Michael Hasenstab blickt auf das Jahr 2019 Anleger in US-Staatsanleihen sollten gewarnt sein

Windkraftanlagen im Sturm: Durch das Ende von QE droht eine Eintrübung der Großwetterlage, aber es ergeben sich auch Chancen. | © Getty Images

Windkraftanlagen im Sturm: Durch das Ende von QE droht eine Eintrübung der Großwetterlage, aber es ergeben sich auch Chancen. Foto: Getty Images

Michael Hasenstab, Chefanleger der Templeton-Global-Macro-Grupp

Ein Jahrzehnt nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 beginnen die Finanzmärkte, die durch das massive quantitative Lockerungsprogramm (QE) der US-Notenbank (Fed) verursachten Verzerrungen der Vermögenspreise zu korrigieren.

Das QE-Programm war ursprünglich als begrenzte Maßnahme zur Stützung der Märkte ins Leben gerufen worden. Es wurde jedoch über die Jahre immer wieder erweitert und entwickelte sich damit vom kurzfristigen Hilfsprojekt zu einer langlebigen Institution. Während es gelang, die Kapitalkosten zur Belebung des Wirtschaft  künstlich niedrig zu halten, wurden die Kurse von Vermögenswerten in die Höhe getrieben: Die fortgesetzte quantitative Lockerung lenkte zahlreiche Anleger in risikoreichere Anlagen um, was kontinuierliche Preisverzerrungen bei Anleihen und Aktien zur Folge hatte. Gleichzeitig wurden Anreize für eine Hebelung des investierten Kapitals gesetzt. Anleger, die anhaltend niedrige Renditen und die Funktion der US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) als „Käufer der letzten Instanz“ als dauerhafte Lösung betrachteten, wurde belohnt.

Diese Bedingungen sind jedoch weder normal noch dauerhaft. Wir gehen davon aus, dass die Abkehr von QE im kommenden Jahr erhebliche Auswirkungen sowohl auf die Renten- als auch Aktienmärkte haben dürfte. Zuletzt haben wir im Oktober 2018 beobachtet, wie Renten- und Aktienmärkte gleichzeitig in die Knie gingen, während die Zinsen stiegen.

Diese Gleichzeitigkeit mag auf den ersten Blick wie eine Anomalie erscheinen. Weil Anleihen und Aktien jedoch gleichermaßen durch die massiven Eingriffe der Fed gestützt wurden, sind sie im Zuge der geldpolitischen Kehrtwende der Fed gegenläufigen Effekten gegenüber auch gleichermaßen anfällig. Anleger, die nicht auf gleichzeitige Kurskorrekturen bei US-Staatsanleihen und anderen Anlageklassen im Jahr 2019 vorbereitet sind, könnten deshalb unbeabsichtigten Risiken ausgesetzt sein.

Drei Gründe, warum US-Staatsanleihen vor Aufwärtsdruck stehen

Drei Schlüsselfaktoren führen unserer Einschätzung nach in ihrer Kombination dazu, dass die Renditen auf US-Staatsanleihen ansteigen dürften: der erhöhte Kreditbedarf der US-Regierung, ein Rückgang der Staatsanleihenkäufe durch die Fed und ausländische Regierungen sowie steigender Inflationsdruck.

Der erste Sturm, der sich am Horizont bereits zusammenbraut, ist das wachsende US-Haushaltsdefizit. Unserer Analyse zufolge wird das Haushaltsdefizit aufgrund der erhöhten Ausgaben der Trump-Regierung, kombiniert mit Steuersenkungen und laufenden obligatorischen Ausgaben, voraussichtlich auf die Marke von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zusteuern. Hierdurch steigt der bereits hohe Kreditbedarf der US-Regierung weiter an.

Der zweite Sturm betrifft die rückläufige offizielle Käufernachfrage – sowohl im Inland durch die Fed, die ihr QE-Programm abwickelt, als auch seitens ausländischer Regierungen. Die entstehende große Finanzierungslücke muss durch preisempfindliche Anleger geschlossen werden. Um die Differenz zu überbrücken, müssten diese ihre Käufe gegenüber dem aktuellen Niveau ungefähr verdreifachen.

Diese beiden Faktoren alleine wären wahrscheinlich schon ausreichend, um die Renditen in die Höhe zu treiben. Allerdings zieht noch ein dritter Sturm in der Form von Inflation auf. Der Lohndruck nimmt aufgrund der außerordentlichen Stärke des US-Arbeitsmarkts und des Mangels an sowohl qualifizierten als auch unqualifizierten Arbeitskräften in bestimmten Sektoren zu. Zusätzlich beschränkt wird das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften durch die von der Trump-Regierung eingeführten Beschränkungen bei der legalen und illegalen Einwanderung.

Darüber hat die Trump-Regierung mit spätzyklischen fiskalpolitischen Konjunkturmaßnahmen, Deregulierung und Steuersenkungen die bereits starke Wirtschaft weiter befeuert. Zudem dürften Zölle in verschiedenen Wirtschaftssektoren die Kosten für Verbraucher erhöhen. All diese Entwicklungen werden unserer Einschätzung nach inflationäre Folgen haben. In Anbetracht des aktuellen Umfelds ist zu erwarten, dass die Fed ihre Zinserhöhungen fortsetzen und 2019 den neutralen Zinssatz erreichen wird. Zusammengenommen sorgen alle genannten Faktoren für einen unausweichlichen Zinsdrucksturm, der im kommenden Jahr zu steigenden Renditen auf US-Staatsanleihen sorgen sollte.