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Tanzende Senioren: Der demografische Wandel führt dazu, dass die Ansprüche von älteren Menschen in Bezug auf Wohnraum, Gesundheit und Konsum sich ändern werden. Neue Anlagemöglichkeiten entstehen. | © Getty Images

Themenanlagen Megatrend Demographie

Walter Liebe, Senior Investment Advisor, Pictet Asset Management

Die Veränderung der altersmäßigen Bevölkerungsstruktur kann wesentlich zum Aufstieg oder Niedergang von Volkswirtschaften beitragen. Im positiven Falle steigert eine junge und wachsende Bevölkerung nachhaltig das Produktionspotenzial, da über viele Jahre die Erwerbsbevölkerung steigen wird. Typischerweise ist dies in vielen Schwellenländern der Fall, von wenigen Ausnahmen wie China abgesehen. Hier spricht man von der „demografischen Dividende“, die die Wachstumschancen potenziert. Im Gegensatz hierzu sehen sich viele Staaten der entwickelten Welt einer „demographischen Zeitbombe“ gegenüber, da das Durchschnittsalter der Bevölkerung bereits hoch ist und aufgrund einer niedrigen Fertilitätsrate (heute werden in Deutschland jährlich nur halb so viele Kinder geboren wie im geburtenstärksten Jahr 1964) weiter ansteigt. Perspektivisch wird die Zahl erwerbsfähiger Menschen zurückgehen, während gleichzeitig die Zahl von Transfers (wie Renten) abhängiger Personen rapide zunimmt. Für Deutschland bedeutet das, dass die Erwerbsbevölkerung künftig um 300.000 Menschen pro Jahr zurückgeht.

Wie wird der Megatrend „Demographie“ in der Welt der Kapitalanlage umgesetzt?

Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, deren Wachstum und Gewinne durch die Demographie angetrieben werden. Es gibt einige Investmentstrategien, die sich diesem Anlagethema widmen. Manche von ihnen spielen das Wachstum des Konsums einer steigenden Weltbevölkerung und eines zunehmenden Wohlstands. Damit werden Konsumgüterhersteller oder Tech-Firmen in das Portfolio aufgenommen. Es fällt jedoch auf, dass ganz überwiegend ein großer Fokus auf die Alterung der Gesellschaft – die überwiegend die Industriestaaten betrifft – gelegt wird. Man verspricht sich besondere Wachstumschancen für Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen für älter werdende Menschen anbieten (im angelsächsischen Sprachgebrauch wird das recht passend mit „silver age“ umschrieben).

Dazu gehören Betreiber von Altenpflegeeinrichtungen, Hersteller von Pflegerobotern, Hörgeräten und Medizintechnik der Geriatrie. Aber auch der Konsumbereich kann von veränderten Lebensgewohnheiten profitieren. Neben speziell auf ältere Mitmenschen zugeschnittenen Arzneimitteln und Nahrungsmitteln ist auch der Bereich Kosmetik sehr lukrativ, da die Babyboomer-Generation in der Regel sehr kaufkräftig ist und stärker als frühere Generationen auf sein Äußeres achtet. Nicht zuletzt ist das Tourismussegment einer der großen Profiteure einer längeren Agilität der älteren Generation.

Mini-Apartments statt Haus auf dem Land

Was bei den zuvor beschriebenen Anlagestrategien nicht vorkommt oder von untergeordneter Bedeutung ist, sind die anderen Facetten des Begriffs Demographie. Denn nicht nur die Veränderung der Altersstruktur ist nachhaltig und bedeutsam, sondern auch die Art und Weise, wie wir Menschen zusammenleben. In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben sich weltweit die Familien-Rollenbilder verändert, was weit reichende Konsequenzen hat. Junge Menschen heiraten später, bekommen weniger Kinder, die Frauenerwerbsquote ist bedeutend höher. Dadurch steigt beispielsweise die Nachfrage nach Kinderbetreuungs-Einrichtungen, insbesondere solche, die eine Vereinbarkeit von Job und der Rolle als Eltern ermöglichen. Darüber hinaus bevorzugen moderne Mütter einen völlig anderen Lebensstil als ihre Elterngeneration. Die Teilhabe am wirtschaftlichen Leben prägt ihre Erwartungen an Lebens- und Freizeitqualität. Hier profitieren insbesondere Dienstleistungsunternehmen, zum Beispiel aus den Bereichen Sport und Wellness.

Gleichzeitig üben städtische Räume mit ihren Jobmöglichkeiten und ihren kulturellen Angeboten eine magische Anziehungskraft auf gut ausgebildete Arbeitnehmer aus. Auch wenn wir Deutschen das Familienleben im Grünen favorisieren, spricht die globale Realität eine andere Sprache. Denn der Trend zur Verstädterung setzt sich mit zunehmender Geschwindigkeit fort, und hier greift ein weiteres Phänomen der veränderten Familienmodelle: Neben Kleinfamilien gibt es immer mehr Single-Haushalte mit dem Wunsch, nahe am Arbeitsplatz zu leben. Aufgrund knappen Wohnraums sind neuartige Wohn- und Arbeitskonzepte (Mini-Apartments und Coworking-Spaces) stark nachgefragt. Damit hängen Urbanisierung und Demographie eng zusammen, mitsamt den Herausforderungen, die es dabei zu lösen gilt. Neben der Bereitstellung von Wohnraum sind die Konsumgewohnheiten einer urbanen Bevölkerung anders als der Menschen auf dem Lande. E-Commerce und Lieferdienste sind weit verbreitet, die Nutzung von technologischen Innovationen ist bei jungen Stadtbewohnern höher.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Megatrend der demographischen Veränderung der bestimmende Wachstumsfaktor für die Weltwirtschaft ist. Sowohl die steigende Zahl der Weltbevölkerung als auch die Struktur der Gesellschaften eröffnet Wachstumschancen für eine Vielzahl von Unternehmen, sei es bei der Bewältigung von Herausforderungen oder schlicht, weil die Produkte und Dienstleistungen unser Leben angenehmer machen.

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