Aktienmarkt DZ Bank rechnet mit Bärenmarkt in China

Die Skyline von Shanghai: Seit seinem Hoch im Januar dieses Jahres ist der Shanghai Composite Index um mehr als 20 Prozent gesunken. | © zhang kaiyv

Die Skyline von Shanghai: Seit seinem Hoch im Januar dieses Jahres ist der Shanghai Composite Index um mehr als 20 Prozent gesunken. Foto: zhang kaiyv

Christian Kahler, DZ Bank

„Große Sorgen belasten den chinesischen Aktienmarkt“, schreibt Analyst Christian Kahler im aktuellen Kapitalmarktbericht der DZ Bank. „Investoren haben Aktien verkauft, weil Sorgen aufkamen, chinesische Unternehmen würden verstärkt unter den Handelsauseinandersetzungen mit den USA leiden.“

Tatsächlich ziehe Donald Trump mit seiner protektionistischen Zollpolitik gegen Importe aus China zu Felde, so DZ-Analyst weiter. Mindestens bis zu den US-Kongresswahlen Anfang November werde der US-Präsident seine scharfe Rhetorik zum Handel mit China beibehalten. „Für die chinesischen Aktienindizes bedeutet dies nichts Gutes, die Marktstimmung sollte gedrückt bleiben.“

Die Auswirkungen des Handelsstreits

Störungen im Welthandel würden den Unternehmen in China zusetzen, so Kahler. Jedoch solle die schlechte Investorenstimmung an den Märkten klar von den fundamentalen Wirkungskanälen der jüngsten Maßnahmen unterschieden werden.

„Wenngleich wir in unserer volkswirtschaftlichen Prognose skeptisch für die Konjunkturentwicklung Chinas im zweiten Halbjahr eingestellt sind, sollten die Auswirkungen des Handelsstreits auf die börsengelisteten Unternehmen gering ausfallen.“ So sei die Abhängigkeit vom US-Geschäft bei den Unternehmen im Börsenindex China Securities 300 (CSI 300) nur sehr gering.

Kahler stützt seine These auf die Analyse der zehn größten Aktien unter den 300 an den beiden Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen gehandelten Indextitel, die zusammen ein Viertel der Kapitalisierung des CSI 300 darstellen: Weniger als 5 Prozent ihrer Umsätze erzielen sie in den USA. 

Denn Chinas Wirtschaft habe sich in der Vergangenheit deutlich hin zum Inland verlagert und auf viel mehr unterschiedliche Handelspartner gestützt. „Das sorgt dafür, dass die Unternehmen heute weniger anfällig gegenüber Störungen im direkten Handel mit den USA sind als noch vor einigen Jahren“, erklärt Kahler.

Fundamentaler Ausblick schlechter

„Anders sieht es jedoch in den Sektoren aus, die wesentlich zum großen Handelsbilanzüberschuss Chinas mit den USA beitragen.“ Dazu gehören nach Angaben des DZ-Analysten Unternehmen aus den Branchen Unterhaltungselektronik, Industrie, Automobilteile und Textilien.

„Deren fundamentale Ausblicke haben sich deutlich verschlechtert, die Kurse dürften dort mehrheitlich zu Recht gefallen sein.“ Insgesamt haben sich die Bewertungsrelationen des chinesischen Marktes demnach aber verbessert, die Entwicklung der Unternehmensgewinne dürfte laut Kahler unverändert stabil verlaufen.

Sentiment auf längere Zeit belastet 

„Aktuell liegt die KGV-Bewertung bei 11,7 Punkten, das prognostizierte Gewinnwachstum 2018 bei knapp 13 Prozent“, so Kahler weiter. „Jedoch dürfte das Sentiment noch auf längere Zeit chinesische Aktien belasten“, prognostiziert der DU-Analyst.

Insbesondere der Handelsstreit mit den USA könnte demnach die Anlegerstimmung in den kommenden Monaten weiter nach unten drücken. „Die anhaltende Verunsicherung dürfte eine nachhaltige Erholung des Aktienmarktes verhindern, weshalb wir den chinesischen Aktienmarkt derzeit noch nicht attraktiv genug für einen Einstieg halten.“