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Portfoliomanagerin von Comgest In China müssen Anleger immer mit Kursschwankungen rechnen

Ein Mann fotografiert Lampions.
Ein Mann fotografiert Lampions: Die aufstrebende Mittelschicht fragt in China immer mehr innovative Produkte und Dienstleistungen nach. | Foto: Imago Images / Nur Photo

Obwohl China in punkto Wirtschaftswachstum für lange Zeit die Weltspitze angeführt hat und seit gut zwei Jahrzehnten die Anlagebeschränkungen für Ausländer immer weiter gelockert wurden, hat das Land aus Sicht vieler Anleger inzwischen seinen Reiz als Wachstumsmarkt par excellence verloren. So hat das Zusammenspiel von mehreren geopolitischen Risiken, einer unausgereiften Marktregulierung und immer neuen Corona-Lockdowns, die vorübergehend ganze Metropolen wie Shanghai, Guangzhou und Xi’an zum Stillstand gezwungen haben, nicht nur die Volatilität chinesischer Aktien deutlich erhöht: Insbesondere hat dies auch die Meinung unter den Anlegern aufkommen lassen, dass China uninvestierbar geworden oder eine Investition nur unter Inkaufnahme von unkalkulierbaren Risiken möglich sei.

Die Lieferkettenprobleme, die durch die Lockdowns mit Unterbrechung des Lkw-Verkehrs und der Schließung von Fabriken noch verschärft wurden, bringen die Wettbewerbsfähigkeit des Landes als globales Produktionszentrum und Magnet für westliche Investitionen zusehends in Gefahr. Auch das chinesische Regulierungsumfeld ist nicht unbedingt anlegerfreundlich. Im Vergleich zu anderen Ländern, in denen die Verabschiedung neuer Gesetze und Vorschriften eine sehr öffentliche und langwierige Angelegenheit sein kann, erscheint der Prozess in China für Anleger eher undurchsichtig. Regulatorische Unwägbarkeiten gibt es zwar nicht nur im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Dennoch ist das Verständnis solcher Risiken für Vermögensanlagen im Reich der Mitte von entscheidender Bedeutung.

Die Regulierungsbehörden des Landes reagieren mit ihren Maßnahmen immer wieder auf sozioökonomische Probleme, wobei es nicht nur wie zuletzt im Jahr 2021 bei den Tech-Werten, dem Bildungs- und Immobiliensektor, sondern auch in anderen Branchen des Landes wie bei Pharmazeutika, medizinischen Geräten, emissionsintensiven Branchen, Versicherungen, Vermögensverwaltungen, Fahrdiensten, Glücksspielen, Immobilien und Online-Krediten zu großen Gesetzesänderungen gekommen ist.

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Berücksichtigt man nun all diese Faktoren, dann erklärt sich von selbst, warum allein der Aktienmarkt für chinesische A-Aktien, also Aktien der rund 3.500 Unternehmen, die an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gelistet sind, in den letzten 20 Jahren doppelt so volatil war, wie die Märkte der Industrieländer. Für die Aussicht auf langfristiges Wachstum im Reich der Mitte müssen Anleger ganz offenbar eine vergleichsweise hohe Volatilität in Kauf nehmen.

Aktien aus dem „neuen China“

Warum sollten Anleger also überhaupt in einem intransparenten volatilen Markt wie China investieren und worauf sollten sie achten, wenn sie dies mit einem kalkulierbaren Risiko tun wollen? Die allmähliche Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Anleger war ein „Game Changer“, der es China ermöglichte, bis Ende 2010 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufzusteigen, wobei der Anteil des Landes am globalen BIP inzwischen 18 Prozent erreicht hat. Zudem hat sich mit der Öffnung des A-Aktienmarktes für Anleger ein neues Anlageuniversum eröffnet, das mit einer Marktkapitalisierung von über 9 Billionen US-Dollar zu den größten der Welt gehört.

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