Lokale Behörden haben Gemüsepakete für Bewohner der Region um Wuhan in China bereitgestellt: Wuhan gilt als Epizentrum der jetzt ausgebrochenen Virus-Epidemie. | © imago images/ ChengxMin PUBLICATION Foto: imago images/ ChengxMin PUBLICATION

Vermögensverwalter Stefan Wallrich

Was das Coronavirus für die Kapitalmärkte bedeutet

Stefan Wallrich
Foro: Wallrich AM

Coronaviren bilden eine große Familie von Viren, die leichte Erkältungen bis hin zu schweren Lungenentzündungen verursachen können. Zu ihnen gehören auch das erstmals 2012 bei Menschen aufgetretene MERS-Virus sowie das SARS-Virus. Zwar sollen die Gefahren, die von dem neuartigen Coronavirus („2019-nCoV“) ausgehen, an dieser Stelle keineswegs heruntergespielt werden – dazu fehlt uns ohnehin das medizinwissenschaftliche Know-how – ein länger anhaltender negativer Einfluss auf die Kapitalmärkte ist (derzeit) aber noch nicht zu erkennen.

SARS als Orientierungsgröße

Die hochansteckende Lungenkrankheit breitet sich ähnlich schnell aus wie das SARS-Virus 2002/2003, und die Zahl der damals Infizierten ist bereits deutlich überschritten. Andererseits liegt die Sterblichkeitsrate der Betroffenen offiziell „nur“ bei zwei bis drei Prozent, wobei viele Experten aufgrund der hohen Dunkelziffer weniger stark verlaufender Fälle von Werten unter einem Prozent ausgehen. Bei SARS waren es damals knapp zehn Prozent bei rund 8.000 Infizierten, bei MERS beträgt die Letalitätsrate lauf Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar über 30 Prozent. Gleichzeitig haben die Behörden trotz chinatypischer Versäumnisse nach der Entdeckung schneller und konsequenter reagiert als bei vorangegangenen Pandemien.

Wachstumseinbußen, insbesondere im wirtschaftlich ohnehin angeschlagenen China, sind gleichwohl schon erkennbar. Dies gilt beispielsweise für die Konsumentwicklung rund um das chinesische Neujahrsfest. Diverse Unterhaltungsshows und Sportevents wurden inzwischen abgesagt und immer mehr ausländische Geschäfte lassen ihre chinesischen Filialen vorübergehend geschlossen. Insgesamt scheinen sich die wirtschaftlichen Folgen aber noch in Grenzen zu halten. Für das Reich der Mitte lagen diese zu Zeiten des SARS-Virus in einer Größenordnung von einem Prozent des Bruttoinlandprodukts, und die chinesische Wirtschaft ist relativ schnell wieder zur Normalität zurückgekehrt. Da Wissenschaftler den Höhepunkt der Epidemie zwischen Mitte und Ende Februar erwarten, dürften die kommenden Wochen an dieser Stelle mehr Klarheit bringen. Den Januar haben Dax und Euro Stoxx 50 – insbesondere unter dem Eindruck des Coronavirus – mit einem Minus von 2,02 bzw. sogar 2,78 Prozent abgeschlossen.

Tipping-Points, wohin man schaut

Im Berichtszeitraum fand zudem das Weltwirtschaftsforum in Davos statt. Auffallend viele Redner sprachen dort von sogenannten Tipping-Points. Dabei handelt es sich um Punkte, bei denen eine Entwicklung abbricht, die Richtung wechselt oder sich stark beschleunigt. In erster Linie ging es in diesem Zusammenhang natürlich um die Klimaentwicklung. Aber auch in Bezug auf die Digitalisierung und den technischen Fortschritt, die ähnlich wie in der Gründerzeit um 1870 einen immer schnelleren Wandel bringen, wurde der Begriff wieder und wieder verwendet. Die Börse honoriert diese Entwicklung der starken Beschleunigung bei Technologietiteln mit hohen Bewertungen, die Unternehmen wie Apple, Amazon, Microsoft, Tesla usw. im Januar mit besser als erwartet berichteten Geschäftszahlen erneut rechtfertigen konnten. Kräftige Kursgewinne waren die Folge.


Über den Autor:
Stefan Wallrich ist Gründer und Vorstand der Frankfurter Vermögensverwaltung Wallrich Asset Management.

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