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in Nachhaltigkeit, ESG & SRILesedauer: 5 Minuten

Immobilien-Experte über Pläne der EU Sanierungspflicht: Kosten für viele Hauseigentümer nicht zu stemmen

Haus erhält neue Wärmedämmung
Haus erhält neue Wärmedämmung: In Deutschland könnte ein Drittel der Wohnhäuser von einer Sanierungspflicht betroffen sein – auf Eigentümer kommen damit hohe Kosten zu. | Foto: Imago Images / Shotshop

Das Umweltbewusstsein deutscher Immobilienbesitzer und Kaufinteressenten ist bemerkenswert hoch und es nimmt kontinuierlich zu. Dies ergibt sich aus einer aktuellen Studie der Technischen Universität Darmstadt und Baufi24, in deren Rahmen sich rund 71 Prozent der Befragten durch eine umweltbewusste Grundeinstellung ausgezeichnet haben. Über vier Fünftel (82 Prozent) der Studienteilnehmer zieht es in Betracht, durch Installation von Solaranlagen, Wärmepumpen und Stromspeicher bei der eigenen Immobilie in die Optimierung der Gebäudetechnologie zu investieren. Im Mittel liegt die Investitionsbereitschaft hierfür bei 8,4 Prozent des jeweiligen Immobilienwertes.

Sanierungskosten im hohen fünfstelligen Bereich

Rein vordergründig müsste der Mitte März vom EU-Parlament gefasste Beschluss, strengere Vorgaben an die Energieeffizienz älterer Wohngebäude auf den Weg zu bringen, somit auf breite Zustimmung stoßen – wenn da nicht die horrenden Belastungen für die betroffenen Besitzer wären. Bis 2030 sollen demnach alle Wohnhäuser mindestens die Energieeffizienzklasse „F“ und bis 2033 mindestens die mittlere Energieeffizienzklasse „D“ erreichen. Wie diese genau definiert sind, steht noch nicht fest. Klar ist nach EU-Angaben bisher nur, dass die 15 Prozent der ineffizientesten Gebäude eines Landes automatisch in die schlechteste Kategorie „G“ fallen.

Zwar sind deutsche Immobilien einer Studie zufolge im europäischen Vergleich schon relativ gut gedämmt, von den geplanten Regelungen – werden diese mit den EU-Mitgliedsstaaten dann tatsächlich vereinbart – sind sie dank der relativen Betrachtung innerhalb eines Landes dennoch stark betroffen. Schätzungsweise ein Drittel aller Wohngebäude in Deutschland müsste in den kommenden zehn Jahren wohl energetisch deutlich verbessert werden, wobei davon vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser betroffen wären. Kosten im mittleren bis hohen fünfstelligen oder sogar im sechsstelligen Bereich (ab 100.000 Euro) wären dann keine Ausnahme, sondern eher die Regel.

 

Derartige Zusatzausgaben sind von vielen Eigenheimbesitzern und Kleinvermietern nicht zu leisten. Das gilt umso mehr, als 40 Prozent der oben erwähnten Studienteilnehmer angaben, schon jetzt mehr als ein Drittel ihres Haushaltsnettoeinkommens fürs Wohnen auszugeben. Mehrkosten der Energiewende sind im Immobilienbereich für die untere Hälfte der Einkommensbezieher bis in die Mittelschicht hinein inzwischen deshalb nicht mehr tragbar.

Um diese Gruppe nicht zum Verkauf ihrer Häuser zu zwingen und im Extremfall sogar in die Altersarmut zu treiben (oft stellt die eigene Immobilie einen wichtigen Rentenbaustein dar), muss die Bundesregierung endlich geeignete Maßnahmen ergreifen, Wohnungs- und Hauseigentümer bei der energetischen Sanierung ihrer Immobilien nachhaltig zu unterstützen.

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Breit angelegtes Maßnahmenpaket erforderlich

Damit sind zum einen umfangreiche KfW-Förder- und Kreditprogramme zur energetischen Sanierung gemeint. Ähnlich wie bei vermieteten Objekten sollten die Kosten der energetischen Sanierung zudem auch bei selbst bewohnten Immobilien steuerlich geltend gemacht werden können. In diesem Zusammenhang eventuell anfallende Kreditzinsen sollten als „Rentenbaustein“ vollumfänglich von der Steuer absetzbar sein.

Ergänzend müssten Ländern, Städte und Gemeinden Bürgschaften für die Finanzierung entsprechenden Sanierungsmaßnahmen übernehmen und besondere nachhaltige Bauweisen sollten durch gezielte Incentivierung zusätzlich gefördert werden. Zur schnellen und effizienten Freigabe und Abwicklung der erforderlichen Maßnahmen ist zudem die Aus- und Weiterbildung von Energieberatern voranzutreiben.

 

Dabei gelten die hier aufgestellten Forderungen letztendlich unabhängig davon, ob beziehungsweise inwieweit die Vorstellungen des EU-Parlaments tatsächlich in nationales Recht einfließen werden. Wer durchaus berechtigte Energieeinsparungen im Wohnimmobiliensektor fordert, muss durch direkte Förderung und fiskalpolitische Maßnahmen gerade im aktuellen Umfeld stark gestiegener Energie- und Baukosten sowie explodierter Zinsen dafür sorgen, dass diese von den Betroffenen auch getragen werden können.

Keineswegs darf die Politik die Kosten der Energiewende und die Verantwortlichkeit für den Klimaschutz bei den Eigentümern belassen und gleichzeitig die Immobilieneigentumsförderung noch stärker behindern, als dies in Deutschland ohnehin schon der Fall ist. Dabei helfen können ausreichend lange Übergangsfristen von 15 bis 20 Jahren sowie Subventionen für einkommensschwächere Haushalte. Nach Ablauf der Frist können Vermieter frei entscheiden, ob sie sanieren oder verkaufen wollen.

Über den Autor:
Tomas Peeters ist seit März 2020 Vorstandsvorsitzender der Baufi24-Gruppe, zu der neben dem Immobilienfinanzierungsvermittler Baufi24 auch die Marken LoanLink24, Kredit24 und FinLink gehören. Zuvor verantwortete Peeters als Vorstandsmitglied bei Interhyp die Bereiche Partnergeschäft, Kundenbetreuung sowie die Zukunftswerkstatt.

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