Produktionsstraße von Volkswagen Foto: IMAGO / Xinhua

Fondsmanager über Value-Werte

Traditionelle Wirtschaft steht vor Comeback

Hans-Peter Schupp
Bild: Fidecum

Im vergangenen Jahr sind unter allen Fonds-Kategorien „Aktien Technologie Welt“ am besten gelaufen, so eine Auswertung von Scope Analysis. Demnach legten sie allein 2020 um sage und schreibe 38,7 Prozent zu. Auf Sicht von fünf Jahren erzielten weltweit investierende Tech-Aktien-Fonds ein Plus von mehr als 20 Prozent per annum. Die Fonds, die schwerpunktmäßig auf traditionelle Branchen setzen, schnitten spürbar schlechter ab.

Schon seit dem Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2007 laufen Value-Werte den Groth-Titeln hinterher. Eine zwischenzeitliche Underperformance von Substanzen-Werten ist für sich genommen nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist mittlerweile der Zeitraum außerordentlich lang.

Déjà-vu 2000

Bereits Ende der 90er- und Anfang der 00er-Jahre gab es an den Aktienmärkten einen Technologie-Hype. Tatsächlich haben seitdem die Digitalisierung und das Internet einen weltweiten Siegeszug angetreten und das Leben der Menschen sowie der Wirtschaft spürbar verändert. Doch das Gros der damals bei Aktionären beliebten, zum Teil vergötterten Aktiengesellschaften existiert heute nicht mehr.

Derzeit gibt es allerdings einen bedeutenden Unterschied zur TMT-Blase von vor gut 20 Jahren. Heute schreiben viele der Tech-Stars schwarze Zahlen. Zum Teil erwirtschaften sie sogar unglaubliche Gewinne. Hier sind jedoch ein paar Relativierungen angebracht.

Beispiel Amazon: Der global größte Online-Händler ist einzigartig positioniert. Aber die schiere Größe dürfte den Konzern zunehmend unbeweglicher machen. Zudem sind Monopole erfahrungsgemäß endlich. Generell dürfte der regulatorische Druck auf Internet-Giganten zunehmen. Und der Erfolg zieht neue Konkurrenten an. Es könnte sich daher als Fehler erweisen, die bisherigen Gewinnsteigerungen von Amazon einfach fortzuschreiben. Die Börse handelt jedoch die Zukunft.

Ein noch extremeres Beispiel ist Tesla. Die Aktien des E-Auto-Pioniers haben sich im vergangenen Jahr vervielfacht. Selbst die Konkurrenz gesteht den Amerikanern zu, dass sie bei den Batterien, bei der Vernetzung und dem autonomen Fahren klar einen Vorsprung für sich reklamieren können. Allerdings macht Tesla nur auf den ersten Blick Gewinn. Tatsächlich stammen die Profite bislang ausschließlich aus dem Verkauf von CO2-Emissionsrechten an Fiat-Chrysler und Co. Operativ schreiben die Kalifornier mit dem Bau und dem Verkauf ihrer E-Autos nach wie vor rote Zahlen.

Die Kunst, ein Auto zu bauen, besteht eben weniger im Antrieb, sondern vielmehr in der Fähigkeit, just in time aus einer enormen Zahl von Teilen ein vollständiges Fahrzeug herzustellen. Und da kann bislang von den Newcomern den traditionellen Herstellern niemand das Wasser reichen.

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