Blackrock-Spezialist Michael Krautzberger „Spätestens dann hebt die EZB die Zinsen wieder an“

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleiheteams beim US-Vermögensverwalter Blackrock. | © Blackrock

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleiheteams beim US-Vermögensverwalter Blackrock. Foto: Blackrock

Ein wichtiger Aspekt bleibt bei der Diskussion um eine mögliche Zinswende der Europäischen Zentralbank vielfach außen vor: Die Staffelübergabe auf der Führungsetage der Notenbank. Nicht nur, dass am 31. Oktober 2019 die Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi endet. Auch bei weiteren zentralen Entscheidern laufen die Verträge demnächst aus, so etwa im Mai der des belgischen EZB-Chefökonomen Peter Praet. Das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré scheidet Ende 2019 aus.

Neben der Konjunktur- und Inflationsentwicklung könnte diese personelle Entwicklung richtungsweisend für die künftige Geldpolitik in der Eurozone sein. Denn es ist denkbar, dass die künftigen Entscheider eine straffere geldpolitische Gangart wählen als ihre Vorgänger. Der Markt hat diese Möglichkeit unserer Ansicht nach bislang nicht genug eingepreist. Beispielsweise herrscht verbreitet die Annahme, dass die EZB die Zinsen zunächst in Schritten von jeweils zehn Basispunkten erhöhen wird. Es ist jedoch durchaus möglich, dass sie größere Schritte von je 25 Basispunkten wählt, sobald der Einlagenzins nicht mehr negativ ist. Früher waren Zinsschritte dieser Größenordnung für die europäischen Geldpolitiker üblich.

Warum sich die EZB  so lange festgelegt hat

Die EZB dürfte sich nicht unter Druck fühlen, etwas an ihrer Kommunikation zu ändern, dass der erste Zinschritt nicht vor Ende des Sommers erfolgt. Es dürften vor allem technische Gründe gewesen sein, weshalb sie sich für so lange festgelegt hat, die Zinsen nicht zu erhöhen – gewissermaßen als Schutz vor einem negativen Stimmungswechsel am Markt infolge einer allzu überraschenden Kommunikation. Warum sonst hätte sie sich selbst so lange Zeit an ihre Aussage binden sollen, die Zinsen weiterhin unangetastet zu lassen? Spätestens Ende 2019/Anfang 2020 erwarten wir jedoch den ersten Zinsschritt.

Einige Segmente am Anleihenmarkt haben das Ende der Zinswende bereits eingepreist, zum Beispiel Kreditpapiere und Covered Bonds wie etwa Pfandbriefe, und sind wieder recht interessant. Andere Segmente wie Staatsanleihen hoher Bonität spiegeln die geldpolitische Wende noch nicht so richtig wider. Angesichts dieser Gemengelage ist es aus unserer Sicht angebracht, überwiegend auf kurzlaufende Papiere zu setzen. Bei Anleihen mit höheren Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren könnte es dagegen zu einer Neubewertung kommen, wenn die Wirtschaft sich nach einem Rücksetzer wieder erholt – und Langläufer sind ohnehin besonders zinssensitiv.