelistete Aktien-ETPs erfolgten zugunsten nachhaltiger Instrumente (Quelle: Blackrock und Markit, Stand: 1. Oktober 2021).

Die großzügige geldpolitische Unterstützung dürfte den Konjunkturmotor am Laufen halten und europäischen Aktien Auftrieb geben. Auch wenn die Käufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms PEPP zurückgefahren werden, erwartet Blackrock von der EZB 2022 zusätzliche Lockerungen angesichts des Umstands, dass die Inflation trotz der aktuellen Spitzen weiterhin deutlich unter ihrem symmetrischen Ziel von 2 Prozent bleibt. Zugleich unterstütze die Fiskalpolitik, da inzwischen die Auszahlungen aus dem 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds der EU begonnen haben.

Tendenz zu zyklischen Aktien

Neben europäischen Aktien bevorzugt Blackrock derzeit Value-Werte, denn die Bewertungen seien unverändert günstig und könnten vom soliden Wirtschaftswachstum beflügelt werden. 2021 war ein Rekordjahr für Value-ETPs mit Kapitalzuflüssen von 25,3 Milliarden US-Dollar – fast dreieinhalb Mal so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2020 mit 6,7 Milliarden US-Dollar (Quelle: Blackrock und Markit, Stand: 1. Oktober 2021). Unter den zyklischen Sektoren hält der Asset Manager Finanzwerte angesichts weltweit nach wie vor lockerer Finanzbedingungen und fiskalischer Unterstützung für gut positioniert. Eine höhere Risikobereitschaft und stärkeres Wachstum könnten die Anleiherenditen anziehen lassen, was ebenfalls dem Finanzsektor zugutekommt.

Zu den großen Profiteuren des wirtschaftlichen Neustarts, der mit steigender Nachfrage und Lieferengpässen einhergeht, gehören den Blackrock-Analysten zufolge auch konjunkturempfindliche Rohstoffe. Weil sich langsam Inflationsdruck aufbaut, seien sie auch als Inflationsschutz gefragt. Seit Jahresbeginn investierten Anleger 9,8 Milliarden US-Dollar in breite Rohstoff-ETPs. Der Kontrast zu Edelmetall-ETPs wie Gold könnte jedoch kaum größer sein, denn aus ihnen zogen Anleger unter dem Strich Kapital ab. Gründe waren neben dem stärkeren US-Dollar auch höhere Anleiherenditen (Quelle: Blackrock und Markit, Stand: 1. Oktober 2021). Zusätzlichen Schub könnten Rohstoff-ETPs durch den Übergang zur Klimaneutralität erhalten. Das könnte Rohstoffen zugutekommen, die für grüne Technologien wie die E-Mobilität unverzichtbar sind.

Inflationsschutz wird unabdingbar

Bei inflationsgeschützten Anleihen bleibt Blackrock übergewichtet. Der Nachfragedruck und die Probleme in den Lieferketten haben den Inflationsdruck in den USA weiter angefacht. Mittelfristig sei von höherem Preisauftrieb auszugehen als derzeit allgemein erwartet. Gründe seien die Neuverkettung der Globalisierung, die verstärkte fiskal- und geldpolitische Starthilfe für die Wirtschaft und die größere Gelassenheit der Zentralbanken gegenüber Inflationszahlen, die vorübergehend über ihr Ziel hinausgehen. Bevorzugt werden inflationsgeschützte US-Anleihen, die angesichts der weiterhin gedämpften Inflation in Europa attraktiver erscheinen.

Aber auch im Hinblick auf Inflationsschutz über Aktien bevorzugt Blackrock die USA. Industriezweige wie Werkstoffe entwickeln sich jenseits des Atlantiks seit jeher stark im Gleichklang mit der Inflation und der steigenden Rohstoffnachfrage. Globale Werkstoff-ETPs stehen wegen dieser Dynamik hoch im Kurs, wie sich an Kapitalzuflüssen von 7,1 Milliarden US-Dollar seit Januar ablesen lässt (Quelle: Blackrock und Markit, Stand: 1. Oktober 2021).

Bei Ertragsanlagen bieten sich Dividenden an

Für regelmäßige Erträge bevorzugt Blackrock einen Multi-Asset-Ansatz, denn ein Umfeld mit noch länger niedrigeren Zinsen bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich. Als Ertragsquelle bei Anleihen werden daher weiterhin hochverzinsliche Unternehmensanleihen (HY) auf Kosten von Papieren mit Investment Grade (IG) favorisiert. HY-Anleihen seien zwar teuer, ihre Spreads aber im Vergleich zu IG-Papieren aussichtsreich. Weitere Pluspunkte seien ihre unverändert starken Fundamentaldaten und niedrigen Ausfallquoten sowie die anhaltend starke geld- und fiskalpolitische Unterstützung.

Im Aktiensegment gibt Blackrock Dividendentiteln mit nachweislichen Qualitätsmerkmalen wie hohe Eigenkapitalrendite und Rentabilität den Vorzug. Ein Fokus auf diesen Kriterien könne helfen, Aktien zu identifizieren, die dauerhaft Dividenden ausschütten und damit eine belastbare Quelle für laufende Erträge sein könne.

Mehr zum Thema