Treptowers und Molecule Man in Berlin: Die Liquiditätsquoten der Offenen Immobilienfonds verharren auf hohem Niveau. Zurückzuführen ist das vor allem darauf, dass gegenwärtig neun der 20 untersuchten Fonds mit Kontingentierungen arbeiten. | © Pixabay Foto: Pixabay

Liquiditätsquoten

Finanzpolster sichern Offene Immobilienfonds

Für Manager offener Immobilienfonds war es in den vergangenen Jahren eine Herausforderung, die Liquiditätsquoten nicht zu stark anschwellen zu lassen. Dies ist ihnen im vergangenen Jahr auch gelungen. Ende 2019 betrug die Liquiditätsausstattung der Fonds im gewichteten Durchschnitt rund 20 Prozent. Das ist nahezu das gleiche Niveau wie zum Ende des Vorjahres. Auch in den vergangenen von der Corona-Krise dominierten Wochen gab es nach Angaben der Asset Manager bisher keine außergewöhnlichen Mittelabflüsse. Zahlreiche Fonds haben selbst in den vergangenen Wochen Netto-Mittelzuflüsse erzielt.

Ein wesentlicher Grund dafür ist laut dem Analysehaus Scope Analysis die 2013 eingeführte Mindesthaltedauer von zwei Jahren und die einjährige Kündigungsfrist. Fonds, die ab 2013 aufgelegt wurden, haben ausschließlich Anleger, die diesen gesetzlichen Regelungen unterliegen. Und auch die älteren Fonds – zu denen sämtliche Schwergewichte zählen – haben mittlerweile fast alle zu mehr als der Hälfte Anleger, die diesen Regelungen unterworfen sind. Anleger, die vor dem 22. Juli 2013 in offene Immobilienfonds investierten, können bis zu 30.000 Euro pro Halbjahr ohne Fristen abziehen.

Konservative Bewertungen

Ein weiterer Grund für die Stabilität der Mittelbewegungen: „Der Anteilwert offener Immobilienfonds reagiert deutlich weniger volatil als zum Beispiel die Kurse von Aktienanlagen“, erklären die Scope-Analysten. Für diese Stabilität sei demnach unter anderem die konservative Bewertungspraxis der deutschen Immobiliengutachter verantwortlich. „Sie stellt auf nachhaltig erzielbare Werte ab und glättet damit Marktausschläge nach oben und unten.“

In den ersten zwei Monaten dieses Jahres haben die Fonds, die überhaupt Anlegergelder annehmen, erneut enorme Mittelzuflüsse erhalten. In den vergangenen Wochen haben sich die Mittelzuflüsse jedoch reduziert, berichtet Scope. Diese Verlangsamung der Zuflüsse werde sich demnach in den folgenden Monaten fortsetzen. In Anbetracht der massiven Cash-Positionen der meisten Fonds sind Liquiditätsprobleme kurzfristig nicht zu erwarten. Allerdings werden sich die Fondsmanager nach Einschätzung der Analysten bei Investitionen in neue Objekte vorerst zurückhalten.

Hohe Liquiditätsquoten

Die Berliner Ratingagentur hat die Mittelzuflüsse und Liquiditätsquoten von 20 offenen Immobilienpublikumsfonds zum Jahreswechsel im Detail untersucht. Die betrachteten Fonds verwalten demnach rund 100 Milliarden Euro. Das Ergebnis: Trotz hoher Nettomittelzuflüsse von rund 10 Milliarden Euro im Jahr 2019 hat sich die durchschnittliche nach Fondsvermögen gewichtete Liquiditätsquote kaum verändert. Sie betrug zum Ende des vergangenen Jahres 20,2 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 0,1 Prozentpunkte mehr.

Bei deutschen Anlegern sind Offene Immobilienfonds im anhaltenden Niedrigzinsumfeld beliebt. Die durchschnittliche Performance der Fonds betrug im vergangenen Jahr 3,1 Prozent. Damit lag sie deutlich über dem Niveau, das sich mit Staatsanleihen oder Termingeldern erzielen lässt. Diese relative Attraktivität sei ein wesentlicher Grund für die hohen Zuflüsse, die sich 2019 für sämtliche aktiven offenen Immobilienfonds mit netto 10,3 Milliarden Euro auf einem deutlich höheren Niveau als in den Vorjahren befanden. Zum Vergleich: 2018 und 2017 waren es 6,4 beziehungsweise 6,6 Milliarden Euro.

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