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EZB-Chefin Christin Lagarde verheißt eine weiterhin lockere Geldpolitik Foto: IMAGO / Le Pictorium
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Inflationsentwicklung in Europa

Mindestens fünf Jahre kein Zinsanstieg in der Eurozone

David Zahn, Franklin Templeton

Die Inflation wird 2021 im globalen Rahmen sicherlich ein Thema, da es in vielen Volkswirtschaften nach einem stärkeren Wachstum in diesem Jahr aussieht und sich die Erholung von der Pandemie fortsetzt. Jüngst stiegen daraufhin die Renditen von US-Staatsanleihen. Die Anleiherenditen in Europa zogen nach.

Wir gehen jedoch davon aus, dass die Zinsen in Europa im laufenden Jahr nicht in nennenswertem Umfang steigen werden. Die Chancen auf eine dauerhafte Inflation sind hier nach wie vor äußerst gering. In den USA hingegen ist ein Anstieg der Inflation wahrscheinlich. Die Teuerung dürfte hier allerdings vorübergehend sein und auf bestimmte Sektoren beschränkt bleiben.

Erholungsphase in Europa dürfte Jahre anhalten

Die Inflationsrate der Verbraucherpreise im Euroraum lag im Januar 2021 bei 0,9 Prozent im Jahresvergleich und stieg damit nach mehreren Monaten mit negativen Werten wieder an. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen Anstieg der Inflation in der Eurozone auf 1,3 Prozent bis 2023 prognostiziert und versucht seit Jahren, die Inflation in die Nähe des Zielwerts von 2 Prozent zu bekommen. Auch wenn die Inflation von den aktuellen Niveaus aus noch etwas steigen sollte, bedeutet das nicht, dass Gefahr für den Anleihemarkt droht oder die EZB sich dazu veranlasst sehen könnte, ihren politischen Kurs zu ändern.

Die Erholung von Covid-19 dürfte in Europa mehrere Jahre in Anspruch nehmen, bis die vor der Pandemie gesehene Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften wieder erreicht wird. In einem solchen Umfeld wird die EZB unserer Einschätzung nach ihre Geldpolitik weiterhin sehr locker gestalten und wahrscheinlich ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten fortsetzen, das den Markt mit Liquidität geflutet hat. Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer langsamen Erholung sehen wir für mindestens fünf Jahre keinen Zinsanstieg in der Eurozone. Anleger sollten daran denken, dass die Eurozone mehr als ein Jahrzehnt gebraucht hat, um wieder auf den Stand vor der globalen Finanzkrise von 2008–2009 zu kommen.

Wir sind der festen Überzeugung, dass Geld- und Fiskalpolitik in Europa Lehren aus der Vergangenheit gezogen haben und inzwischen eher bereit sind, in Schwächephasen der Wirtschaft Geld auszugeben, um der konjunkturellen Entwicklung wieder auf die Beine zu helfen.

Die europäische Politik gilt es im Blick zu behalten

Natürlich ist die Politik in der Eurozone immer etwas, das die Anleger im Auge behalten müssen. Mit der bevorstehenden Amtsniederlegung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im September dieses Jahres wird es interessant sein zu sehen, wer an die Spitze rückt. In Italien hat der Wechsel bereits stattgefunden: Mario Draghi ist in die Politik zurückgekehrt und wurde am 13. Februar zum Ministerpräsidenten ernannt. Ein guter Schritt nach vorne für ganz Europa, da der ehemalige EZB-Chef einer der angesehensten Politiker auf dem Kontinent ist und zusätzlich zu den Reformen in Italien viele Reformen auf europäischer Ebene vorantreiben dürfte. Es ist davon auszugehen, dass die europäische Politik an Dynamik gewinnt. Infolgedessen könnte auch die Arbeitsweise der EU als Ganzes profitieren, was sich wiederum auf die Märkte auswirken dürfte.

Unserer Meinung nach könnte es innerhalb der Eurozone zu einer stärkeren Zentralisierung kommen. Für den Zufluss globaler Investments wäre diese Entwicklung förderlich, weil Vertrauen für Stabilität sorgt und die gemeinsame Emission von Schuldtiteln zur Eindämmung der Pandemiefolgen Anlegern weltweit viele Chancen bietet.

Aktiver Ansatz unabdingbar

Infolge der Pandemie mussten sich viele Investoren neu fokussieren. Ein Bereich, der mehr Aufmerksamkeit erhält, sind Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG). Investoren fragen sich: Was kann ich tun, um meine Investitionen nachhaltiger zu gestalten? Wie kann ich meine Kapitalanlage nutzen, um den Klimawandel abzumildern? Wir glauben, dass diese Themen in den nächsten Jahren weiter an Relevanz gewinnen und die entsprechenden Kapitalzuflüsse weiter steigen werden.

Allerdings bedeutet dieser Blick auf die Zukunft nicht unbedingt, dass wir nur in Unternehmen mit den höchsten ESG-Scores investieren. Wir suchen aktiv nach Unternehmen, die in diesem Bereich noch viel Verbesserungspotenzial haben und offen für Veränderungen hin zu mehr Nachhaltigkeit sind. Vielleicht haben diese Unternehmen eine schlechte CO2-Bilanz oder nachteilige soziale Schwachpunkte; aber das Management erkennt die Probleme und geht sie an. Bringen diese Unternehmen Schritte zur Verbesserung ihrer Produkte und Dienstleistungen im Sinn von mehr Nachhaltigkeit auf den Weg, entsteht hier ein großes Potenzial für zusätzliche Wertschöpfung. Natürlich ereignet sich dieser Prozess nicht über Nacht. Doch im Verlauf mehrerer Jahre und mit kontinuierlichem Engagement dürften sich große Fortschritte einstellen. Derweil gibt es viele Emittenten, die sich in einem sehr frühen Stadium der stärkeren Berücksichtigung von ESG-Themen befinden – sofern sie bereit sind sich zu engagieren und ihre entsprechenden Leistungen zu kommunizieren, sehen wir sie als sehr vielversprechende Investmentziele an.

Vor diesem Hintergrund führt an einem aktiven Ansatz kein Weg vorbei. Unserer Ansicht nach werden sich die Anleihemärkte in den nächsten zwölf bis 18 Monaten wahrscheinlich volatil entwickeln. In diesem Umfeld kann aktives Management Wert generieren; mittels Umschichtungen im Portfolio erzielen Fondsmanager eine Überrendite. Ganz wichtig ist es dabei, ausreichend Liquidität vorzuhalten, um jederzeit Chancen nutzen zu können.

Chancen auch in der europäischen Peripherie

Auch wenn Unsicherheiten bestehen – bei europäischen Anleihen bieten sich immer noch neue Investmentgelegenheiten. Unserer Einschätzung nach sind ausgewählte Hochzinsanleihen mit BB-Rating in Europa interessant, zum Beispiel als Teil einer Hantelstrategie mit einigen risikoärmeren und einigen risikoreicheren Anlagen innerhalb eines Portfolios.

Letztlich suchen wir aber nicht nur in der Eurozone nach Chancen, sondern in ganz Europa; darunter in den europäischen Schwellenländern. Unsere Erfahrung zeigt, dass festverzinsliche Wertpapiere in Zeiten von Stressphasen am Markt weiterhin als guter Diversifikator dienen. Ihre Beimischung kann dazu beitragen, im Portfolio unliebsame Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Pandemie abzuschwächen.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Unterlagen sollen ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum (oder in einigen Fällen zu einem bestimmten Datum) wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

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