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Märkte verstehen, Chancen nutzen

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Märkte verstehen, Chancen nutzen

Börsenhändler in New York: Selbst Portfolios mit risikoarmen Wertpapieren sind derzeit schwer unter Druck. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Anlagestrategie

Was mache ich jetzt mit meinem Portfolio?

Ok! Wir haben es verstanden. Es ist ziemlich unangenehm. Das Taumeln der Märkte in den letzten Wochen hat einige an die große Finanzkrise von 2008 erinnert. Vor drei Monaten wussten die meisten nicht, was ein Corona-Virus ist. Jetzt wirkt es sich auf unser gesamtes tägliches Leben aus.

Genau so fühlt sich das Risiko an: Unerwartete Dinge passieren. Und genau deshalb ist es so wichtig, vorbereitet zu sein. Deshalb raten wir seit Jahren, Portfolios zu diversifizieren und mit scheinbar langweiligen Investitionen anzureichern, deren Kurse sich häufig kaum bewegen und wo man sich mitunter fragen kann, warum wir sie überhaupt besitzen. Jetzt wissen wir, warum.

Auch die Perspektive ist in Zeiten wie diesen entscheidend. Der Verlauf der Geschichte ist nicht nur eine gute Erinnerung an das unvermeidliche Auf und Ab des Marktes, sie kann auch eine Lehre dafür sein, was zu tun (und nicht zu tun) ist, wenn das Unvermeidliche passiert. Hier sind drei Dinge, über die Anleger jetzt nachdenken sollten.

Lektion Eins: Bleiben Sie ruhig

Es ist wichtig, die aktuellen Märkte im Zusammenhang zu sehen. Der S&P-500-Index schloss 2019 mit einem Plus von 451 Prozent gegenüber seinem Tiefststand im März 2009. Das entspricht einer durchschnittlich jährlichen Rendite von 17,1 Prozent über das Jahrzehnt hinweg. Der S&P 500 bildet nur einen Teil dieser Gewinne ab. Es ist ein beängstigendes Gefühl, aber der Ausverkauf hat uns nicht den Großteil der Gewinne der letzten elf Jahre genommen. Trotzdem sollten wir uns nicht zu sehr freuen. Die Dinge können noch schlechter kommen, bevor sie sich bessern.

Lektion Zwei: Bleiben Sie investiert

Die guten Renditen der letzten elf Jahre waren von sehr geringer Volatilität geprägt. Die Kurskorrektur nach unten von über 10 Prozent, die wir vor zwei Wochen erlebt haben, war erst die sechste dieser Art in den letzten elf Jahren. Bis dato war der schlimmste Rückgang ein Minus von rund 20 Prozent Ende 2018. 2011 belief er sich auf 19 Prozent. In beiden Fällen erholte sich der Markt schnell und erreichte nach nur fünf Monaten wieder neue Höchststände. Die anderen Korrekturen lagen unter zehn Prozent und die Märkte erholten sich davon sogar noch schneller. Kursrückgänge kommen gibt es also häufiger, wie wir in den letzten zehn Jahren gesehen haben. Wenn Sie allerdings daran gewöhnt sind, die Börsenkurse kontinuierlich nach oben steigen zu sehen, ist es unangenehm, sie auf einmal so tief fallen zu sehen. Aber es sollte Sie nicht von der Börse abbringen, besonders dann nicht, wenn Sie einen langen Anlagehorizont haben.

Lektion drei: Bleiben Sie diversifiziert

Die Situation fühlt sich neu an, sie ist es aber nur bedingt. In den Neunzigerjahren, anfacht durch die Einführung des Internets, gab es einen technologiegetriebenen Bullenmarkt, der den S&P 500 fast ein Jahrzehnt lang um über 17 Prozent pro Jahr nach oben trieb. Die Volatilität ging zurück, Kredite wurden nur wenig in Anspruch genommen und die Anleger waren sehr zufrieden. Kommt Ihnen das bekannt vor? Damals waren einige Anleger der Ansicht, dass der Besitz von Anleihen und weniger riskanten Anlagen nicht sinnvoll sei. Sie entschieden sich stattdessen einfach dafür, mehr Technologieaktien zu kaufen. Was folgte, war eine Rezession, die einen 30 Monate anhaltenden Abwärtstrend an den Aktienmärkten einleitete, bei dem Aktien vom Höchststand bis zum Tiefststand 44 Prozent ihres Wertes verloren. Allein die Technologieunternehmen verloren in dieser Zeit schätzungsweise fünf Billionen US-Dollar an Marktwert. Dies bestätigt, dass es wichtig ist, Portfolios zu diversifizieren und dass wir „langweilige Wertpapiere“ wie Staatsanleihen weiterhin besitzen müssen, auch wenn wir uns nicht wohl fühlen, wenn die Marktwerte steigen. Dieselbe Lehre konnten wir aus den Jahren 2008 und 2009 ziehen.

Wir sagen nicht die nächste Rezession voraus. Aber die aktuelle Krise zeigt uns, dass wir unsere Renditeerwartungen mäßigen sollten. Wir können nicht einfach nur solche Wertpapiere im Portfolio halten, die schnelle Zuwächse bringen. Es sollte immer auch Anteile im Portfolio geben, die weniger ertragreich, dafür aber vermeintlich sicher sind. Sie helfen uns, falls die Märkte einmal nicht in die Richtung laufen, die wir erwarten. In solchen Momenten wie jetzt können unsere wenig ertragsreichsten Investitionen diejenigen sein, die dazu beitragen, den Wert des Portfolios zu stabilisieren: So können sich unsere Portfolios schneller erholen, wenn die Märkte drehen.

Renditeorientiere Wertpapiere sind und bleiben aber die Basis unserer Erträge. Wenn der Markt gegen uns läuft, kann sich das beängstigend anfühlen. Vermögen entsteht, wenn wir unsere Anlagestrategie gut abwägen. Anleger, die ruhig, investiert und diversifiziert bleiben, werden die stürmischen Zeiten gut überstehen und von der Entwicklung ihres Portfolios profitieren sobald der Sturm vorübergezogen ist.

Zum „Kapitalmarkt Spezial“-Video mit Martin Lück geht es hier.

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