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Kristina Hooper von Invesco Anleger sollten sich für mögliche Kursschwankungen rüsten

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Der US-chinesische Handelsstreit: So relevant für die Wirtschaft wie der Brexit

Meiner Ansicht nach ist die Handelssituation aus dem gleichen Grund relevant für die Wirtschaft wie der Brexit: Der Konflikt zwischen Washington und Peking kann zu einer deutlich größeren wirtschaftspolitischen Unsicherheit führen und damit die Unternehmensinvestitionen und andere Ausgaben dämpfen.

Deshalb haben die Märkte auch immer wieder stark auf die Nachrichten von der Handelsfront reagiert – so auch Ende September, als die Aktienmärkte nach dieser jüngsten Meldung aus den USA deutlich nachgaben. Dabei wurden die bereits beträchtlichen Kursverluste am US-amerikanischen Aktienmarkt von den Abschlägen auf chinesische Aktien noch übertroffen.

Allerdings sollten Anleger auch nicht überreagieren. Ich glaube immer noch, dass den USA zunehmend an einem Handelsabkommen gelegen sein wird, je näher die Präsidentschaftswahlen 2020 rücken. Allerdings glaube ich auch, dass China – wenn überhaupt – nur zu Zugeständnissen bei der Reduktion des Handelsdefizits bereit sein wird. Drohungen wie die von Ende September könnten somit ein Verhandlungsinstrument für die USA darstellen.

Das hat mich übrigens an zwei andere ungewöhnliche Warnungen der jüngeren Zeit erinnert: Trumps Tweet Ende Mai, in dem er Mexiko mit Strafzöllen drohte, um seine Einwanderungspolitik durchzudrücken. Und sein Tweet vom August, in dem er drohte, US-Firmen daran zu hindern, Geschäfte in China zu machen. Dabei berief sich der US-Präsident auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) aus dem Jahr 1977, der ihm die entsprechenden Befugnisse verleihen würde.

Dieses Gesetz hat insofern eine erhebliche Bedeutung, als das es dem Präsidenten extrem weitreichende Rechte gewährt, wodurch die wirtschaftspolitische Unsicherheit noch weiter zunehmen könnte. Allerdings müsste es dazu erst einmal angewendet werden — und ich bin zunehmend überzeugt, dass es dazu nicht kommen wird.

Allerdings könnten derartige Berichte und Drohungen angesichts des möglichen Impeachment-Verfahrens und der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen häufiger werden. Die Märkte sollte das nicht über Gebühr beunruhigen, trotzdem sollten Anleger wachsam bleiben. Denn sollte eine derartige Drohung tatsächlich umgesetzt werden, würde das die wirtschaftspolitische Unsicherheit erhöhen, mit spürbaren Folgen für die Wirtschaft und die Finanzmärkte.

Zusammengefasst dürfte das Interesse der USA an einem Abkommen mit China weiter zunehmen. Gleichzeitig wird die Trump-Administration wohl versuchen, von einem möglichen Amtsenthebungsverfahren abzulenken. Meines Erachtens sollten sich Investoren daher auf jede mögliche Meldung einstellen.

Anlageerwägungen: Anleger sollten Kursrückschläge nutzen

In den kommenden Wochen und Monaten rechne mit anhaltenden und zunehmend unvorhersehbaren geopolitischen Störfaktoren. Zumindest in Bezug auf das Handelsthema könnte das zu einer höheren Volatilität bei Aktien und Staatsanleihen führen. Investoren sollten sich deshalb für mögliche Kursschwankungen rüsten und ihre Portfolios ausreichend breit aufstellen. Gleichzeitig können Anleger Kursrückschläge aber auch als Chance nutzen, um Positionen in überverkauften Anlagewerten aufzubauen, etwa in chinesischen Aktien.

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