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Fondsgebundene Versicherungen Fünf Jahrzehnte Fondspolicen in Deutschland

Liebhaberstücke wie ein originalgetreuer VW-Bulli stehen auch heute hoch im Kurs
Liebhaberstücke wie ein originalgetreuer VW-Bulli stehen auch heute hoch im Kurs: Deutschlands Versicherer brachten vor rund 50 Jahren ihre ersten Fondspolicen auf den Markt. Neben einem Rückblick geben wir einen Ausblick auf die nächsten Jahre. | Foto: tnt_user / Pixabay
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Das Jahr 1971 ging als Jahr des Wandels in die Geschichtsbücher ein: Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt erhält für seine Ostpolitik den Friedensnobelpreis, der langjährige SED-Chef Walter Ulbricht tritt sein Amt an Erich Honecker ab. US-Präsident Richard Nixon verkündet das Ende des Goldstandards, Banken der Bundesrepublik und der drei Benelux-Staaten verwenden erstmals einheitliche Euroschecks. Ebenfalls mit Folgen für die Finanzbranche bis heute: Einzelne Versicherer hierzulande heben ihre ersten Fondspolicen aus der Taufe.

Das damals vollkommen neue Modell der fondsgebundenen Lebensversicherung kombiniert den finanziellen Schutz für Hinterbliebene bei Tod des Versicherten mit der Anlage des verbleibenden Sparbeitrags an der Börse. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Variante, die vor allem auf Festverzinsliche setzt: Das mit Aktien- und Mischfonds gebildete Vermögen fällt je nach Wachstum der Kapitalmärkte sehr unterschiedlich aus und ist im Voraus nicht sicher vorherzusagen.

Fondsgebundene Rentenversicherungen

Längst gibt es das Produkt auch als Rentenversion: In diesem Fall erhalten Kunden das angelegte Geld nicht auf einen Schlag, sondern als monatliche Leibrente bis zum Lebensende – unabhängig davon, wie alt er oder sie wird. Unabhängig davon galt bis Ende 2004: Die Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar, und die Auszahlung ist steuerfrei, wenn der Vertrag erstens mindestens zwölf Jahre lang bestanden hat, der Kunde zweitens mindestens fünf Jahre lang Beiträge zahlte und der Todesfallschutz drittens mindestens 60 Prozent der Beiträge ausmacht.

Seit 2005 gibt es immerhin noch eine 50-prozentige Steuerfreiheit für die Differenz zwischen  der Summe der eingezahlten Prämien und dem ausgezahlten Betrag. Dabei gelten weiterhin die zwei erstgenannten Voraussetzungen sowie drittens, dass die auch bei vielen Rentenversicherungen mögliche Kapitalauszahlung nicht vorzeitig erfolgt. Hierfür galt bis 2012 die Altersgrenze von 60 Jahren, seitdem von 62 Jahren.

Noch weniger Steuern zahlt ein Senior aber auf eine lebenslange Rente, die der Staat besonders stark fördert: Mit dem individuellen Einkommensteuersatz wird nur der sogenannte Ertragsanteil belegt. Dieser sinkt mit steigendem Eintrittsalter und beträgt beispielsweise bei Rentenbeginn mit 67 Jahren 17 Prozent.

Hohe Steuervorteile für Fondspolicen

Diese Steuervorteile nutzen nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft heute Kunden mit knapp 4,3 Millionen fondsgebundenen Rentenversicherungen. Hinzu kommen 2,6 Millionen fondsgebundene Kapitalversicherungen. Im Neugeschäft wurden 2020 deutschlandweit 279.960 fondsgebundene Rentenversicherungen gegen laufenden Beitrag und weitere 37.398 gegen Einmalbeitrag abgeschlossen, was einem Gesamt-Plus um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zum Vergleich: In den Jahren 2017 bis 2019 wurden jeweils etwa 100.000 Fondsrenten weniger abgeschlossen.

Inflation treibt Flucht in Sachwerte

Zusätzlichen Auftrieb verleiht die sich beschleunigende Flucht in Sachwerte – viele Anleger fürchten, dass der Euro mittelfristig weiter an Wert verliert: Laut einer Ende August durchgeführten Umfrage im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge geht ein Drittel der mehr als 2.000 befragten Erwachsenen davon aus, dass sich die Inflationsrate hierzulande in den kommenden Jahren bei 3 bis 4 Prozent festsetzen wird.

Auch wenn Experten für 2022 mehrheitlich einen zumindest teilweisen Rückgang vorhersagen: Mit 31 Prozent rechnen fast ebenso viele Teilnehmer sogar damit, dass die Inflation weiter zunimmt und jeder Euro mehr als 5 Prozent an Kaufkraft einbüßt. Damit entspräche die Inflationsrate in etwa dem Stand, den das Statistische Bundesamt für das Jahr 1971 (5,1 Prozent) angibt.

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