Gut erklärt Wann man Währungskurse absichern sollte, und wann nicht

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Diese Anleger begehen zwei mit einander zusammenhängende Denkfehler: Zum einen verkennen sie den weiter oben ausgeführten Gesichtspunkt, dass nämlich Hedging in einem weltweit diversifizierten Aktienportfolio gegenüber dem USD und oder einer begrenzten Zahl von Hartwährungen in Wirklichkeit „Pseudo-Hedging“ darstellt, weil die tatsächlichen Wechselkursrisiken im Portfolio ja eben gerade nicht abgesichert werden. Stattdessen wird in Wirklichkeit eine separate Wechselkursspekulation vorgenommen. Aus dem konsolidierten Rendite- oder Risikoeffekt auf das Anlegerportfolio – gemessen in ihrer funktionalen Währung – kann man aus einem solchen Hedge ex post eigentlich nur falsche Schlüsse ableiten.

Ein zweiter, allgemeinerer Denkfehler besteht darin, dass diese Anleger unsystematische, zufällige historische Unterschiede zwischen den globalen Aktienmarktrenditen in unterschiedlichen Währungen in die Zukunft extrapolieren. Das ist ebenso irrig wie zu glauben, man könne aus der historischen Über- oder Unterrendite einer einzelnen Aktie hinreichend zuverlässig auf diese Größe in der Zukunft schließen. Dass in kurz- und mittelfristigen Zeiträumen auch langfristige Auf- und Abwertungstrends nicht einmal historisch eine klare Basis für Hedging-Nutzen erkennen lassen, deuten die beiden unteren Zeilen in der Tabelle an.

Tabelle: Nominale Rendite des MSCI World Standard Index in fünf Hauptwährungen von 1975 bis 2017 (43 Jahre)

MSCI World Standard Index

in USD

in EUR (DM)

in GBP

in CHF

in YEN

Nominale Rendite p. a. 1975 bis 2017 (43 Jahre)

10,7 Prozent

9,8 Prozent

11,6 Prozent

8,7 Prozent

8,5 Prozent

Anteil Kalenderjahre: Wechsel­kurssicherung vs. USD vorteilhaft [a]

---

51 Prozent

53 Prozent

49 Prozent

44 Prozent

Anteil Fünfjahreszeiträume: Wechsel­kurssicherung vs. USD vorteilhaft [b]

---

56 Prozent

33 Prozent

78 Prozent

56 Prozent

Anmerkungen zur Tabelle: Ohne Kosten und Steuern. /// Über den gesamten Betrachtungszeitraum (43 Jahre) hinweg wertete der USD gegenüber dem EUR (DM), dem CHF und dem YEN ab und gegenüber dem GBP auf. /// Das Startdatum 1975 wurde gewählt, weil die hier gezeigten Währungen erst ab etwa 1975 gegenüber dem USD weitgehend frei schwankten. Vor 1971 waren die Währungen fest an den USD gekoppelt (Bretton-Woods-Wechselkurs-System). Von 1972 bis Ende 1974 erlaubten die jeweiligen Zentralbanken ein zunehmend freieres Schwanken (Floating) der Wechselkurse (Übergangsphase zu mehr oder weniger frei schwankenden Wechselkursen). /// Die realen Renditen in den verschiedenen Währungen würden sich weniger unterscheiden als die hier gezeigten nominalen Renditen. /// [a] Anteil Kalenderjahre, in denen Wechselkurssicherung gegenüber dem USD aus der Sicht eines Anlegers mit der in der jeweiligen Spalte angegebenen funktionalen Währung renditemäßig vorteilhaft gewesen wäre (ohne Berücksichtigung von Kosten und Steuern). /// [b] Anteil nicht überlappender Fünfjahreszeiträume, in denen Wechselkurssicherung gegenüber dem USD aus der Sicht eines Anlegers mit der in der jeweiligen Spalte angegebenen funktionalen Währung renditemäßig vorteilhaft gewesen wäre (ohne Berücksichtigung von Kosten und Steuern). Der Gesamtzeitraum von 43 Jahren wurde pragmatisch in 8 Fünf-Jahres- und einen Drei-Jahres-Zeitraum aufgeteilt. Der Drei-Jahres-Zeitraum war der letzte Teilzeitraum.

In der wissenschaftlichen Literatur besteht weitgehend Konsens, dass Wechselkurssicherung in einem global diversifizierten Aktienportfolio keinen systematischen, also hinreichend zuverlässigen Vorteil erzeugt (siehe exemplarisch einige Aufsätze im Kasten am Ende dieses Artikels). Das dürfte der Grund sein, warum bei ETFs der Anteil der globalen diversifizierten Produkte mit Währungsabsicherung sehr gering ist. Bei global diversifizierten Aktien-ETFs, die so genannte Faktorprämien beinhalten (Smart-Beta-ETFs) existieren noch weniger Produkte mit Wechselkurssicherung.

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