Stabile Kryptowährungen Was bei den neuartigen Stablecoins zu beachten ist

Leonard Zobel ist Geschäftsführer bei Next Block in Berlin | © Next Block

Leonard Zobel ist Geschäftsführer bei Next Block in Berlin Foto: Next Block

Anders als Coins wie Bitcoin, Ether oder Ripple ist der Wert von Stablecoins an eine Währung oder auch ein Edelmetall wie Gold gebunden. In der Theorie sind Stablecoins also immer den gleichen Betrag zu einer Notenbank-Währung oder einem Asset wert. Der bekannteste Stablecoin ist Tether, um den es in den vergangenen Wochen einigen Trubel gab. Aber auch die Facebook-Mitbegründer, die Winklevoss-Brüder, haben mit Gemini USD einen Stablecoin auf den Markt gebracht.

Nun weisen die Stablecoins unterschiedliche Formen der Deckung durch nicht-digitale Werte auf: Entweder sind sie an eine Währung gebunden und der gleiche Betrag wie in Token wird etwa in Dollar an sicherer Stelle verwahrt. Oder die Coins sind an andere Kryptowährungen gebunden und dienen so zumindest als Stabilitätsanker im Kryptouniversum. Möglich ist es auch, Coins an Gold oder Silber zu binden, sodass ihr Wert zwar nicht stabil ist, aber genauso läuft wie der Gold- oder Silberpreis. Stabilität ist das Ziel der Entwickler von Stablecoins.

Dass das manchmal die Möglichkeiten der dahinter stehenden Teams sprengt, war bereits vor Jahren einmal beim Nubits-Projekt sichtbar geworden. Hier sollten Nubits als Stablecoin immer eins zu eins zum US-Dollar stehen. Das Problem ist aber: Um Marktschwankungen auszugleichen, müssen entweder mehr Coins auf den Markt gebracht oder aber welche vom Markt genommen werden. Notenbanken erledigen dies durch den Kauf oder Verkauf von Anleihen in oder gegen die Währungen, zu denen der Kurs des eigenen Geldes korrigiert werden soll.

Im Krypto-Universum ist es wie bei Notenbanken leicht, neues Geld zu schaffen – es werden einfach zusätzliche Coins ausgegeben. Sie wieder einzusammeln, ist schon schwieriger, da dafür eine Menge Notenbankgeld notwendig sein kann – je nachdem, wie der Kurs unter Druck gesetzt wird. Bei Nubits sprengte der Kursverfall den Rahmen und das dahinter stehende Unternehmen oder Team hatte nicht die Ressourcen, den Verfall aufzuhalten. Das Projekt gilt als gescheitert. Nun ist das bei Notenbank-Währungen genauso möglich, wenn etwa früher die italienische Lira immer wieder gerne abwertete oder auch heute der argentinische Peso kaum zu halten ist.

Bei Tether wurde in den vergangenen Wochen Ähnliches verbreitet: Zwischen Januar 2017 und September 2018 wuchs die Zahl der ausgegebenen Tether vom Wert her von zehn Millionen US-Dollar auf 2,8 Milliarden US-Dollar. Die große Frage ist, ob diese komplett hinterlegt sind. Bei Tether wird dies immer wieder sehr kontrovers diskutiert. Das Unternehmen trägt mit seiner intransparenten Haltung auch nicht gerade zur Vertrauensbildung bei.

So ist die Firma, die Tether ausgibt, eng mit der Börse Bitfinex verbunden. Dies wurde aber von beiden Seiten lange abgestritten, erst als die personellen Verflechtungen aufgedeckt wurden, wurden die Verbindungen klar. Bislang fehlen auch Prüfberichte oder andere Beweise, dass jeder Tether tatsächlich mit einem US-Dollar gesichert ist. So war es ein Leichtes, einen Sturm gegen Tether zu entfachen, der den Preis für den eigentlich ja stabilen Coin auf nur noch rund 70 US-Cent drückte. Mittlerweile hat sich das Ganze wieder etwas erholt, aber die Unsicherheit bleibt.

Andere, neue Stablecoins wie etwa Gemini USD lassen sich deshalb direkt prüfen, veröffentlichen alle notwendigen Informationen und streben echte Stabilität an. Warum aber sollte ich einen Coin handeln, der immer den gleichen Wert hat? Zunächst einmal ist das die gleiche Frage wie die, warum man Währungen als Anlageklasse nutzen soll: Sie schwanken gegeneinander und eignen sich so zum Handel. Wichtiger als der reine Kursgewinn, der eher bescheiden ausfallen dürfte, ist die Tauschfunktion der Stablecoins.

Über Stablecoins, wie etwa auch den von Circle ausgegebenen USDC, der auf Coinbase genutzt wird, haben Anleger die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Plattformen ohne weiteres Schwankungsrisiko Kapital auszutauschen und Assets zu transferieren. Auch können etwa Gewinne mitgenommen und gesichert werden, ohne gleich in Notenbankgeld gehen zu müssen, was noch immer umständlich und langwierig sein kann. Stablecoins spielen hier alle Vorteile der Kryptowährungen aus, lassen sich zu geringen Kosten jederzeit, auch am ersten Weihnachtsfeiertag, nutzen und können so neues und frisches Geld in die neue Assetklasse Kryptowährung ziehen.