Schwellenländer-Anleihen Wie sich Anleger Extra-Schubkraft für das Portfolio holen

Moderne und Tradition in der Elfenbeinküste: Das Land diversifiziert seine Wirtschaft – und klettert so entlang der Wertschöpfungskette weiter nach oben. | © Getty Images

Moderne und Tradition in der Elfenbeinküste: Das Land diversifiziert seine Wirtschaft – und klettert so entlang der Wertschöpfungskette weiter nach oben. Foto: Getty Images

In Schwellenländer zu investieren ist längst kein Geheimtipp mehr. Immer mehr Anleger verfolgen die dortige Entwicklung. Herr Shakir-Khalil, was macht Investitionen in Schwellenländer so attraktiv?

Oli Shakir-Khalil, Investment Director für Schwellenländer-Anleihen bei Fidelity

Die Länder entwickeln sich kontinuierlich weiter, reifen, die Anlagemöglichkeiten werden vielfältiger. Das lässt neue Chancen entstehen. Dazu ist der Verschuldungsgrad in den Schwellenländern nach wie vor deutlich niedriger als in Industrieländern. Und gleichzeitig sorgen Regierungen für Reformprogramme, die die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Fundamentaldaten auf Dauer verbessern. Das alles trägt dazu bei, dass die aufstrebenden Märkte weiter wachsen.

Können Sie das konkretisieren, beispielsweise anhand der großen Länder?

Gerne. In Ländern wie Indien und China steigt das Einkommen und damit auch der Wohlstand, die Staaten befinden sich in einer Transformation von Schwellenländern hin zu Volkswirtschaften mit mittleren Einkommensniveaus. Ein anderes Beispiel: die Elfenbeinküste. Das Land produziert viel Kakao. Nun diversifiziert es seine Wirtschaft, um nicht mehr nur als Rohstoffexporteur dazustehen – und klettert so entlang der Wertschöpfungskette weiter nach oben.

Schwellenländer entwickeln sich also definitiv weiter. Welche Risiken müssen Anleger im Auge behalten?

Kurzfristige Faktoren, wie beispielsweise politische Risiken, können zu höherer Volatilität führen. Solche Schwankungen bemerken wir aktuell beispielsweise in der Türkei, in Russland und Brasilien. Mit politischen Unwägbarkeiten sollten Schwellenländer-Investoren immer rechnen.

Im ersten Halbjahr 2018 haben die Kapitalmärkte in den Schwellenländern auf breiter Front Rückschläge erlitten, weil Anleger sich um steigende Zinsen und Handelsschwankungen sorgten. Außerdem wirkt ein stärkerer US-Dollar stets auf die Renditen von Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen. Wie abhängig sind die Schwellenländer und insbesondere die Rentenmärkte dort von den großen entwickelten Märkten wie den USA?

Ein Handelskrieg zwischen den USA und China könnte großen Schaden anrichten, insbesondere in Asien. Aber längst nicht jedes Schwellenland reagiert empfindlich auf das, was dort passiert. Beispielsweise Indien: Da gerade die Verbraucher im eigenen Land den indischen Markt antreiben, ist das Land weitaus weniger abhängig von entwickelten Märkten als eine Exportnation wie China. Indien kann in Sachen Wachstum also eher noch mit einem weiteren Schub rechnen als mit einem Rückgang.

Werfen wir einen genaueren Blick auf Schwellenländer-Anleihen. Sie sind seit vielen Jahren auf dem Markt, aber nach wie vor verstehen nicht alle Investoren diese Anlageklasse. Außerdem ist sie in vielen Portfolios untergewichtet. Woran liegt das?

In Schwellenländer zu investieren, ist und bleibt komplex. In der Vergangenheit haben zum Beispiel die Finanzkrise in Asien oder die Staatsschuldenkrisen in Russland und Argentinien dazu beigetragen, dass Investoren den Schwellenmärkten weniger vertraut haben. Die niedrigen Zinsen auf den entwickelten Märkten haben aber für eine Wende gesorgt: Anleger schauen sich nun Schwellenländer genauer an, denn sie sind eine der wenigen verbliebenen Optionen, um höhere Erträge zu generieren.

Welche Anlagekategorien sollten Investoren kennen, die sich für Schwellenländer-Anleihen interessieren?

Es gibt drei Hauptkategorien. Da sind zum einen Staatsanleihen in harter Währung. Diese Kategorie wird in erster Linie beeinflusst vom Wirtschaftswachstum und dem Schuldenstand. Mittlerweile umfasst der breite Marktindex für Hartwährungsstaatsanleihen 66 Länder. Im Jahr 1993 waren es erst 14. Dazu kommen als zweite Kategorie Staatsanleihen in lokaler Währung, die vor allem von Geldpolitik, Inflation und Wechselkursveränderungen getrieben werden. Als dritter Baustein sind Unternehmensanleihen in Hartwährung zu nennen, die das Länderrisiko eines Schwellenlands mit dem Kreditrisiko eines Unternehmens verbinden.

Welche Rolle spielen die Kategorien in der Anlagestrategie von Fidelity?

Fidelity deckt alle drei genannten Kategorien ab. Im Moment bevorzugen wir Unternehmensanleihen in Hartwährung. Einige exportorientierte Unternehmen, wie zum Beispiel brasilianische Proteinproduzenten, profitieren von der Abwertung der lokalen Währung. Bei Lokalwährungsanleihen setzen wir derzeit auf inflationsgeschützte Anleihen, da wir steigende Energiepreise und höhere Lebensmittelpreise beobachten. Wir wissen, dass Vermögenswerte in lokaler Währung volatiler sein können. Aber sie helfen bei der Diversifikation, da sie kaum mit festverzinslichen Wertpapieren entwickelter Märkte korrelieren.

Was können Anleger noch von Schwellenländer-Anleihen erwarten und warum gehören die Titel auf Dauer ins Depot?

Generell bin ich bei Prognosen vorsichtig. Beispielsweise könnte es Schwellenländer schwer treffen, wenn die US-Notenbank die Märke nicht mehr mit so viel billigem Geld flutet. Diesen Effekt können indes Schwellenländer abmildern, wenn ihre Fundamentaldaten solide sind. Hier kommen gute Zeichen auch aus der Politik: Zuletzt haben viele Wahlen in den Schwellenländern stattgefunden, das stabilisiert das Umfeld. Unterm Strich gehe ich davon aus, dass Schwellenländer-Anleihen von längerfristigen Trends profitieren werden. Für Investoren, die einen langen Anlagehorizont haben, bietet die Anlagekategorie daher einen Zugang zu wachstumsstarken Märkten.

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