Industrieroboter in einer Autofabrik Foto: IMAGO / Westend61

Jupiters Anleihechef Ariel Bezalel

„Inflation wieder da, und volle Fahrt voraus? Nicht so eilig …“

Ein neues Jahr beginnt oft mit frischem Optimismus und einigen Überraschungen. Von Letzteren gab es in diesem Jahr schon viele. Die US-Demokraten gewannen zwei Wahlen im Bundesstaat Georgia und sicherten sich damit eine Mehrheit im Kongress, der neue Präsident Joe Biden enthüllte einen Ausgabenplan im Volumen von 1,9 Billionen US-Dollar – mit dem Geld soll die US-Wirtschaft angekurbelt werden – und Regierungen weltweit verkündeten ehrgeizige Ziele für die Impfung ihrer Bevölkerungen gegen das Coronavirus.

Als dann die Zinsen von US-Staatsanleihen zu steigen begannen, kam es zu Schwankungen an den Märkten. Wir sehen darin auch eine Reaktion auf unbedachte Äußerungen von Vertretern der US-Notenbank Fed über mögliche Szenarien für eine schrittweise Reduzierung der Anleihekäufe und eine Anhebung der Zinsen. Fed-Chef Powell widersprach zwar vehement, aber erst, als die Renditekurve schon steiler geworden und die Inflationserwartungen gestiegen waren.

Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

Strukturelle Faktoren treiben Deflation langfristig weiter voran

Könnten Zinsbewegungen, Pläne für höhere Staatsausgaben und Impfoptimismus als Signale dafür gedeutet werden, dass sich die Weltwirtschaft, begleitet von Inflation, bereits erholt und zur Normalität zurückkehrt? Verfechter des „Reflation Trade“ würden bei der Beschreibung des derzeitigen Umfelds auf sehr niedrige Inflationsraten und enorme Summen an Hilfsgeldern verweisen, die Regierungen und Notenbanken in die Weltwirtschaft gepumpt haben. Ein weiterer wichtiger Faktor seien hohe, während der Lockdowns angehäufte Ersparnisse der Verbraucher.

Mit den Impfstoffen einher geht die Erwartung, dass die Volkswirtschaften bald wieder auf vollen Touren laufen werden, sobald die Nachfrage wegen des Nachholbedarfs der Verbraucher steigt und die Geldumlaufgeschwindigkeit deutlich an Tempo gewinnt. Unseres Erachtens sind die Vertreter der These vom „Reflation Trade“ etwas voreilig, und das Niedrigzinsumfeld dürfte uns noch länger erhalten bleiben. Wir sind seit langem der Auffassung, dass die strukturellen Faktoren Überschuldung, Alterung der Bevölkerungen und Disruption (infolge von Globalisierung, Technologie und billigen Arbeitskräften) die Deflation langfristig weiter vorantreiben werden.

Notenbanken bleiben in Spendierlaune

In Anbetracht der extrem hohen weltweiten Schulden – rund 280 Billionen US-Dollar, Tendenz steigend – könnte jeder deutliche Anstieg der Renditen stärkere Schwankungen an den Märkten für Risikoanlagen auslösen. Die Folge wäre wohl, dass die Renditen wieder sinken würden. Steigende Anleiherenditen sind dem Ziel der Fed, ihre langfristigen Inflationsziele zu erreichen, nicht förderlich. Aus diesem Grund waren die Äußerungen über eine mögliche Reduzierung der Anleihekäufe schädlich, wie sich schon in der Vergangenheit gezeigt hat.

Ariel Bezalel betreut unter anderem den Anleihefonds Jupiter Dynamic Bond (ISIN: LU0853555380). Zum Fondsporträt in unserer Datenbank gelangen Sie hier.

Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken noch sehr lange eine expansive Geldpolitik verfolgen werden. Viele „Zombie“-Unternehmen werden ihren Cashflow zur Schuldentilgung verwenden, statt damit Investitionen in das langfristige Wachstum ihres Geschäfts vorzunehmen. Wir konzentrieren uns daher auf Unternehmen mit robustem Geschäftsmodell, die sich auch in der ungewissen Phase, die vor uns liegt, behaupten können. Konjunktursensitivere Bereiche meiden wir dagegen bewusst.

Der lange Weg der Erholung

In vielerlei Hinsicht preisen die Märkte eine wirtschaftliche Erholung ein, als ob diese nicht nur gewiss wäre, sondern auch linear verlaufen würde. Manche Kennzahlen prognostizieren eine zukünftige Inflationsrate von 2,4 Prozent, was dem Niveau von 2017-2018 entspricht. Bis zu einer vollständigen wirtschaftlichen Erholung von der Pandemie wird jedoch noch viel Zeit vergehen.

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