Spaziergänger im Schlosspark Tuilerien in Paris Foto: imago images / PanoramiC

Eba, Esma und Eiopa

EU-Aufsichten benennen größte Risiken für Finanzfirmen

Der Finanzsektor hat sich in der Corona-Pandemie zwar als vergleichsweise robust gegen Geschäftseinbrüche erwiesen. Dennoch sind auch Finanzfirmen von der Krise gezeichnet. Zu diesem Ergebnis kommt ein gemeinsamer Risikobericht der drei europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs), also der Bankenaufsicht Eba, der Wertpapieraufsicht Esma und der Versicherungsaufsicht Eiopa.

Demnach haben alle europäischen Branchen, für die die Behörden zuständig sind, mit Unsicherheiten zu kämpfen. Vor allem sind das Risiken in Bezug auf Bewertung, Liquidität, Kredite und Zahlungsfähigkeit.

Die Autoren stellen fest: Stark betroffen von der Pandemie seien zwar vor allem private Haushalte und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors. Deren Probleme könnten allerdings auf Finanzunternehmen überspringen – zum Beispiel wenn Schuldner ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen könnten. Bei einem zu großen Ungleichgewicht zwischen Finanz- und Nichtfinanz-Sektor könne sich zudem der Finanzmarkt von der Realwirtschaft entkoppeln – und in der Folge unter Schwankungen und Börseneinbrüchen leiden.

Die niedrigen Zinsen beförderten eine allgemeine Konjunkturerholung, räumen die Autoren ein. Allerdings stellten sie speziell für Lebensversicherer und Pensionsfonds ebenfalls ein Risiko dar.

Eiopa, Eba und Esma fordern:

Versicherungsunternehmen sollten auch negative Zinssätze abbilden. Die Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa habe bereits einen Vorschlag gemacht, wie Versicherer Negativzinsen berücksichtigen könnten, um ihr nötiges Solvenzkapital zu berechnen.

Banken sollten bei der Kreditvergabe besonders sorgsam die Risiken ihrer Schuldner einpreisen und sicherstellen, dass die Kreditvergabe auch dann rentabel bleibe, wenn etwa Zahlungsaufschübe ausliefen.

Fondsgesellschaften sollten ihre Anlagestrategie, Liquidität und Rücknahmebedingungen von Fondsanteilen so gestalten, dass sie gegen Kurskorrekturen und einen Ausverkauf durch die Investoren geschützt seien. Eine Probe aufs Exempel hatten die Investmentfirmen im vergangenen Frühjahr erlebt: Im Zuge des ersten Lockdowns wollten sehr viele Investoren gleichzeitig Fondsanteile loswerden.

Die drei Aufsichtsbehörden bekräftigten zugleich auch noch einmal eine frühere Forderung: Finanzunternehmen sollten aktuell darauf achten, Kapital im Unternehmen zu halten. Bei Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen sollten sie sich zurückhalten.

Zu dem 13-seitigen Risikobericht (in englischer Sprache) geht es hier >>

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